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Wahrscheinlich bin ich unfruchtbar. Ist es trotzdem okay, einen Ehemann zu suchen?

Die Ehepartner sollen offen für das Leben sein. Aber die Fruchtbarkeit ist keine Bedingung für die Gültigkeit einer Ehe.
Paar mit Hund
Foto: imago stock&people via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Der Mensch ist nicht für das Allein sein gemacht. Symbolbild Paar mit Hund.

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Eine mögliche Unfruchtbarkeit ist kein Grund, auf die Suche nach einem Ehemann zu verzichten. Die katholische Kirche macht die Gültigkeit einer Ehe nicht davon abhängig, ob ein Paar tatsächlich Kinder bekommen kann.

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In der ursprünglichen, längeren Leserfrage wurde als möglicher Grund für die befürchtete Unfruchtbarkeit eine verkürzte Lutealphase genannt. Daher kurz zum medizinischen Hintergrund: Im Zyklus der Frau gibt es zwei Phasen: die Temperatur-Tieflage und die Hochlage, die man auch Follikelphase und Lutealphase (Gelbkörperphase) nennt. Um die Zeit des Eisprungs wandelt sich der Follikel in einen Gelbkörper um und bildet sich anschließend nach und nach zurück. Ist diese Zeit verkürzt, so kann dies an einer Gelbkörperschwäche liegen. Wird eine Eizelle befruchtet, so wandert sie durch den Eileiter in die Gebärmutter, um sich dort einzunisten. Hier wird nun deutlich, warum sich eine verkürzte Gelbkörperphase auf die Fruchtbarkeit auswirkt: Die Gelbkörperphase muss lange genug dauern, damit der Embryo Zeit hat, durch den Eileiter in die Gebärmutter zu gelangen und sich dort einzunisten. Die gute Nachricht ist: Eine Gelbkörperschwäche ist behandelbar. Zu den einfachsten Möglichkeiten zählt beispielsweise die Einnahme von Mönchspfeffer, der eine zyklusregulierende Wirkung hat. Für weitere Behandlungsmöglichkeiten empfiehlt es sich, eine Fachkraft zu kontaktieren.

Nun zur eigentlichen Frage: Darf eine Frau, die möglicherweise unfruchtbar ist, überhaupt einen Ehemann suchen? Ja! Im Kirchenrecht lesen wir ausdrücklich: „Unfruchtbarkeit macht die Eheschließung weder unerlaubt noch ungültig“ (CIC 1983 can. 1084 § 3). Die Ehe hat, neben der Sorge um das Wohl des jeweiligen Partners, die „Zeugung und die Erziehung von Nachkommenschaft“ (can. 1055) zum Ziel. Von den Ehepartnern wird aber lediglich eine Offenheit, also eine Bereitschaft zur Weitergabe des Lebens, verlangt – dass sie also nichts unternehmen, um absichtlich die Fruchtbarkeit zu blockieren.

Auf geistliche Weise fruchtbar werden

Die zentrale Aufgabe der Eheleute ist laut Johannes Paul II., die Liebe Gottes sichtbar zu machen, die „frei, treu, bedingungslos und lebenspendend“ ist. „Lebenspendend“ macht deutlich, dass hier mehr gemeint ist, als eigene Kinder zu bekommen und zu erziehen. Bleiben diese trotz Offenheit aus, kann die Liebe auf „geistliche“ Weise fruchtbar werden – etwa durch Adoption, soziales Engagement oder die Weitergabe des Glaubens. Viele kinderlose Ehepaare sind auf diese Weise zum Segen für andere geworden.

Wichtig ist: Ist eine Unfruchtbarkeit bekannt oder wahrscheinlich, sollte sie nicht verschwiegen werden. Im Gebet kann man um Weisheit für den richtigen Zeitpunkt für ein solches Gespräch mit dem (potenziellen) Partner bitten, denn dafür gibt es kein Rezept. Der Kinderwunsch ist ein existenzielles und sensibles Thema. Das Attribut der göttlichen Liebe „frei“ zeigt: Der Partner muss rechtzeitig informiert sein, damit er frei entscheiden kann. (Deshalb kann übrigens eine vorsätzliche Täuschung unter bestimmten Voraussetzungen die Gültigkeit der Ehe berühren.) In der Kennenlern- oder Anfangsphase einer Beziehung kann man vom anderen noch nicht jene „bedingungslose“ Liebe verlangen, die die eheliche Liebe kennzeichnen soll. Er muss die Möglichkeit haben, sich zu fragen, ob er sich angesichts einer möglichen Unfruchtbarkeit eine gemeinsame Zukunft vorstellen kann. Zugleich gilt aber auch: Egal mit welchem Partner – die Erfüllung des Kinderwunsches ist nie garantiert. Auf ein Kind gibt es keinen Anspruch – es ist ein Geschenk.

Die Autorin ist Theologin, Religionslehrerin und zertifizierte Beraterin für Natürliche Empfängnisregelung nach Josef Rötzer.


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Bei der Kolumne „Sex and Soul“ handelt es sich um einen Meinungsbeitrag, der Leserfragen ausschließlich in allgemeiner Weise aufgreift und keine persönliche Beratung leistet.

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Themen & Autoren
Carina Pfeuffer Embryonen Johannes Paul II. Sex & Soul

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