Wisst ihr noch, was Heilige sind? Oder Selige? Ganz einfach: besondere Freunde Gottes. Jemand, der sich in Jesus Christus verliebt, der ihm unbedingt nachfolgen will und ihm sein ganzes Herz schenkt. Die Kirche nennt „selig“, wer durch sein heiligmäßiges Leben in einer bestimmten Region bekannt ist, und „heilig“, wer in der ganzen Welt bekannt ist. Und manchmal wird aus einem Seligen, den nur einige Länder verehrten, ein Heiliger, der für Christen weltweit wichtig ist. Sicher kennt ihr bereits einige Heilige wie Maria, die Mutter Jesu, oder Sankt Martin oder auch euren Namensheiligen.
Es gab und gibt so viele Heilige – auch solche, die von der Kirche nicht offiziell heiliggesprochen wurden oder werden – und die Kirche feiert sie voller Freude am Tag „Allerheiligen“. Sie gedenkt schon fast von Anfang an der Heiligen, und im Jahr 835 hat Papst Gregor IV. das Fest „Allerheiligen“ offiziell auf den 1. November festgelegt.
Habt ihr euch schon mal gefragt, wer die Heiligen sind, die heutzutage leben? Wir wissen das noch nicht so genau, aber sie sind sicher schon unter uns. Der Apostel Paulus schreibt an die Hebräer, dass alle sich bemühen sollen, heilig zu leben. Er bezeichnet sogar die Mitglieder der Gemeinde als „Heilige“. Wir können uns alle auf den Weg zur Heiligkeit machen, indem wir tun, was Jesus gefällt. Jesus sagt ja: „Wer den Willen meines himmlischen Vaters tut, der ist für mich Bruder und Schwester und Mutter.“
Der Abend für alle Heiligen
Aber wie geht das? Ein erster Schritt könnte sein, die Zehn Gebote zu befolgen, die Gott uns geschenkt hat. Und auf Jesus schauen und ihn nachahmen ist immer ein guter Weg – schließlich sagt er ja: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ Bequem ist das natürlich nicht immer. Wenn wir uns streiten, sind wir sauer. Doch dann fällt uns ein, dass Christus sagt, wir sollen vergeben. Darum versuchen wir, zu vergeben und uns zu versöhnen, selbst wenn das manchmal richtig schwerfällt. Oder wenn ich eigentlich zu müde bin, etwas zu tun, höre ich im Herzen vielleicht den Satz Jesu: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Oje, dann muss ich wohl doch die Küche aufräumen und etwas kochen, damit sich meine Familie freut. Kennst du das, wenn du auf diese leise Stimme des Heiligen Geistes gehört und dich überwunden hast, dass du dich dann erstaunlicherweise sehr gut fühlst?
Wir feiern also am 1. November alle Heiligen – die wir kennen und auch die, die nur Gott kennt. Am Abend vor großen Festen gibt es in der Kirche oft eine Vesper, eine vorbereitende Gebetszeit. Deshalb heißt der Vorabend vom 1. November auf Englisch „Halloween“, eine Verkürzung von „All Hallows’ Eve“: Im Altenglischen bedeutet „hallow“ ein Heiliger (oder das Heilige), und „eve“ steht für den Abend. Wenn du Allerheiligen auch schon am Vorabend feiern willst, kannst du eine Party planen, bei der ihr euch als Heilige verkleidet und lustige Spiele über Heilige spielt. Fragt doch einmal herum bei euren Eltern und Freunden, ob sie so eine Heiligenparty organisieren wollen – viele tolle Ideen dazu gibt es zum Beispiel bei Missio Österreich.
Ein frischgebackener Seliger
Vor dem diesjährigen Hochfest möchte ich euch unbedingt einen neuen Seligen vorstellen, der erst im September dieses Jahres offiziell von der Kirche seliggesprochen wurde. Er führte wirklich ein heiligmäßiges Leben, das wussten viele Menschen. Die Kirche prüft die Lebensgeschichte solch eines Menschen im Ruf der Heiligkeit immer sehr lange und genau, bevor sie das Ergebnis der Welt verkündet.
Bishop Fulton Sheen, geboren 1895 in Illinois, USA, war ein begabter junger Mann, dann Priester, Universitätsprofessor und wurde schließlich der erste katholische Priester, der eine eigene Fernsehsendung hatte. Das kam so: Seine Vorträge und Reden waren so beliebt, dass er zunächst im Radio sprechen durfte. Von 1930 bis 1950 war er oft Gastgeber der Radiosendung „Die Katholische Stunde“ und hatte sehr viele Zuhörer. Daraufhin wollte er es wagen, im Fernsehen aufzutreten. Nicht wenige hielten diesen Plan für verrückt. Kein Film, keine Serie, keine Spielshow, nur eine Kreidetafel und ein Bischof in seiner Bischofskleidung, der vor der Kamera von Gott und dem Himmel redet? So mancher munkelte: Das wird nicht funktionieren! Doch Bishop Sheen trat 1952 vor die Kamera und begann zu sprechen: von Gott und uns Menschen, von der Kirche und der Liebe Jesu Christi. Die Zuschauer hörten zu und schalteten eine Woche später gleich wieder ein. Seine Show hieß „Life is worth Living“ – das bedeutet „Das Leben ist es wert, gelebt zu werden“.
Bei Jesus Kraft tanken
Bischof Fulton Sheen ist einer der ersten, der die damals relativ moderne Technik des Fernsehens nutzte, um von Jesus zu erzählen. Seine Sendung war so beliebt, dass sie mit dem amerikanischen Fernsehpreis „Emmy“ ausgezeichnet wurde. Christen, Nichtchristen, Junge und Alte liebten seine Sendung. Ganze Familien versammelten sich jede Woche am Fernseher, um Bischof Sheen zu hören. Er begann seinen Vortrag immer mit einer lustigen Geschichte. Einmal erzählte er: „Ich sollte einmal in der Stadthalle von Philadelphia einen Vortrag halten. Auf dem Weg hatte ich mich verlaufen.“ Da fragte er einen Jungen, wo die Stadthalle sei, und er erklärte es ihm. Dann aber fragte der Junge: „Was wollen Sie denn da?“ Er erklärte ihm, dass er dort einen Vortrag halten sollte. „Über was denn?“, fragte der Junge. Fulton Sheen berichtete: „Nun, ich wollte es nicht kompliziert machen und sagte: ‚Ich werde über den Himmel reden und erklären, wie man da hinkommt. Willst du mitkommen und dir das anhören?‘ Da sagte er: ‚Sie können ja nicht einmal die Stadthalle finden.‘“
In einer seiner Sendungen sprach Bischof Sheen über Heiligkeit. Er behauptete, es sei ganz einfach. Jesu erste Worte an seine Jünger waren: „Kommt und seht.“ Also sollen wir zu Jesus gehen, ihm zuhören und bei ihm Kraft tanken. Jesu letzte Worte an seine Jünger waren: „Geht in alle Welt und verkündet das Evangelium!“ Bischof Sheen schlug vor, dass auch wir das so machen. Erst bei Jesus Kraft tanken und dann hinausgehen und allen Menschen Jesus zeigen. Bischof Sheen hatte seine ganz besondere Art, Kraft bei Jesus zu tanken. Er verbrachte jeden Tag seines Lebens als Priester eine Stunde vor dem Tabernakel mit Jesus. Er war überzeugt: So kann man ein Freund Jesu werden, ein moderner Heiliger. Will das jemand von euch einmal ausprobieren?

Jetzt die „Tagespost" abonnieren und nichts mehr verpassen.










