Wenn’s hoch kommt, so sind es 80 Jahr: Gilt die Prognose des Psalmisten, die ja mit Blick auf das Menschenleben erfreulicherweise heute vielfach übertroffen wird, auch für die Lebensdauer von Gesellschaftskonzepten? Davon, dass nach acht Jahrzehnten eine gute Gelegenheit ist, Bilanz zu ziehen, aber auch nach vorne zu schauen, waren jedenfalls die Organisatoren von R21 überzeugt. Die konservativ-liberale Denkfabrik, die sich die Formulierung von Zielen für bürgerliche Politik auf die Fahnen geschrieben hat, hatte am vergangenen Dienstag nach Düsseldorf zu einem Symposium eingeladen, das Thema: „80 Jahre Soziale Marktwirtschaft“. Neben vielen Experten, die über die historischen Grundlagen und die ideengeschichtliche Entwicklung des Wirtschafts- und Gesellschaftskonzeptes zum Teil leidenschaftlich debattierten, kamen aber auch politische Praktiker zu Wort. Das war auch deswegen eine richtige Entscheidung der Organisatoren, weil am Ende alle Theorie grau bleiben muss, wenn nicht einer da ist, der dafür sorgt, dass sie auch umgesetzt werden kann. Und das geschieht in der Bundesrepublik in den Parlamenten.
Henning Höne gehört einer seltenen Spezies an: Er ist Vorsitzender einer Parlamentsfraktion der FDP. Seit die Liberalen an ihrem Einzug in den Bundestag gescheitert sind, müssen sie befürchten, die aktuellen Umfragewerte sprechen eher dafür, dass sie auf lange Sicht zur außerparlamentarischen Kraft werden könnten. Der 38-Jährige, der schon seit 13 Jahren im Düsseldorfer Landtag ist, hat aber den Optimismus noch nicht aufgegeben. In einer Diskussionsrunde präsentierte er sich als konsequenter Vertreter von Ordnungspolitik und unterstrich dabei, dass es in der Politik Charakterstärke brauche, um diesen Ansatz auch durchzuhalten. Und keine Frage, genau hier sieht Höne die Aufgabe der FDP. Viele Wähler hätten in Friedrich Merz einen Garanten für so eine ordnungspolitische Linie gesehen. Doch nun mache der Kanzler vielfach das genaue Gegenteil von dem, was er im Wahlkampf vertreten habe. Diese Lücke will er mit den Liberalen schließen. Eigentlich doch beste Voraussetzungen für das Superwahljahr, könnte man meinen.
Aber trotzdem reüssiert die FDP nicht, und es gibt durchaus Menschen, zum Beispiel diejenigen, die sich zu diesem Symposium versammelt hatten, die das bedauern. In einem Impulsvortrag hatte Linda Teuteberg, ebenfalls eine liberale Spitzenpolitikerin, Aspekte aufgeführt, die die Wahlkampfmanager ihrer Partei vielleicht berücksichtigen könnten. Das Bekenntnis zur Sozialen Marktwirtschaft wurzele letztlich in einem Menschenbild. Und das sei antikollektivistisch und schreibe dem Individuum die zentrale Rolle zu. Genau das entspreche dem Artikel 1 des Grundgesetzes, wo die unantastbare Würde des Menschen festgestellt wird. Es sei wichtig, dieses Mindset stärker nach vorne zu stellen, mahnte Teuteberg. Dafür gab es Applaus. Die Teilnehmer der Konferenz schienen sich sicher zu sein, dass eine so ausgerichtete FDP zum Lebenselexier für eine Soziale Marktwirtschaft werden könnte, die auch noch ihren 100. Geburtstag feiern wird.
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