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Zykluswissen als Lebenshilfe

Die Natürliche Empfängnisregelung nach Rötzer hat bereits vielen verzweifelten Paaren geholfen. Ein Kongress feierte das 40-jährige Bestehen des INER.
Verliebtes Paar
Foto: Imago/imagebroker | Die Natürliche Empfängnisregelung hält die beiden Sinngehalte des ehelichen Einswerdens zusammen: liebende Hingabe und Fruchtbarkeit.

Heimlich über die Grenze seien die Bücher des österreichischen Arztes Josef Rötzer über die Natürliche Empfängnisregelung (NER) bereits 1965 in die DDR geschmuggelt worden, berichtet der Gynäkologe Siegfried Hummel beim internationalen Jahreskongress des Instituts für Natürliche Empfängnisregelung (INER) vom 1. bis 3. Mai vor über 100 Gästen im Evangelischen Allianzhaus in Bad Blankenburg.

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Sogar die Enzyklika „Humanae Vitae“ sei dank des Kontakts mit Katholiken auch von evangelischen Christen gelesen worden. Das NER-Wissen sei nicht nur für Christen, sondern auch für Atheisten eine große Hilfe gewesen, da die Nebenwirkungen der „DDR-Pille“, etwa Gewebeveränderungen in der Brust, erheblich gewesen seien.

Wie bahnbrechend die seit den 1950er-Jahren entwickelte Methode Rötzers mit der sicheren Feststellung der unfruchtbaren Zeiten der Frau – nicht nur für Paare in der DDR – war, wurde während des gesamten Kongresses deutlich, der zugleich das 40-jährige Bestehen des INER feierte. „Es kamen verzweifelte Paare zu meinem Vater, die aus schwerwiegenden Gründen eine Schwangerschaft vermeiden mussten – etwa nach einer Krebsbehandlung der Frau“, schildert INER-Präsidentin Elisabeth Rötzer, Tochter des 2010 verstorbenen Arztes, gegenüber der „Tagespost“.

Die Methode nach Rötzer – Selbstbeobachtung und Temperaturmessung – habe laut Studien bei korrekter Anwendung einen Pearl-Index (PI) von null. Kein Verhütungsmittel erreiche diese absolute Zuverlässigkeit. Für die verzweifelten Paare sei die Bestimmung der „sicheren unfruchtbaren Phase“ ein großes Geschenk gewesen, so die INER-Präsidentin. „Ich sage oft, dass Gott es – gerade auch für solche Paare – so eingerichtet hat, dass die Frau dieses Geschenk mitbringt, an bestimmten Tagen unfruchtbar zu sein.“

Andere Logik als Pille

Zugleich betont Rötzer, dass NER einer grundlegend anderen Logik folge als die Pille: Abgesehen von der Tatsache, dass NER die beiden Sinngehalte des ehelichen Einswerdens – liebende Hingabe und Fruchtbarkeit – nicht trenne, richte sich diese Methode nie „gegen das Kind“, sondern ermögliche verantwortete Elternschaft durch die Nutzung unfruchtbarer Phasen. Dafür sei es nötig, dass beide Partner den individuellen Zyklus, der je nach Frau von extrem kurz bis extrem lang reichen und sich im Laufe des Lebens verändern kann, kennenlernten und NER erlernten. Ehepaaren ohne Kinder, die mit der Zyklusbeobachtung beginnen, rät sie, zunächst drei Zyklen lang keine Schwangerschaft anzustreben, sondern den Zyklus der Frau erst kennenzulernen. Denn wenn Paare nach mehreren Kindern die Familienplanung abgeschlossen haben und plötzlich eine Schwangerschaft sicher vermeiden wollen, sei dies – obwohl die Methode nicht kompliziert sei – schwieriger, wenn die Vertrautheit mit dem Zyklus fehle. 

