Der iranische Expertenrat setzt auf Kontinuität: Dass er den Sohn des am 28. Februar getöteten Revolutionsführers Ayatollah Ali Khamenei, Modschtaba Hosseini Khamenei, zu dessen Nachfolger berief, kann US-Präsident Donald Trump jedenfalls nicht als „bedingungslose Kapitulation“ interpretieren. Im Gegenteil. Der 56-jährige neue Oberste Führer des Iran muss seine Aufgabe darin sehen, das von Ayatollah Ruhollah Khomeini 1979 geschaffene und vom eigenen Vater ab 1989 geführte und verfeinerte System der Mullah-Herrschaft mit allen Mitteln zu verteidigen. Angesichts der israelischen und amerikanischen Morddrohungen ist klar, dass Modschtaba Khamenei bereit ist, für diesen Systemerhalt sein Leben in die Waagschale zu werfen.
Allein das ist ein deutliches Signal an alle im Iran sowie weltweit, die in einem Regimewechsel das eigentliche oder gar das einzig legitime Kriegsziel sehen. Viele von ihnen blicken auf den Sohn eines anderen persischen Langzeitherrschers – auf Reza Pahlavi, dessen Vater das Land von 1941 bis zur Revolution 1979 regierte. Doch im Gegensatz zum Khamenei-Sohn setzt der 65-jährige Schah-Sohn nicht ausschließlich auf Kontinuität. Gewiss, viele seiner Anhänger werden auf die Rückkehr zur Erbmonarchie hoffen, doch er selbst präsentiert sich öffentlich bescheiden und demütig als „Übergangsfigur“, die die Transition des Iran zum demokratischen Rechtsstaat zu moderieren bereit ist.
Ein Freund des „kleinen Satan“
Das könnte dem kriegführenden Amerika gefallen, aber auch jenen, die die Herrschaftszeit von Mohammad Reza Pahlavi nicht in verklärtem Licht sehen, sondern sich an deren autokratische Züge erinnern. Ganz im Gegensatz zu Khamenei ist der 1960 in Teheran geborene Reza Pahlavi zudem ein erklärter Freund Israels, während die herrschenden Mullahs die USA als „großen Satan“ und Israel als „kleinen Satan“ bezeichnen.
Der „junge Khamenei“ war noch nicht zehn Jahre alt, als der Schah von Persien das Land verlassen musste und der greise Ayatollah aus seinem Pariser Exil heimkehrte, um eine Mullah-Tyrannei zu errichten. Der „junge Pahlavi“ war noch nicht sieben Jahre alt, als er im Zuge der feierlichen Krönung seines Vaters zum Kronprinzen erklärt wurde. Und er war noch nicht 18 Jahre, als er sein Heimatland verließ, um seine Ausbildung in den USA fortzusetzen. Modschtaba Khamenei wuchs in der Mullahkratie unter den Augen seines nahezu allmächtigen Vaters auf, während Reza Pahlavi nach dem frühen Tod seines Vaters 1980 in Kairo den allergrößten Teil seines Lebens in den USA zubrachte. Während der Sohn des Schahs also demokratisch sozialisiert wurde, ist beim Sohn des Ayatollah das Gegenteil der Fall.
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