Kinderkatechese

Sei gesegnet!

Segen schenken, Segen empfangen, einander zum Segen werden: Überlegungen zur schönen Tradition des Segnens in der Familie.
Jesus als Kinderfreund, 1845 (Dreifalitgkeitskirche Konstanz)
Foto: Dreifalitgkeitskirche Konstanz

 In meinem Elternhaus gab es die schöne Tradition, dass wir Kinder täglich von unserer Mutter gesegnet wurden, bevor wir das Haus verließen, um den Schulweg anzutreten. Ebenso empfingen wir am Abend vor dem Schlafengehen ein kleines Kreuzchen. Dieses religiöse Ritual behielten wir in abgewandelter Form während der Lebenszeit unserer Eltern bei, auch als wir schon erwachsen waren. Bei jeder Verabschiedung für längere Zeit segneten wir einander mit dem Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Brust. Dies berührte alle Beteiligten zutiefst, wussten wir ja nicht, ob dies der letzte Segen sein würde, den wir einander schenken durften. Den letzten Segen spendeten wir einander einige Tage vor dem Heimgang meiner lieben Mutter.


Es erfüllt mich heute immer mit großer Freude, wenn junge Menschen mich bitten, sie zu segnen. Ehrfürchtig zeichne ich ihnen ein Kreuz auf die Stirne und spreche dazu ein Segensgebet, zum Beispiel:  „Gott segne und behüte dich!“ Es ist wichtig für unsere Kinder und Jugendlichen, dass wir ihnen die Verheißungen Gottes mit auf den Weg geben, weil sie wegweisenden, schützenden und stärkenden Charakter haben. Sie geben Vertrauen auf die liebende Nähe Gotte, der alle Wege mit uns geht. 

Was bedeutet „segnen“ eigentlich?

>Das Wort „segnen“ leitet sich aus dem lateinischen signare ab. Signare heißt bezeichnen, in diesem Fall mit dem Zeichen des Kreuzes. Benedicere, das lateinische Wort für segnen, bedeutet wörtlich: Gutes sagen, Gutes wünschen – mit einem Zeichen, mit einer Berührung, jemandem Gutes tun, ihm ein offenes Ohr schenken, liebevoll zuhören, wenn jemand in Not ist, mit ihm Gottes Hilfe erbitten und Verständnis zeigen für seine seelischen Nöte und Sorgen, Anvertraute vertrauensvoll ein Stück des Lebensweges begleiten.

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Zur Zeit des Alten und des Neuen Testamentes hatte der Segen im Volk Gottes, besonders in den Familien, eine große Bedeutung. Die Bibel erzählt davon, wie Menschen einander segnen, wie kostbar und wirksam dieser Segen sein und welche Kraft dem letzten Segen der Eltern innewohnen kann. Schon im ersten Kapitel der Bibel entnehmen wir, dass der Segen Gottes vom Vater an die Kinder weitergegeben wird: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein. In dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“, sagt Gott in der Genesis zu Abraham. „Der Herr segne dich und behüte dich; der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der Herr hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden“, lautet das Segenswort, das Gott Moses für die Israeliten mitgibt.

Segnen ist eine göttliche Handlung, die Leben schenkt und bewahrt. Gott, der Vater und Schöpfer allen Seins, sagt: „Es ist gut, dass du da bist. Es ist schön, dass es dich gibt.“ Gott allein ist es, von dem aller Segen ausgeht. Wen Gott segnet, der erfährt eine heilende, stärkende und mutmachende Begleitung durch die Höhen und Tiefen des Lebens. Ein so Gesegneter kann ein Segen für andere werden. 

