Franz Kafka
Franz Kafka (1883–1924) war ein deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag und zählt zu den einflussreichsten Autoren der literarischen Moderne. Beruflich arbeitete der promovierte Jurist viele Jahre für eine Arbeiter-Unfall-Versicherungsanstalt in Prag. Zu Lebzeiten veröffentlichte Kafka nur einen vergleichsweise kleinen Teil seines literarischen Werks. Romane wie „Der Process“, „Das Schloss“ und „Der Verschollene“ erschienen erst nach seinem Tod, weil sein Freund Max Brod Kafkas Wunsch, unveröffentlichte Manuskripte zu vernichten, nicht ausführte.
Steckbrief
| Merkmal | Angaben |
| Geburtsname | Franz Kafka |
| Geburtsdatum | 3. Juli 1883 |
| Geburtsort | Prag, Österreich-Ungarn |
| Sterbedatum | 3. Juni 1924 |
| Sterbeort | Kierling bei Klosterneuburg, Österreich |
| Letztes Amt/Funktion | Versicherungsbeamter und Schriftsteller |
| Staatsangehörigkeit | österreichisch, nach 1918 tschechoslowakisch |
| Ausbildung | Studium der Rechtswissenschaften an der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag; Promotion zum Dr. jur. 1906 |
Karriere und Werdegang
Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in der Prager Altstadt als ältestes Kind von Hermann Kafka und Julie Kafka, geborene Löwy, geboren. Die Eltern waren jüdischer Herkunft, sein Vater betrieb ein Geschäft mit Galanteriewaren. Nach zwei Brüdern, die bereits als Kleinkinder starben, wurden Kafkas drei Schwestern Gabriele, genannt Elli, Valerie, genannt Valli, und Ottilie, genannt Ottla, geboren. Die Familie gehörte zum deutschsprachigen Milieu Prags, lebte jedoch in einer mehrsprachigen, von deutscher und tschechischer Kultur geprägten Umgebung.
Von 1889 an besuchte Kafka eine deutsche Schule, anschließend von 1893 bis 1901 das deutschsprachige Staatsgymnasium in der Prager Altstadt. Nach dem Abitur begann er 1901 an der Deutschen Karl-Ferdinands-Universität in Prag zu studieren. Nach einem kurzen Ausflug in die Chemie entschied er sich für Rechtswissenschaften, hörte daneben aber auch Vorlesungen unter anderem in Germanistik und Kunstgeschichte. 1906 schloss er sein Jurastudium mit der Promotion ab. Anschließend absolvierte er ein Rechtspraktikum an Gerichten in Prag.
Während seines Studiums lernte Kafka 1902 Max Brod kennen. Aus der Begegnung entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft, die auch für Kafkas literarisches Nachleben entscheidend werden sollte. Kafka bewegte sich im Umfeld deutschsprachiger Prager Autoren und Intellektueller. Zu seinem Bekanntenkreis gehörten neben Brod unter anderem Felix Weltsch und Oskar Baum. Bereits in dieser Zeit entstanden frühe literarische Texte.
Seinen Lebensunterhalt verdiente Kafka zunächst außerhalb des Literaturbetriebs. 1907 trat er eine Stelle bei der Versicherungsgesellschaft Assicurazioni Generali an. 1908 wechselte er zur Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt für das Königreich Böhmen in Prag. Dort befasste er sich beruflich mit Fragen der Unfallverhütung und der Versicherung von Arbeitnehmern. Die Tätigkeit blieb bis zu seiner krankheitsbedingten Pensionierung 1922 seine wichtigste berufliche Beschäftigung. Das Schreiben betrieb Kafka überwiegend außerhalb seiner Arbeitszeit und häufig nachts.
1908 erschienen erste Prosatexte Kafkas in der Zeitschrift „Hyperion“. 1912 veröffentlichte er unter dem Titel „Betrachtung“ eine Sammlung kurzer Prosastücke. Im selben Jahr entstand in einer einzigen Nacht die Erzählung „Das Urteil“. Kurz darauf arbeitete Kafka an „Die Verwandlung“, einer seiner bekanntesten Erzählungen. Darin erwacht der Handlungsreisende Gregor Samsa eines Morgens als ungeheures Ungeziefer. Die 1915 veröffentlichte Erzählung wurde zu einem Schlüsseltext seines Werks.
Auch Kafkas persönliches Leben war eng mit seinem Schreiben verbunden. 1912 lernte er Felice Bauer kennen. Mit ihr führte er über mehrere Jahre eine intensive Korrespondenz; das Paar verlobte sich zweimal, heiratete jedoch nicht. Später hatte Kafka unter anderem eine Beziehung zu der Prager Übersetzerin und Journalistin Milena Jesenská. Seine Briefe an beide Frauen wurden später veröffentlicht und gehören heute zu wichtigen Zeugnissen seines Lebens und seiner literarischen Arbeitsweise.
1914 begann Kafka mit der Arbeit an dem später unter dem Titel „Der Process“ veröffentlichten Roman. Im Mittelpunkt steht Josef K., der ohne erkennbare Begründung verhaftet wird und in ein undurchschaubares Gerichtsverfahren gerät. Wie mehrere seiner großen Prosawerke blieb auch dieser Roman Fragment. 1922 arbeitete Kafka am Roman „Das Schloss“, dessen Hauptfigur K. vergeblich versucht, Zugang zu den Behörden eines Schlosses zu erhalten.
1917 wurde bei Kafka eine Lungenerkrankung festgestellt, die seinen weiteren Lebensweg zunehmend bestimmte. Er verbrachte längere Zeit außerhalb Prags, unter anderem bei seiner Schwester Ottla. Die Erkrankung zwang ihn schließlich, seine berufliche Tätigkeit aufzugeben. 1922 wurde er pensioniert.
