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Wenn Ehe Begleitung braucht

Egal, ob die Ehe erst beginnt oder nach Jahren in eine Krise geraten ist: Für Paare in unterschiedlichen Situationen gibt es Unterstützung. Eine Auswahl an Angeboten zur Begleitung.
Paar am Strand
Foto: Imago/imagebroker | Den gemeinsamen Weg gehen: Ehebegleitung soll Paaren helfen, gemeinsame Werte zu entwickeln und den Weg von der ersten Verliebtheit zu einer reifen Ehe bewusst miteinander zu gestalten – denn mit der kirchlichen ...

Die Liebe erkaltet langsam, der Alltag diktiert die Ehe, Gespräche drehen sich nur noch um Arbeit, Kinder und Termine. Viele Paare erleben in ihrer Ehe irgendwann Spannungen, stehen vor Kommunikationsproblemen und haben das Gefühl, sich auseinanderzuleben. Doch an wen können sie sich wenden, wenn sie eine Ehebegleitung suchen? Die Angebote sind nicht nur zahlreich, sondern auch vielfältig: Von Wochenendseminaren über monatliche Gesprächsgruppen, Exerzitien für Paare bis hin zu mehrjährigen Begleitangeboten.

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„Liebe Leben“ ist eine Initiative der internationalen Apostolatsbewegung „Regnum Christi“, die sich nicht nur an Paare richtet, die heiraten wollen, sondern auch an solche, die ihrer Beziehung etwas Gutes tun möchten oder sich in einer Krise befinden. Das Wochenende „Grenzenlos Liebe“ kombiniert Vorträge, Paargespräche, Zeiten der Stille sowie die Heilige Messe. „Das Thema Liebe ist für jedes Paar jeden Alters relevant“, betont Lucia Hauser, die bei „Liebe Leben“ unter anderem in der Leitung und Beratung tätig ist, gegenüber der „Tagespost“.
An den Veranstaltungen nähmen Menschen zwischen 18 und 80 Jahren teil. Die Inhalte des Wochenendes sollten die Paare „Schritt für Schritt in die Tiefe der menschlichen Existenz“ führen, so Hauser. Vorträge und Fragen zur Selbstreflexion sollen den Austausch zwischen den Partnern fördern. „Es gibt keine Gruppendynamik und keinen Austausch in großer Runde. Ein geschützter Raum ist uns wichtig“, sagt sie.

Die Logotherapie Viktor Frankls sowie die Theologie des Leibes von Papst Johannes Paul II. zögen sich dabei „wie ein roter Faden“ durch das Seminar. Wichtig seien „Liebe Leben“ zudem Humor und Authentizität des ehrenamtlichen Teams, das aus ausgebildeten Ehepaaren und auch Priestern besteht. „Wir sprechen von unseren eigenen Herausforderungen, keiner von uns lebt die ‚perfekte‘ Ehe“, so Hauser. Nach eigenen Angaben haben seit 2009 ein paar Tausend Frauen, Männer und Ehepaare in Deutschland und Österreich an Veranstaltungen der Initiative teilgenommen.

Im Zentrum steht der Dialog

Der im österreichischen Salzburg tätige Theologe, Lebens- und Sozialberater sowie Psychotherapeut Kurt Reinbacher bietet mit „Es ist Zeit für ein Gespräch“ über das Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg ein mehrtägiges Ehebegleitungsformat an. Die Themen reichen von Selbstannahme und Kommunikation über Herkunftsfamilie, Konfliktlösung und Versöhnung bis hin zur Frage, wie christliches Familienleben im Alltag gelingen kann.

„Im Zentrum steht tatsächlich der Dialog – mit dem Ehepartner, mit Begleitern und natürlich auch im Gebet mit Gott“, sagt Reinbacher gegenüber dieser Zeitung. Nach den einzelnen Impulsen erhalten die Teilnehmer konkrete Fragen, die sie zunächst schriftlich beantworten und anschließend gemeinsam besprechen. Ergänzt wird das Programm durch Gespräche mit erfahrenen Ehepaaren sowie durch Rosenkranz, Heilige Messe, eucharistische Anbetung und einen Versöhnungsabend. Für Brautpaare gibt es am Ende einen besonderen Segen, während Ehepaare ihr Eheversprechen erneuern können.