Zum Segen für andere werden

Jeder Christ ist durch das Sakrament der Taufe und Firmung dazu berufen, zum Segen für seine Mitmenschen zu werden. Wer auf die Gnade Gottes baut, sein Herz öffnet für sein Wirken, seine barmherzige Liebe an sich wirken lässt, der kann zum Segen für die anderen werden. Zum Segen wird der Mensch, der durch hörendes Beten innig mit Gott verbunden ist, der die Liebe Gottes im Alltag zu verwirklichen sucht durch kleine Aufmerksamkeiten, durch ein nettes, anerkennendes Wort, durch eine Geste der Herzlichkeit, durch die Bereitschaft zu verzeihen, durch fürbittendes Gebet. Ein Mensch, der segnet, bringt Heil, Frieden und Harmonie in das Leben des Gesegneten. Wie oft schon geschahen durch das Segnen kleine Wunder, die das Leben eines Mitmenschen völlig veränderten.

Wie Gott einen Menschen durch seinen Segen zum Guten stärkt, so können auch Eltern und Großeltern durch Liebe, Zuwendung und Ermutigung ihren Kindern zum Segen werden. Eltern können ihrem Kind das Kreuzzeichen auf die Stirn zeichnen. Menschen, die sich lieben, können sich gegenseitig segnen. Darüber hinaus segnet der Priester kraft seiner Weihe in besonderer Weise im Namen Jesu. Gott segnet Kinder durch die liebevolle Berührung der Eltern, die ihnen ein Gefühl der Sicherheit, der Geborgenheit, des Getragenseins vermittelt. Das Kind darf spüren, dass es nicht alleine ist, sondern dass der liebe Gott es immer begleitet. Auch Jugendliche sind offen für ein gutes, ermutigendes, bestärkendes Wort, das ihnen das Gefühl des Angenommenseins verleiht.  Die meisten empfangen ein Segenswort in dankbarer Offenheit. Vielleicht ginge es unseren Jugendlichen besser, wenn wir öfter ein Segensgebet über sie sprächen: „Ein Segen sollst du sein. Gesegnet sei der, der dich segnet!“

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Wie segnen wir unsere Kinder?

Für die Segnung der Kinder ist uns Jesus Christus selbst mit gutem Beispiel vorangegangen. „Amen, ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen. Und er nahm die Kinder in seine Arme; dann legte er ihnen die Hände auf und segnete sie“, erzählt der Evangelist Markus eine Episode aus dem Leben Jesu. 

Es gibt verschiedene Arten des Segnens: Mit einem Kreuzzeichen ohne Berührung, durch das Zeichnen eines Kreuzes auf die Stirn oder in die Hand mit oder ohne Weihwasser und dem Segenswort: „Gott segne und behüte dich!“, oder auch durch eine herzliche, liebevolle Umarmung, bei der wir zum Beispiel segnend sprechen: „Du bist wunderbar. Du bist ein Segen für unsere Familie, du bist kostbar und wertvoll.“
In unserem Herzen können wir am Tagesbeginn oder auch tagsüber in einem kurzen Stoßgebet den Segen Gottes und den besonderen Schutz ihrer Namenspatrone für unsere Kinder erbitten. Das ist genauso wichtig wie unseren Kindern immer wieder zu sagen, dass sie ein wunderbares Geschenk für ihre Eltern und ihre Familie sind, dass sie wichtig sind und gebraucht werden.

Segensgebete, die wir über unsere Kinder sprechen, müssen nicht lang sein. Es genügen die Worte „Gott segne dich“. Varianten sind: „Möge Gott dich immer und überall beschützen und dich begleiten, wo immer du hingehst“, „Möge Gott dir Liebe und Glück, Kraft, Zuversicht und Hoffnung schenken und es besonders gut mit dir meinen“, „Gottes Segen umgebe dich. Sein Licht aus der Höhe erleuchte dich, und tiefe Zufriedenheit erfülle dich heute und an jedem Tag“, oder „Möge Gott mit dir sein und dich segnen mit der Kraft seiner Liebe und uns allen helfen, einander zum Segen zu werden.“

Zur Autorin: Sr. Maria-Regina Mühlbachler ist Oblatin des hl. Franz von Sales. Die gelernte Kindergärtnerin arbeitet als Erzieherin im Franziska-Salesia Wohnheim in Linz.Sr. Maria-Regina Mühlbachler ist Oblatin des hl. Franz von Sales. Die gelernte Kindergärtnerin arbeitet als Erzieherin im Franziska-Salesia Wohnheim in Linz.

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