Überhaupt plädiert Rötzer dafür, dass Frauen möglichst früh mit der Zyklusbeobachtung beginnen – idealerweise bereits im Mädchenalter. Dies fördere das Verständnis für den eigenen Körper und stärke oft das Selbstbewusstsein. Rötzer selbst, unverheiratet, habe ihren Zyklus stets beobachtet. Auch Ordensschwestern rate sie dazu und sage ihnen beim Eintritt: „Geben Sie nicht Ihr Frausein auf.“ Natürlich müsse sich eine Frau, die das NER-Wissen nicht zur Empfängnisregelung brauche, nicht so genau beobachten, doch sei es sinnvoll, seinen Zyklus zu kennen – nicht zuletzt als Indikator für Störungen oder zur Orientierung über den Zeitpunkt der nächsten Blutung.

Unregelmäßige Zyklen

Auch Paaren mit Kinderwunsch kann die symptothermale Methode helfen, indem eine Frau die Zeichen der Fruchtbarkeit kennenlernt und die Aufwachtemperatur misst. In ihrem Vortrag vor NER-Beratern und Gästen berichtete Rötzer von einem Paar, das nach fünf Jahren unerfüllten Kinderwunsches bereits zwei Zyklen nach einem NER-Seminar schwanger wurde.

Bei unregelmäßigen Zyklen die fruchtbare Phase zu erkennen, sei außerhalb von NER schwierig, weshalb viele Frauen versuchten, eine Regulation über die Pille zu erreichen. Doch einen unregelmäßigen Zyklus solle man nicht „zudecken“, rät Rötzer. Wichtig sei, die Ursache herauszufinden. Häufige Faktoren seien Stress und Schlafmangel. Auch auf die Ernährung – eine ausgewogene Vollwertkost – solle man achten, ebenso auf ein dunkles Schlafzimmer: „Bereits eine winzige Lichtquelle kann ein Stressfaktor sein.“ Auch das Verhältnis von Größe und Gewicht sei für viele Frauen bedeutsam. Untergewicht könne den Zyklus stören, ebenso eine zu schnelle Gewichtszunahme oder -abnahme. 

Elisabeth Rötzer
Foto: privat | Elisabeth Rötzer rät, möglichst früh mit der Zyklusbeobachtung zu beginnen.

Wenn diese Faktoren berücksichtigt sind und der Zyklus dennoch unregelmäßig bleibt, könne unterstützend mit pflanzlichen Mitteln gearbeitet werden, etwa mit Mönchspfeffer in Tropfenform oder bei Stress mit Magnesium. Auch mit Inositol hätten viele Frauen gute Erfahrungen gemacht. 

Bei der Umstellung von der Pille hin zu NER könne eine Frau übrigens dieselben Regeln anwenden, erklärt Rötzer gegenüber der „Tagespost“. Es brauche jedoch Geduld, bis sich der Zyklus wieder einspiele, da Eierstöcke und hormonelle Steuerung „erst wieder in Gang“ kommen müssten. Je früher mit hormoneller Verhütung begonnen worden sei – insbesondere, wenn der Zyklus des Mädchens zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgereift war –, desto länger könne es dauern, bis er „lernt“ zu funktionieren.

In Bezug auf unerfüllten Kinderwunsch wies Rötzer in ihrem Vortrag darauf hin, dass eine zu starke Fixierung zusätzlichen Stress erzeugen und eine Empfängnis erschweren könne. Hier sei geraten, die Zyklusaufzeichnungen zeitweise beiseitezulegen und zur Ruhe zu kommen. Zudem bestehe die Gefahr, dass das Einswerden von Mann und Frau zur bloßen Funktion werde und nicht mehr Ausdruck gegenseitiger Liebe sei. 

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Sie betonte daher die Wichtigkeit, auch das „Geistige“ in den Blick zu nehmen: die innere Verbundenheit, die auf gemeinsamen Werten, Sinn und bewusster Entscheidung füreinander beruhe. Es trage die Liebe über Gefühle hinaus und gebe der Beziehung Orientierung, Tiefe und Beständigkeit.


Weitere Informationen unter: www.iner.org

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