Das wichtigste Element eines solchen Kurses sei die Verbindung verschiedener Ebenen. Reinbacher verweist dabei auf das Dokument „Katechumenale Wege für das Eheleben“ des Dikasteriums für Laien, Familie und Leben aus dem Jahr 2022. Dort sei davon die Rede, dass Begleitung sowohl „geistlich, praxisorientiert und erfahrungsbezogen“ sein solle.

Entscheidend sei daher die Verbindung von Vortragsimpulsen, persönlicher Begleitung und praktischem „Handwerkszeug“, etwa durch eine Persönlichkeitsanalyse – die sogenannte Taylor-Johnson-Temperamentanalyse. All das sei in ein geistliches Programm eingebettet. „Nicht nur die Spiritualität allein, sondern das Zusammenspiel all dieser Elemente in der Dichte von vier Tagen macht die Qualität dieses Kurses aus“, so Reinbacher.

„Marriage Encounter Deutschland“ gehört zur internationalen Bewegung „Worldwide Marriage Encounter“ und bietet Wochenendseminare sowie längerfristige Begleitangebote für Ehepaare an. Nach Impulsen reflektieren die Teilnehmer zunächst für sich selbst, bevor anschließend das Gespräch zwischen den Partnern folgt. Ziel ist es, die Kommunikation und das gegenseitige Verständnis in der Ehe zu stärken.

Für die Öffentlichkeitsarbeit von „Marriage Encounter Deutschland“ sind Marianne Krämer-Birsens und ihr Ehemann Paul Birsens zuständig. Gemeinsam können sie auf mehr als 35 Jahre Erfahrung in der Ehebegleitung zurückblicken. Viele Jahre herrschte dort die Ansicht vor, Ehebegleitung sei vor allem für Paare sinnvoll, die bereits viele Jahre verheiratet seien. „Wir sind mittlerweile allerdings der sicheren Ansicht, dass das keine gute Idee ist, sondern dass Ehebegleitung viel früher anfangen muss“, sagt Marianne Krämer-Birsens gegenüber der „Tagespost“.

Gerade in den ersten Ehejahren sei es „oft eine Frage, wie man sich wirklich sein gemeinsames Leben aufbaut“, so Krämer-Birsens. Dies sei für viele Paare eine besondere Herausforderung. „Es geht ja nicht darum, nebeneinander herzuleben, sondern miteinander zu leben“, betont sie. Hinzu komme später die neue Situation, Eltern zu werden.

„Es ist nicht nur ein einmaliger Kurs, sondern eine dauerhafte Begleitung von Ehepaaren“, sagt Krämer-Birsens. Wer die Methode weiter vertiefen wolle, könne sich anschließend regelmäßig in kleinen Gruppen treffen, die sich meist monatlich oder im Abstand von sechs Wochen austauschen. „Das ist das, was viele als besonders hilfreich und positiv erleben, dass es danach weitergeht und nicht nur eine einmalige Erfahrung ist“, betont sie. Wichtig sei bei der Begleitung auch der Umgang mit Gefühlen. Der falsche Umgang mit diesen sei oft ein Grund dafür, dass „Ehen explodieren“.

Ehebegleitung frühzeitig in Anspruch nehmen

Die Gemeinschaft „Chemin Neuf“ bietet ein Programm namens „Kana“ an. Der Name bezieht sich auf die biblische Hochzeit zu Kana im Johannesevangelium. Das Angebot richtet sich an Paare jeden Alters in unterschiedlichen Lebenssituationen. Veranstaltungsorte sind unter anderem das thüringische Kloster Volkenroda sowie das Berliner Kloster Lankwitz.

