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Ehe mit dem Dritten im Bunde

Was verändert gemeinsames Gebet in einer Beziehung? Zwei Ehepaare erzählen von ihren Erfahrungen.
Eheringe
Foto: Imago/blickwinkel | Gemeinsames Gebet stärkt die Ehe: Es ist eine Kraftquelle für den Alltag, schafft Raum für Versöhnung, trägt durch Krisen und hilft, wichtige Entscheidungen bewusst vor Gott zu bringen.

Nach dem Frühstück zündet Iordan eine Kerze an. Gemeinsam mit seiner Frau Emily liest er das Tagesevangelium. Sie tauschen sich darüber aus und legen Menschen, Begegnungen, Herausforderungen und Sorgen in Gottes Hände. Bevor beide das Haus verlassen, zeichnet jeder dem anderen ein Kreuz auf die Stirn. Für das junge Ehepaar, das seit vier Jahren verheiratet ist, gehören diese Momente selbstverständlich zum Alltag.

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Alfred und Eva, die auf 49 Ehejahre zurückblicken, beginnen seit vielen Jahren den Tag mit dem Beten der Laudes und beschließen ihn mit einem Vaterunser, einem Ave Maria und einem kurzen freien Dankgebet. Zwischen den beiden Paaren liegen 45 Ehejahre – und doch verbindet sie dieselbe Erfahrung: Das gemeinsame Gebet stärkt ihre Ehe.

Beide beschreiben das gemeinsame Gebet nicht als zusätzliche Pflicht, sondern als festen Bestandteil ihres gemeinsamen Lebens, als Quelle der Einheit und des Friedens für ihre Beziehung und als tragende Säule ihres Glaubens.

Gemeinsam beten muss man lernen

Doch der Weg zum gemeinsamen Gebet war bei beiden Paaren sehr unterschiedlich: Die Erfahrung in christlichen WGs, in denen das gemeinsame Morgen- und Abendgebet ein fester Bestandteil war, legte für Iordan und Emily den Grundstein für das gemeinsame Gebet. Bereits vor ihrer Ehe nahmen sie sich Zeit, um zu zweit zu beten und Lobpreis zu singen.

Anders war es bei Alfred und Eva. Obwohl beide katholisch aufgewachsen sind und der Glaube sie ihr ganzes Leben begleitet hat, stellte das gemeinsame Beten zunächst eine Herausforderung dar. „Wenn ich an den Anfang unserer Beziehung zurückdenke, dann erstaunt mich immer noch, wie schwer wir uns damit getan haben“, erinnert sich Alfred. Anfangs war es eine bewusste Entscheidung für das gemeinsame Gebet, in dem Vertrauen, dass die Ehe zu dritt gelebt wird. Zunächst waren es kurze, vorformulierte Gebete.

Erst nach und nach fanden beide zu persönlichen Fürbitten, freiem Gebet und dem Gebet füreinander. Heute hat ihre gemeinsame Gebetszeit verschiedene Bestandteile. Da sind die Laudes am Morgen, Tischgebete, der gemeinsame Messbesuch oder Fürbitten während langer Autofahrten. Aber auch gemeinsame Wallfahrten und die regelmäßigen gemeinsamen Schweigeexerzitien bereichern ihre Ehe. Rückblickend sehen sie darin einen Wachstumsprozess, der Zeit brauchte.

Gemeinsames Gebet ist besonders bei Herausforderungen wichtig

Beide Paare berichten, dass gemeinsames Gebet besonders dann wichtig wird, wenn das Leben herausfordernd ist. Alfred und Eva erinnern sich an schwierige berufliche Situationen und an Zeiten der Krankheit und des Verlustes, in denen sie das gemeinsame Gebet getragen hat. Das gemeinsame Gebet am Totenbett ihres Vaters beschreibt Eva als „ganz spezielle Situationen, wo man noch mal merkt, wie stark eigentlich so eine Beziehung und so eine Gebetsmöglichkeit ist.“ Diese Erfahrung habe ihr viel Frieden und Ruhe gebracht.

Auch erzählen sie von einer Fehlgeburt, die sie zunächst nicht verstehen konnten und im Gebet vor Gott brachten. Erst später erkannten sie darin einen Weg, der sie auf die Aufnahme eines Pflegekindes vorbereitet hatte. Für Eva veränderte sich so die Frage „Warum ist das so?“ hin zu der Frage „Wozu ist das so?“. Aber auch bei wichtigen Entscheidungen habe das gemeinsame Gebet geholfen. Immer wieder hätten sie erlebt, dass Gott Türen öffnete und Wege zeigte, die sie allein nicht gesehen hätten.

Einen Zusammenhang zwischen der Qualität ihrer Beziehung und ihrem gemeinsamen Gebet sehen ebenfalls beide Ehepaare. „Wenn es uns miteinander gut ging, war die Gebetszeit gut. Wenn wir Probleme miteinander hatten, dann war gemeinsames Gebet oft schwierig“, erinnern sich Alfred und Eva. Und umgekehrt hat die Gebetszeit auch einen Einfluss auf die Beziehung: „Wenn man miteinander betet, kommt man sehr viel schneller wieder in Einheit und Frieden.“

Ähnlich erlebt es das jüngere Paar. Für Iordan und Emily gehört zu ihrer Ehe die Entscheidung, Konflikte nicht über Nacht ungelöst stehen zu lassen. „Wir wollen nicht im Streit schlafen gehen. Wenn wir vor dem Einschlafen gemeinsam beten, dann können wir gar nicht im Ärger einschlafen, weil wir Gott mit ins Boot holen“, meint Emily.

Für beide Paare ist das gemeinsame Gebet eine Erinnerung daran, dass die Ehe aus mehr als nur zwei Personen besteht und von der gemeinsamen Beziehung zu Gott lebt. So wird das Gebet ein Ort der Versöhnung und der Stärkung für die Ehebeziehung. Auch die gemeinsame Eucharistie erleben sie als Quelle ihrer Einheit. „Wenn wir miteinander im Gottesdienst sind und Jesus empfangen, dann ist das eine besondere Stärkung unserer Beziehung“, sind sich Alfred und Eva einig.

Mit kleinen Schritten beginnen

„Ein großer Segen und eine große Kraft liegt in dem Gebet als Ehepaar, und ich kann nur jedes Ehepaar ermutigen, damit anzufangen, egal ob sie kurz oder schon lange verheiratet sind“, sagt Alfred. „Es muss nicht eine halbe Stunde dauern. Es lohnt sich auch für ein, zwei oder drei Minuten“, ermutigt Iordan. Hilfreich seien „kleine Rituale wie das Kreuzzeichen, vorgefertigte Gebete, eine Bibelstelle. Etwas, woran man sich festhalten kann“, ergänzt seine Frau Emily. Entscheidend sei nicht die Form, sondern der erste Schritt. „Und das Wichtigste ist eine Entscheidung dafür“, beschließt Alfred das Gespräch.

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Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft ihrer Erfahrungen: Gemeinsames Gebet beginnt nicht mit den richtigen Worten oder einer festen Methode. Es beginnt mit der täglichen persönlichen Entscheidung, Gott in die Beziehung einzuladen und mit dem Vertrauen darauf, dass er der Dritte im Bunde ist.


Die Autorin ist Sozialpädagogin, verheiratet und Mutter von drei Kindern. Sie schreibt auf ihrem Blog über das Kirchenjahr: www.sanktwerk.de/blog.

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