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Was, wenn der richtige Partner einfach nicht kommt?

Zwischen Sehnsucht, Hoffnung und geistlicher Fruchtbarkeit: Wie Singles ihren Weg mit Gott gehen können.
Frau an Landstraße
Foto: IMAGO/Anastasiya Amraeva (www.imago-images.de) | Allein unterwegs? Auch damit kann man gut umgehen.

Diese Kolumne befasst sich regelmäßig mit Fragen zu Sexualität und Partnerschaft. Am Schluss des Textes können Sie anonym Ihre Fragen einreichen.


 Wie gehe ich mit meinem Singledasein um? Das ist eine Frage, die immer mehr Menschen betrifft, denn laut Statistischem Bundesamt leben über 17 Millionen Menschen in Deutschland alleine. Grundsätzlich muss man zunächst einmal zwischen „Alleinsein“ und „Einsamkeit“ unterscheiden. Den meisten Menschen tut es gut, hin und wieder alleine zu sein, zum Beispiel um zur Ruhe zu kommen. Einsamkeit bezeichnet hingegen das Empfinden eines Mangels (an Gemeinschaft) und damit ein Leiden.

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Interessant ist, dass auch Menschen, die in einer Beziehung leben, sich einsam fühlen können, wenn sie sich beispielsweise von ihrem Partner unverstanden fühlen oder der Partner einen Weg einschlägt, den man nicht mitgehen kann oder möchte. Insofern ist es für jeden Menschen empfehlenswert, den Wert des Alleinseins zu entdecken, wo er mit sich, aber auch mit Gott, konfrontiert ist. Oder, wie Dietrich Bonhoeffer es auf den Punkt brachte: „Wer nicht allein sein kann, hüte sich vor Gemeinschaft. Wer keine Gemeinschaft hat, hüte sich vor Einsamkeit“. Es sollte auch nicht die Neigung des Menschen vergessen werden, immer das haben zu wollen oder zu verklären, was er nicht hat, denn auch eine Partnerschaft ist, wie gesagt, keine Garantie für Glück oder gegen Einsamkeit.

In Bezug auf den Umgang mit dem Singledasein sind wohl zwei Aspekte wichtig: Wer die Sehnsucht nach einem Partner verspürt, wird in irgendeiner Weise weitersuchen; das ist der Aspekt der Hoffnung. Auf der anderen Seite gilt es, die Gegenwart, wie sie nun einmal ist, zu gestalten und das Leben zu leben.

Es ist gut, Gemeinschaft zu suchen, indem man Freundschaften pflegt, sich engagiert oder einer geistlichen Gemeinschaft beitritt. Dies können Orte sein, um potenzielle Partner kennenzulernen. Darüber hinaus können sich neue Freundschaften entwickeln, was wiederum der Einsamkeit entgegenwirkt. Hilfreich ist auch, sich mit anderen Singles zusammenzutun und vielleicht sogar einen „Treff“ ins Leben zu rufen, um sich auszutauschen und zu stärken. Häufig gibt es kirchliche Angebote für Kinder, Jugendliche, Ehepaare und Familien – weniger jedoch für Singles, die der Jugend entwachsen sind. Daneben spricht nichts dagegen, sich aktiv auf die Suche zu begeben und dafür auch (christliche) Dating-Plattformen zu nutzen. Eine schöne Möglichkeit ist es, für seinen zukünftigen Partner zu beten, im Vertrauen darauf, dass Gott ihn zur rechten Zeit zuführen wird.
In dieser Hinsicht kann das Singledasein auch eine „Vertrauensübung“ sein: dass Gott um meine Sehnsucht weiß und auch, wenn sie (noch) nicht erfüllt wird, das Beste für mich will und mich zur Heiligkeit führen möchte.

Dies bringt uns zum zweiten Aspekt: „Das ist der Wille Gottes, eure Heiligung“ (1 Thess 4,3). Diesen Gedanken hat das Zweite Vatikanische Konzil in „Lumen Gentium“ hervorgehoben. Zu diesem Ziel gibt es unterschiedliche Wege, unterschiedliche Berufungen. In jedem Fall ist es aber der Weg Jesu, also der Weg der Hingabe, des Dienstes und der Fruchtbarkeit. Dieser Weg ist uns allen aufgegeben, egal in welchem Stand. Wer diesen Weg geht, dessen Leben wird nicht „umsonst“ gewesen sein. Sich dies immer wieder ins Bewusstsein zu rufen, kann tiefen Trost schenken. Fruchtbarkeit bedeutet eben nicht nur, eigene Kinder großzuziehen. Auch geistliche Fruchtbarkeit gehört dazu. Um sie zu leben, kann – wie bereits erwähnt – der Anschluss an eine geistliche Gemeinschaft hilfreich sein, etwa um karitative Aufgaben zu finden, die den eigenen Fähigkeiten und Neigungen entsprechen. Auch ein Single kann seinem Leben Sinn verleihen und sich in den Dienst nehmen lassen, dort, wo Gott ihn hinstellt.

Die Autorin ist Theologin, Religionslehrerin und zertifizierte Beraterin für Natürliche Empfängnisregelung nach Josef Rötzer.


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Bei der Kolumne „Sex and Soul“ handelt es sich um einen Meinungsbeitrag, der Leserfragen ausschließlich in allgemeiner Weise aufgreift und keine persönliche Beratung leistet.

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