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3:0 für den Iran

Die Hardliner in Teheran sehen sich als Sieger im Krieg gegen Israel und die USA – mit starken Argumenten.
Plakat mit iranischer Führungsdynastie im Kaschmir
Foto: DT / IMAGO / NurPhoto | Auch in der Außenwirkung siegreich: Plakat mit iranischer Führungsdynastie im Kaschmir

Donald Trump kann Zahlen gut lesen: Umfragewerte im eigenen Land, Börsenkurse und Wirtschaftsdaten etwa. Darum war ihm bereits vor Wochen glasklar, dass er aus dem Krieg gegen den Iran, in den er sich von Benjamin Netanjahu hineinziehen ließ, dringend aussteigen müsste. Die Kriegsziele wurden entsprechend reduziert – und am Ende völlig fallengelassen. Diese Entwicklung beobachtete man in Israel mit wachsender Sorge, in Teheran mit wachsender Schadenfreude.

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Das „Memorandum of Understanding“, das am Mittwoch von Trump im französischen Königspalast Versailles und vom iranischen Präsidenten Peseschkjan in Teheran unterzeichnet wurde, ist zunächst eine pure Absichtserklärung. Als solche zeigt es aber, dass nicht ein einziges israelisch-amerikanisches Kriegsziel erreicht wurde: Das Mullah-Regime wurde weder gestürzt noch geschwächt, die Hardliner der Revolutionsgarden haben sogar an Macht innerhalb des iranischen Systems gewonnen, das Atomprogramm ist nicht lahmgelegt und die iranische Offensivkapazität gegen Israel ist nicht zerschlagen.

Diktatoren wissen nun, dass nur Atomwaffen schützen

Aus Sicht der iranischen Machthaber ist der mittlerweile weitgehend durchgesickerte Text des Absichtsabkommens ein klares 3:0 für den Iran: Das Regime hat bewiesen, dass es von der Weltmacht Nummer eins nicht in die Knie zu zwingen ist, sondern selbst einen Donald Trump zum Nachgeben zwingen kann. Zweitens muss nun Trump Druck auf Israel ausüben, seine Kampfhandlungen im Libanon einzustellen, womit Teheran indirekt auch seinen Verbündeten Hisbollah gerettet hat. Drittens werden alle Sanktionen gegen den Iran – auch die vom UN-Sicherheitsrat verfügten – von den USA aufgehoben und eingefrorene Vermögenswerte freigegeben.

Das iranische Zugeständnis, nicht nach der Atombombe zu streben, bereitet keinen Gesichtsverlust, weil selbst ein Ayatollah Ali Khamenei immer darauf insistierte, dass Atomwaffen „unislamisch“ seien und man daher nur eine friedliche Nutzung der Atomenergie anstrebe. Tatsächlich weiß nach dem Waffengang seit 28. Februar nun jeder im iranischen Machtapparat, dass nur der Besitz von Atomwaffen wirklich effizient vor derartigen Angriffen schützt. Nordkorea könnte diesbezüglich zum Vorbild für die Mullahs werden – und für Tyrannen aller Art in aller Welt.

Gefährdet Israel den Weltfrieden im Alleingang?

Gewiss, dieser Krieg war nicht nur ethisch, sondern auch geopolitisch und strategisch von Anfang an extrem fragwürdig. Und die Beendigung des Krieges wurde von Papst Leo XIV. bis zu den zum G7-Gipfel versammelten Regierungschefs freudig begrüßt. Verloren haben nun aber zweifellos nicht die iranischen Hardliner, sondern all jene, die sich von diesem Krieg einen neuen Nahen Osten erhofften: zunächst die israelische Regierung, die sich einer neuen transatlantischen Eiszeit ausgesetzt sieht und nun entscheiden muss, ob sie sich aus dem Libanon zurückzieht und das Wiedererstarken der Hisbollah machtlos hinnimmt – oder unter Trumps Drohungen den Weltfrieden im Alleingang gefährden will. Aber auch die Exil-Iraner, die auf ein Ende der brutalen, menschenverachtenden „Islamischen Republik“ und einen neuen Iran hofften, können sich nur frustriert von Trump abwenden.

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