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Dem Gemeinwohl verpflichtet

Wirtschaft, „die tötet“? Auf den deutschen Mittelstand trifft das zweifellos nicht zu. Sein gesellschaftlicher Beitrag geht weit über messbare Statistiken hinaus.
Brose Verwaltungsgebäude in Bamberg
Foto: IMAGO/Fotostand / Michael Gründel (www.imago-images.de) | Klassischer deutscher Mittelstand: Verwaltungsgebäude des Automobilzulieferers Brose in Bamberg.

Im Sinne seines Vorgängers spricht auch Papst Leo XIV. in seiner ersten Apostolischen Exhortation „Dilexi te“ von der „Diktatur einer Wirtschaft, die tötet“. Er kritisiert dabei, dass „die Einkommen einiger weniger exponentiell steigen“, während der Anteil derjenigen zunimmt, die „vom Wohlstand dieser glücklichen Minderheit“ immer weiter entfernt sind. Zwischen den Zeilen kommt damit zum Ausdruck, wie sehr auch dieser Papst durch seine Tätigkeit in südamerikanischen Armenvierteln geprägt wurde. Gleichwohl ist es auch ein Warnruf in Zeiten, in denen nicht nur der Reichtum einzelner Personen in einzelnen Staaten kontinuierlich steigt, sondern sich diese zu ihrem eigenen Wohlergehen auch in die Politik ihres Landes einmischen.

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Ein Gegenpol zu dieser negativen Entwicklung stellt zweifellos der Mittelstand in Deutschland dar: In unseren Befragungen kommt immer wieder zum Ausdruck, dass sich die Familienunternehmerinnen und Familienunternehmer deutlich mehr als angestellte Manager und Managerinnen in der Verantwortung fühlen, Arbeitsplätze zu schaffen und zu erhalten. Bewiesen haben sie dies zuletzt während der Corona-Pandemie, als sie trotz Umsatzeinbußen weitestgehend auf Personalabbau verzichteten. Allerdings fiel es ihnen aufgrund ihrer Eigentums- und Führungsstruktur auch leichter als angestellten Führungskräften, ihren selbst gestellten Ansprüchen gerecht zu werden. Auch profitierten sie in dieser schwierigen wirtschaftlichen Phase – ebenso wie die managergeführten Unternehmen – von den staatlichen Unterstützungsmaßnahmen.

Gleichwohl trugen sie durch Werte wie Verbindlichkeit und Verlässlichkeit entscheidend zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes in Deutschland bei. Dies honorierte die Gesellschaft während der Pandemie, indem die Bürgerinnen und Bürger zu zahlreichen „Kauf-vor-Ort“-Initiativen aufriefen. Aber auch generell genießt der Mittelstand in der Bevölkerung einen guten Ruf, wie jüngst eine Befragung des Allensbach-Instituts Anfang Dezember 2025 für die mittelständischen Industrieunternehmen gezeigt hat.

Der Mittelstand leistet aber nicht nur in Krisenzeiten einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag, sondern er trägt auch generell zur Zukunftsfähigkeit und Krisenfestigkeit von Regionen bei. Dabei geht sein gesellschaftlicher Beitrag weit über messbare Statistiken hinaus, auch wenn dies unterschiedlich in der Bevölkerung wahrgenommen wird: In wirtschaftlich gut aufgestellten Regionen richtet sich der Blick stärker auf den Erhalt der regionalen Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit. In strukturschwachen Regionen sowie in Regionen, die sich im Strukturwandel befinden, wird der gesellschaftliche Beitrag des Mittelstands hingegen eher mit der Schaffung und Sicherung von Arbeits- und Ausbildungsplätzen gleichgesetzt. In all diesen Regionen gemein ist, dass die Vielfalt der Familienunternehmen und ihre Verantwortung gegenüber ihren Stakeholdern ganz im Sinne von Papst Franziskus und Papst Leo XIV. maßgeblich zur Teilhabe der Menschen vor Ort am Arbeitsleben und am gesellschaftlichen Leben beitragen.

Die Autorin ist Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und Professorin an der Universität Siegen. 

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