Natalie Weis, die gemeinsam mit ihrem Ehemann für die Gemeinschaft tätig ist, beschreibt gegenüber der „Tagespost“ das Angebot als auf Paare zugeschnittene Exerzitien, die auf den geistlichen Übungen des heiligen Ignatius von Loyola basieren. Die Veranstaltungen kombinierten Vorträge, Impulse beziehungsweise neue Sichtweisen mit persönlicher Reflexion und Gesprächen zwischen den Partnern. Zum Konzept gehörten außerdem Kleingruppen, „wo es auch sehr diskret zugeht“. „Das Hauptelement in dieser Woche ist die Paarzeit, also die Zeit, die man zu zweit verbringt“, erklärt Weis. Eine weitere Besonderheit sei, dass die Teilnehmer ihre Kinder mitbringen könnten. Dafür gebe es eine intensive Kinderbetreuung mit einem „sehr guten Betreuungsschlüssel“.

Besonders eindrücklich sei für sie die Erfahrung eines Arbeitskollegen gewesen, erzählt Weis. Dieser habe vor seiner Teilnahme an einer „Kana“-Woche berichtet, seine Ehe sei „eigentlich schon am Ende“ gewesen und die Teilnahme mehr oder weniger die letzte Chance für die Beziehung. Nach der gemeinsamen Woche habe das Paar jedoch das Gefühl gehabt, „dass ihre Ehe sozusagen von Grund auf, also von den Fundamenten her neu gebaut wurde“. Immer wieder sei sie erstaunt darüber, wie schnell Veränderung innerhalb weniger Tage geschehen könne. „Die Paare sind immer selber erstaunt darüber, wie es möglich ist, in so kurzer Zeit eine so intensive Erfahrung machen zu können“, sagt Weis.

Mit „Fit für Ehe“ gibt es zudem ein Angebot der Initiative „Christliche Familie“, das in erster Linie auf die Ehevorbereitung ausgerichtet ist, aber auch bereits verheirateten Paaren offensteht. Unterstützt wird das Angebot vom Referat für Ehe und Familie der Erzdiözese Salzburg. „Am besten verzahnt sich Ehevorbereitung sofort mit Ehebegleitung“, sagt Stefan Lebesmühlbacher, Gesamtleiter sowie Koordinator für Österreich und die Schweiz, gegenüber der „Tagespost“.

Ehebegleitung dürfe dabei nicht nur punktuell gedacht werden. Vielmehr brauche es Orte, an denen Paare sich austauschen, voneinander lernen und langfristig Begleitung erfahren könnten. Zugleich sieht er Nachholbedarf: „Wir haben den Eindruck, dass es von Seiten der Kirche pastoral gesehen zu wenig ehebegleitende Angebote gibt.“ Vielen Paaren fehle zudem noch das Bewusstsein, solche Formate frühzeitig in Anspruch zu nehmen.

Die apostolische Erneuerungsbewegung „Schönstatt“ bietet ebenfalls verschiedene Formen der Ehebegleitung an. Dazu gehören mehrtägige Seminare, digitale Formate sowie Angebote der Akademien für Ehe und Familie in Memhölz und Mainz. 

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Die Herausforderungen vieler junger Paare lägen vor allem in der „Rush-Hour des Lebens“, sagt Maria Pelz, Mitglied der internationalen Leitung des Schönstatt-Familienbundes, gegenüber der „Tagespost“. Karriere, Kindererziehung, Zeitmangel und Müdigkeit träfen oft gleichzeitig aufeinander. Hinzu komme die Aufgabe, sich von den eigenen Elternhäusern zu lösen und als Paar gemeinsame Werte zu entwickeln. Ehebegleitung solle Paaren helfen, diese Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und „diesen Prozess von einer ersten Verliebtheit zu einer reiferen Ehe miteinander zu gestalten“, so Pelz. „Viele Paare meinen, mit der kirchlichen Hochzeit wäre es getan, aber da fängt eigentlich die Arbeit erst an.“

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