Im Jahr 1923 lernte Kafka Dora Diamant kennen. Mit ihr zog er nach Berlin und versuchte damit erstmals, sich dauerhaft von seinem Prager Elternhaus zu lösen. In dieser Zeit beschäftigte er sich intensiv mit jüdischer Kultur und der hebräischen Sprache. Kafka hatte sich bereits zuvor mit dem Zionismus und mit der Möglichkeit eines Lebens in Palästina auseinandergesetzt. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich jedoch zunehmend.
1924 kehrte Kafka schwer erkrankt zunächst nach Prag zurück. Schließlich wurde er in das Sanatorium Dr. Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg in Niederösterreich gebracht. Die diagnostizierte Kehlkopftuberkulose erschwerte ihm zuletzt das Sprechen sowie die Aufnahme von Nahrung und Flüssigkeit erheblich. Franz Kafka starb dort am 3. Juni 1924 im Alter von 40 Jahren. Er wurde auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Prag beigesetzt.
Für Kafkas Nachruhm war Max Brod von entscheidender Bedeutung. Kafka hatte Brod angewiesen, einen erheblichen Teil seiner unveröffentlichten Manuskripte nach seinem Tod zu verbrennen. Brod widersetzte sich diesem Wunsch und gab die Texte heraus. Dadurch erschienen unter anderem die Romanfragmente „Der Process“, „Das Schloss“ und „Der Verschollene“ postum. Erst nach Kafkas Tod entwickelte sich sein Werk zu einem zentralen Bezugspunkt der internationalen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Positionen/Themen
Fremdheit und Isolation: Franz Kafkas literarisches Werk ist wesentlich von Erfahrungen der Fremdheit, Isolation und Unsicherheit menschlicher Existenz geprägt.
Individuum und Institutionen: Besonders charakteristisch ist die Darstellung bürokratischer Strukturen, deren Regeln für die betroffenen Figuren nicht nachvollziehbar sind. In „Der Process“ und „Das Schloss“ begegnen die Protagonisten Institutionen, die mächtig erscheinen, zugleich aber schwer greifbar bleiben. Aus dieser besonderen Verbindung von Alltäglichem, Bedrohlichem und Absurdem entwickelte sich später der Begriff „kafkaesk“.
Jüdische Identität und Kultur: Eine wichtige Rolle für Kafkas Leben spielte seine jüdische Herkunft. Er beschäftigte sich zunehmend mit jüdischer Kultur, Religion, jiddischem Theater, Hebräisch und dem Zionismus. In seinen letzten Lebensjahren erwog er zeitweise ein Leben in Palästina.
Familie und Autorität: Auch das Verhältnis zwischen Individuum, Familie und Autorität zieht sich durch sein Werk. Die schwierige Beziehung zu seinem Vater Hermann Kafka fand einen besonders deutlichen Ausdruck im 1919 verfassten „Brief an den Vater“. Das umfangreiche Schreiben wurde dem Vater nach heutigem Kenntnisstand nicht übergeben und erst postum veröffentlicht.
Werke/Publikationen
Betrachtung (1912)
Das Urteil (1913)
Die Verwandlung (1915)
In der Strafkolonie (1919)
Ein Landarzt (1919)
Ein Hungerkünstler (1924)
Der Process (postum 1925)
Das Schloss (postum 1926)
Amerika/Der Verschollene (postum 1927)
Brief an den Vater (postum veröffentlicht)
Fragen und Antworten (FAQ)
Wer war Franz Kafka?
Franz Kafka war ein deutschsprachiger Schriftsteller aus Prag. Er gilt als einer der bedeutendsten Autoren der literarischen Moderne und ist insbesondere für Werke wie „Die Verwandlung“, „Der Process“ und „Das Schloss“ bekannt.
Wann wurde Franz Kafka geboren?
Franz Kafka wurde am 3. Juli 1883 in der Prager Altstadt geboren. Seine Eltern waren Hermann Kafka und Julie Kafka, geborene Löwy.
Welchen Beruf hatte Franz Kafka?
Kafka war promovierter Jurist. Hauptberuflich arbeitete er zunächst für die Assicurazioni Generali und anschließend viele Jahre für die Arbeiter-Unfall-Versicherungs-Anstalt in Prag. Parallel dazu verfasste er sein literarisches Werk.
Welche Werke von Franz Kafka sind besonders bekannt?
Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Die Verwandlung“, „Der Process“, „Das Schloss“, „Das Urteil“ und „In der Strafkolonie“. Die großen Romanfragmente wurden erst nach seinem Tod veröffentlicht.
Warum wurden viele Werke Kafkas erst nach seinem Tod veröffentlicht?
Kafka hatte nur einen Teil seines Werks selbst zur Buchveröffentlichung freigegeben. Seinen Freund Max Brod hatte er angewiesen, unveröffentlichte Manuskripte zu vernichten. Brod führte diesen Wunsch nicht aus und veröffentlichte wesentliche Teile des Nachlasses.
Wann und wo starb Franz Kafka?
Franz Kafka starb am 3. Juni 1924 im Sanatorium Dr. Hoffmann in Kierling bei Klosterneuburg in Niederösterreich. Er litt an Tuberkulose, die zuletzt auch seinen Kehlkopf erfasst hatte.
Abschließende Hinweise
Diese Biografie bietet eine sachliche Übersicht über das Leben und Wirken von Franz Kafka von seiner Geburt 1883 bis zu seinem Tod am 3. Juni 1924 sowie über die postume Veröffentlichung wesentlicher Teile seines literarischen Nachlasses.














