Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kants "Kritik der reinen Vernunft"

Genial daneben

Martin Rhonheimer erklärt, warum Kant mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ zwar ein „genialer Wurf“ gelungen, diese aber trotz ihrer „epochalen Wirkung“ ein „Schlag ins Wasser“ sei.
Immanuel Kant bedeutendster Denker der Aufklärung
Foto: IMAGO/Unknown (www.imago-images.de) | Vom „Standpunkt der klassischen Metaphysik“ aus sei Kants Begriff von „Metaphysik“ als gänzlich von aller Erfahrung unabhängige Erkenntnis „a priori“, das heißt als Erkenntnis „aus reiner Vernunft“, geradezu ...

Immanuel Kant (1724-1804) zählt zu den bedeutendsten Denkern der Aufklärung. Und doch ist sein Hauptwerk, die „Kritik der reinen Vernunft“, eine „epochale Fehlleistung“ und eine der größten „Tautologien der Philosophiegeschichte“. Das behauptet der Philosoph Martin Rhonheimer in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“.

Lesen Sie auch:

In seinem Essay für das Ressort „Glaube und Wissen“ würdigt Rhonheimer, der drei Jahrzehnte lang Ethik und politische Philosophie an der Päpstlichen Universität Santa Croce in Rom lehrte, dass Kant die Brüchigkeit der Philosophie seiner Zeit durchschaut habe. Dennoch sei er von ihren Voraussetzungen und von ihren Denkmitteln abhängig geblieben. Klassische Metaphysik und Erkenntnistheorie seien Kant „weitgehend unbekannt“ geblieben und seine Vorstellungen darüber, was in der Philosophie vor Descartes gedacht wurde, müssten als „historisch unerleuchtet“ bezeichnet werden.

Schlag ins Wasser

Vom „Standpunkt der klassischen Metaphysik“ aus sei Kants Begriff von „Metaphysik“ als gänzlich von aller Erfahrung unabhängige Erkenntnis „a priori“, das heißt als Erkenntnis „aus reiner Vernunft“, geradezu „absurd“ und seine Frage, ob eine solche Erkenntnis als „Wissenschaft“ überhaupt möglich sei, zwar im historischen Kontext der rationalistischen Schulphilosophie „verständlich, von der Sache her aber überflüssig.“

Denn in Wirklichkeit könne es, so Rhonheimer, „überhaupt keine von Erfahrung unabhängige Erkenntnis, aus ,reiner Vernunft‘ geben, weder als Wissenschaft oder sonst wie.“ Unbeschadet ihrer „unbestreitbaren Eleganz und Subtilität“ beruhe Kants „Kritik der reinen Vernunft“ deshalb auf einem „Missverständnis“ darüber, was Metaphysik sei und erweise sich trotz ihrer „epochalen Wirkung“ letztlich als ein „Schlag ins Wasser“.  DT/reh

Lesen Sie den ausführlichen Essay in der kommenden Ausgabe der "Tagespost".

Themen & Autoren
Vorabmeldung Immanuel Kant Martin Rhonheimer René Descartes

Weitere Artikel

Ulf Poschardt legt nach seiner Kritik am „Shitbürgertum“ mit einem neuen Buch nach. Nun liest er dem „Bückbürgertum“ die Leviten. Sogar Selbstkritik hat darin Platz – zumindest ein wenig.
17.07.2026, 11 Uhr
Jakob Ranke
Helmut Müller betrachtet das Menschsein und die Gottesfrage im Spiegel der Philosophiegeschichte.
11.05.2026, 09 Uhr
Manfred Gerwing
Das Naturrecht setzt ganz auf die Vernunft des Menschen, darum wäre es die richtige Medizin für viele Krankheiten unserer Epoche.
06.09.2025, 15 Uhr
Stephan Baier

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser