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Lumen Christi

Bestimmt habt ihr auch die Feier der Osternacht miterlebt. Eine eindrucksvolle Liturgie, nicht wahr? Weißt du, was sie bedeutet?
Die Lichter der Osternacht.
| Die Lichter der Osternacht.

Man versammelt sich im Dunkeln, jeder hält eine kleine Kerze in den Händen, eine erwartungsfrohe Spannung liegt in der Luft. Draußen knistert es, Funken sprühen – das Osterfeuer wird entzündet! Der Priester segnet das Feuer und die neue große Osterkerze. Dann ertönt ein  Ruf: „Lumen Christi!“ (Licht Christi). „Deo gratias!“ (Dank sei Gott), antwortet die Gemeinde. Wie ein Jubelruf der Erleichterung kommt es mir vor. Endlich kommt ein kleiner Schimmer in das Dunkel!

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Die Kerze, auf der ein Kreuz und die fünf Wundmale Jesu abgebildet sind, wird wie eine Trophäe in die finstere Kirche getragen. Und wieder erschallt der Ruf „Lumen Christi!“, insgesamt dreimal. Nach und nach werden die Kerzen der Gläubigen am Feuer der Osterkerze entzündet und schon bald strahlen unzählige Flämmchen auf, die die Nacht erhellen und alles in ein warmes Licht tauchen. Wunderschön!

Das Licht zeigt uns, was wahr und gut ist

Diese beeindruckende Zeremonie hat natürlich eine tiefere Bedeutung: Die Osterkerze ist das Sinnbild für den auferstandenen Herrn. Was kommt euch alles in den Sinn, wenn ihr euch vorstellt, ihr seid von völliger Dunkelheit umgeben? Unsicherheit, Angst, denn man kann nichts erkennen, alles ist farblos, düstere Stimmung, man findet sich nicht zurecht. Im Hinblick auf den Glauben bedeutet die Dunkelheit entsprechend, dass man nicht klarsieht, dass man Zweifel hegt, dass man im Leben orientierungslos ist, dass man missmutig ist, weil im dunklen Grau des Alltags alles gleich sinnlos erscheint, dass man in Furcht und Finsternis der Sünde gefangen ist.

Und jetzt kommt die Kerze ins Spiel (Christus): Sie bringt Licht! Und auf einmal sieht alles anders aus! Nun können wir wieder überlegen, was Licht bedeutet: Wir sehen klar und deutlich, Unsicherheit und Angst schwinden, wir spüren Erleichterung, nicht nur ein Hoffnungsschimmer, sondern ein Flutlicht an froher Zuversicht erleuchtet das Herz! Wir können Dinge unterscheiden, einen Weg und ein Ziel erkennen. Wir sehen im Licht des Glaubens, was wahr und gut ist. Wir fühlen uns wohl, denn Licht wärmt auch.

Leben im Licht

Und wir wissen, nur im Licht kann Leben bestehen und gedeihen. Dunkelheit bedeutet Tod, das Licht hingegen Leben. Halleluja! Jesus lebt! Das ist die tiefere Bedeutung der Lichtfeier in der Osternacht: Aus dem dunklen Grab, aus der dunklen Nacht des Todes, geht Jesus als Auferstandener strahlend siegreich hervor. In einem Osterlied wird dies jubelnd zum Ausdruck gebracht: „Verklärt ist alles Leid der Welt, des Todes Dunkel ist erhellt. Der Herr erstand in Gottes Macht, hat neues Leben uns gebracht.“

Das Licht bleibt nicht nur bei Jesus (bei der Osterkerze), sondern es wird weitergereicht an alle Gläubigen als Zeichen dafür, dass wir alle das neue Leben, das der Herr uns durch sein Sterben und seine Auferstehung gebracht hat, empfangen haben. Das „neue Leben“ – das ist das übernatürliche Gnadenleben, das durch die Sünde verloren ging. Jesus hat durch sein Leiden alles wieder gutgemacht und die Verbindung zwischen Gott und Mensch wieder hergestellt. Mit seiner Auferstehung hat die Menschheit die Chance auf ein Leben in ganz neuer Qualität bekommen. Durch das Licht, das Jesus ist, wird alle Finsternis der Sünde in uns verbannt und das Licht der Gnade kann wieder in uns erstrahlen. Leiden und Tod sind nicht das Letzte, sondern Ziel ist das Leben, das Leben in Gemeinschaft mit unserem Herrn und Gott!

Durch Christus haben auch wir das ewige Leben

Auch wir sind also auferstanden zu neuem, ewigem Leben. Das geschah konkret in der heiligen Taufe und wir denken in der Osternacht dankbar an dieses Geschenk. Deshalb wird in dieser Messe auch immer das Taufversprechen erneuert, das einmal die Eltern und Paten für uns gegeben haben, als wir noch zu klein dafür waren. Die meisten von uns wurden ja als Baby getauft.

In der nächsten Strophe des Osterliedes heißt es weiter: „Wir sind getauft auf Christi Tod und auferweckt mit ihm zu Gott. Uns ist geschenkt sein Heiliger Geist, ein Leben, das kein Tod entreißt.“ Das ist die wunderbare Osterbotschaft: Der Tod ist besiegt! – Natürlich müssen wir erst noch leiblich sterben, aber wir dürfen dennoch ewig leben! Das, was wir hier auf dieser Erde haben, ist ja bekanntlich nicht alles! Es ist ein wichtiger Abschnitt, aber das Eigentliche kommt ja noch…

Feuer des Glaubens

Schon jetzt tragen wir dieses ewige, lichtvolle Leben in uns. Es verleiht uns all die Vorzüge der Helligkeit, die wir eben genannt haben. An uns ist es, dieses Licht wie ein Feuer zu füttern, zu nähren, damit aus der Anfangsglut ein loderndes Feuer wird, in dessen Licht und Wärme ein gutes glückliches Leben gedeihen kann. Deshalb wollen wir Acht geben, dass das Feuer nicht verlöscht! Die Beichte und die Kommunion liefern gutes „Holz“ mit hohem Brennwert und langanhaltender Glut. Unsere gut verrichteten Gebete sind die Kohlen für den Dauerbrand und mit unseren guten Taten können wir ein regelrechtes Leuchtfeuer entfachen!

Durch die Sünde wird es dunkel. Sie wirkt wie eine Löschdecke; sie erstickt das Feuer. Wenn es dunkel wird, zieht der Tod ein, der Tod dieses lichtvollen Lebens der Gnade. Und genau das wollen wir niemals wieder verlieren!
Wenn wir also mit dem lebendigen Feuer im Herzen, mit der Liebe zu Jesus leben, werden wir einmal so wie er auferstehen, nicht nur der Seele nach, sondern auch dem Leib nach. Ja, ihr habt richtig gehört! Jesus ist ja leibhaftig auferstanden und hat sich vielen Jüngern gezeigt. Thomas durfte sogar seine Wunden berühren.

Unser ewiges Leben

„Und wir werden auch leibhaftig auferstehen wie Jesus?“ So fragt ihr euch bestimmt. Dass unsere Seele nach dem leiblichen Tod weiterlebt, wisst ihr, aber dass auch der Leib wiederhergestellt wird, ist vielleicht nicht so geläufig. Könnt ihr euch denken, wann das geschieht? Richtig, am „Ende der Zeiten“. Irgendwann wird einmal alles Leben auf dieser Erde aufhören; dann gibt es nur noch Ewigkeit – unvorstellbar, oder? Und dann erhält unsere Seele den wiederhergestellten Leib zurück, aber etwas anders als jetzt. Er ist dann umgewandelt, schön und strahlend, nicht mehr verletzbar. Man spricht dabei von dem „verklärten“ Leib und wir dürfen uns das so ähnlich wie bei der Verklärung Jesu auf dem Berg Tabor vorstellen.

Ihr könnt dieses Ereignis nochmal in der Bibel nachlesen. Dann wird euch eindrücklich bewusst, zu welcher Herrlichkeit wir Menschen berufen sind!
So lasst uns zum Schluss danken, dass Jesus Licht in das Dunkel der Welt gebracht hat, dass er den ewigen Tod besiegt hat durch seinen Tod und seine Auferstehung und dass wir an seinem ewigen Leben Anteil erhalten! Lumen Christi! – Deo gratias!


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