Diese Kolumne befasst sich regelmäßig mit Fragen zu Sexualität und Partnerschaft. Am Schluss des Textes können Sie anonym Ihre Fragen einreichen.
Sich ein eigenes Kind zu wünschen, ist etwas sehr Persönliches und Tiefes. Für viele Paare scheint es ganz selbstverständlich zu funktionieren – bei anderen nicht. Und wenn Monat für Monat dann doch wieder die Menstruation einsetzt, wächst nicht nur die Enttäuschung, sondern auch die Verunsicherung: „Wir sind doch gesund – warum klappt es nicht?“ Viele Paare beginnen dann mit ersten Schritten wie Zyklusmonitoring oder Ovulationstests. Manche probieren zusätzlich Nahrungsergänzungsmittel oder gezielte Stressreduktion.
All das kann sehr sinnvoll sein und weiterhelfen. Wenn auch dann keine Schwangerschaft eintritt, wird oft schnell über künstliche Befruchtung oder Insemination gesprochen. Viele Paare wünschen sich jedoch eine Möglichkeit, die die natürlichen Abläufe des Körpers unterstützt, stärkt und die Ursachen erforscht, statt Symptome einfach nur zu übergehen. Genau hier setzt die Methode an, mit der ich seit fast 20 Jahren arbeite – FertilityCare (NaProTechnology), eine medizinisch-wissenschaftlich fundierte Zyklustherapie aus den USA, die schon vielen kinderlosen Paaren geholfen hat. Der Ansatz ist nicht das Ersetzen der natürlichen Fruchtbarkeit, sondern ihre Wiederherstellung.
Ein unerfüllter Kinderwunsch hat nicht immer eine sofort erkennbare Ursache. Er ist kein eigenständiges Krankheitsbild, sondern eher ein Zeichen dafür, dass im Körper „etwas nicht in Ordnung“ ist. Ähnlich wie bei anderen Beschwerden kann es ganz unterschiedliche Gründe geben: Manchmal sind es kleine hormonelle Verschiebungen, manchmal auch komplexere Zusammenhänge, die erst bei genauer Diagnostik sichtbar werden.
Im Zentrum steht deshalb eine sehr genaue Analyse des weiblichen Zyklus. Mithilfe eines strukturierten Beobachtungssystems werden verschiedene Zyklusmerkmale dokumentiert. Dadurch können hormonelle Abläufe zeitlich exakt eingeordnet und Probleme sichtbar gemacht werden. Häufig liegt die Ursache aber nicht nur „an den Eierstöcken“ – auch Schilddrüsenstörungen, Insulinresistenz, Endometriose, chronische Entzündungsprozesse oder immunologische Faktoren können eine Rolle spielen. Auch wiederholte Fehlgeburten können auf zuvor unerkannte Störungen hinweisen.
Genaue Analyse und individuelle Therapie
Durch eine gezielte und umfassende Diagnostik werden diese Faktoren systematisch abgeklärt. Die Therapie orientiert sich dann individuell an der jeweiligen Ursache: hormonelle Unterstützung zum richtigen Zeitpunkt im Zyklus, Behandlung einer Schilddrüsenfehlfunktion, Therapie entzündlicher Prozesse oder – falls notwendig – auch operative Maßnahmen. Ziel ist immer, dem Körper die bestmöglichen Voraussetzungen für eine gesunde Empfängnis und Schwangerschaft zu geben. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Einbindung des Ehepartners. Auch die männliche Fruchtbarkeit wird differenziert betrachtet, denn ein Kinderwunsch ist immer ein gemeinsames Thema. Lebensstilfaktoren wie Schlaf, Ernährung, Stressbelastung und Umweltfaktoren haben nachweislich Einfluss auf die hormonelle Regulation beider Partner.
Viele Frauen erleben im Verlauf der Therapie nicht nur eine Verbesserung ihres Zyklus – etwa weniger prämenstruelle Beschwerden oder Menstruationsschmerzen –, sondern gewinnen mit der Zeit auch Vertrauen in ihren Körper zurück. Studien zeigen, dass dieser ursachenorientierte Ansatz gute Erfolgschancen bietet – auch bei Paaren, die bereits eine längere und komplizierte Vorgeschichte haben. Es gibt also eine Alternative zu künstlicher Befruchtung und Insemination – gute Nachrichten für Paare, die andere Wege suchen.
Die Autorin ist Fachärztin für Gynäkologie und Geburtshilfe und Leiterin der FertilityCare-Klinik in Kleve.
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Bei der Kolumne „Sex and Soul“ handelt es sich um einen Meinungsbeitrag, der Leserfragen ausschließlich in allgemeiner Weise aufgreift und keine persönliche Beratung leistet.
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