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Die leisen Perlen des Himmels

Immer nur dasselbe beten? Klingt öde – aber probier es mal aus! Der Rosenkranz kann vieles verändern und Herzen bewegen.
Rosenkranz Kinderkatechese
Foto: Bernadette Drayß | Im Rosenkranzgebet wenden wir uns an Maria, weil sie die Mutter Jesu ist und sie uns hilft, bei ihm zu bleiben. Der Rosenkranz ist wie ein Gespräch mit Maria – und durch sie mit Jesus.

Der Regen hatte aufgehört, aber die Luft war noch feucht und kühl. Es war einer dieser Abende, an denen alles langsamer wird. Das Licht im Wohnzimmer war gedämpft, und auf dem Tisch stand eine kleine Kerze. Oma saß im Sessel und ließ langsam etwas durch ihre Finger gleiten.
Maxi bemerkte es zuerst. „Was hast du da, Oma?“ „Das ist mein Rosenkranz“, sagte sie. Leni kam näher. „Darf ich ihn mal sehen?“ Oma nickte und legte ihn vorsichtig in Lenis Hände. Kleine, dunkle Perlen, verbunden durch eine feine Kette. Am Ende ein Kreuz. Simon, der auf dem Sofa lag und in seinem Fußballheft blätterte, blickte kurz auf. „Das ist doch dieses endlose Gebet, oder? Immer das Gleiche.“

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Opa legte sein Buch zur Seite. „So sehen es viele. Aber der Rosenkranz ist mehr als Wiederholung.“ Simon runzelte die Stirn. „Klingt trotzdem ziemlich monoton.“ Oma ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lächelte sanft. „Weißt du, Simon, manchmal braucht das Herz Wiederholung, damit es ruhig wird.“ Simon antwortete nicht. Er sah wieder in sein Heft. Aber er hörte zu.

Ein Gebet mit Bildern

„Der Rosenkranz“, begann Opa, „ist wie ein Weg. Man geht ihn Schritt für Schritt.“ „Oder Perle für Perle“, sagte Leni. „Genau“, nickte Oma. „Und bei jeder Perle denken wir an etwas aus dem Leben Jesu.“ „Also wie eine Geschichte?“, fragte Maxi. „Ja“, sagte Opa. „Eine Geschichte, die man nicht nur hört, sondern im Herzen bewegt.“ „Und warum immer wieder das gleiche Gebet?“, fragte Simon, ohne aufzusehen. Oma nahm den Rosenkranz zurück in die Hand. „Weil die Worte uns tragen. Wie ein ruhiger Atem.“ Sie sah ihn an. „Wenn du traurig bist – denkst du dann nur einmal an das, was dich beschäftigt?“ Simon zögerte kurz. „Nein …“ „Siehst du“, sagte Oma. „Das Herz wiederholt.“

Leni betrachtete das kleine Kreuz. „Und warum betet man zu Maria?“ Opa antwortete: „Weil sie die Mutter Jesu ist. Und weil sie uns hilft, bei ihm zu bleiben.“ Oma ergänzte: „Der Rosenkranz ist wie ein Gespräch mit Maria – und durch sie mit Jesus.“ Simon verzog leicht das Gesicht. „Ich rede nicht mit Leuten, die ich nicht sehe“, und dachte, dass das eine originelle Entgegnung war. „Und doch denkst du an Menschen, die nicht da sind“, sagte Opa. Simon sagte nichts mehr.

„Wollen wir einen Rosenkranz zusammen beten?“, fragte Oma. Maxi nickte sofort. Leni auch. Simon seufzte. „Muss ich?“ „Nein“, sagte Opa. „Aber du darfst, wenn du willst.“ Doch Simon blieb liegen. Als aber die anderen begannen, hörte er zu. „Gegrüßet seist du, Maria …“ Die Worte waren ruhig. Gleichmäßig. Fast wie ein leiser Fluss. Simon wollte eigentlich weiter sein Heft lesen. Aber irgendetwas störte ihn. Nicht die Worte. Die Stille dazwischen.

Das Herz wird laut, wenn es außen leise ist

Nach ein paar Minuten legte Simon das Fußballheft weg. Er setzte sich auf. „Das ist irgendwie … komisch“, sagte er unwillkürlich, mitten ins Gebet hinein. „Was meinst du?“, fragte Maxi. Simon suchte nach Worten. „Es ist so ruhig. Zu ruhig.“ Oma nickte. „Manchmal wird es im Herzen laut, wenn es außen still wird.“ Simon sah auf seine Hände. „Ich mag das nicht“, murmelte er. „Simon“, sagte Opa leise, „gibt es etwas, das dich beschäftigt?“ Simon zuckte mit den Schultern. „Nein.“ Aber seine Stimme klang anders.

Leni rückte näher. „Du kannst es sagen.“ Simon schwieg lange. Dann sagte er leise: „In der Schule …“ Er brach ab. Oma wartete. „Da ist ein Junge“, sagte Simon schließlich. „Er wird immer fertiggemacht.“ „Und du?“, fragte Opa vorsichtig. Simon schluckte. „Ich mache nicht mit … meistens.“ „Meistens?“, fragte Maxi. Simon sah weg. „Manchmal lache ich halt.“ Es wurde still. Oma nahm den Rosenkranz wieder in die Hand. „Jede Perle ist wie ein Schritt“, sagte sie. „Und manchmal trägt man etwas mit.“ Simon sah auf den Boden. „Ich habe gestern auch gelacht“, sagte er leise. „Er hat so traurig geschaut …“ Seine Stimme brach. „Ich weiß nicht, warum ich das mache.“ Oma sah ihn lange an. „Vielleicht, weil du dazugehören willst.“ Simon nickte kaum merklich.

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„Dann beten wir jetzt für ihn“, sagte Leni. Simon sah sie an. „Und für dich“, fügte Maxi hinzu. Simon wollte etwas sagen. Aber er konnte nicht. Oma begann wieder: „Gegrüßet seist du, Maria …“ Dieses Mal hörte Simon anders zu. Die Worte waren dieselben. Aber etwas in ihm hatte sich verändert.
Als sie fertig waren, war es ganz still im Raum. Simon saß da, die Hände ineinander verschränkt. „Ich glaube …“, begann er, „ich habe noch nie so ruhig nachgedacht.“ Opa nickte. „Das ist ein Geschenk.“ Simon sah auf den Rosenkranz. „Kann ich…?“ Oma reichte ihn ihm. Simon nahm ihn vorsichtig. Er ließ die Perlen durch seine Finger gleiten. Langsam. Eine nach der anderen. „Ich will nicht so sein“, sagte Simon plötzlich. Seine Stimme war kaum hörbar. „Ich will niemanden verspotten, sodass er leidet. Und ihn auch nicht auslachen.“ Eine Träne lief über seine Wange. Er wischte sie nicht weg. „Ich weiß nicht, wie ich das ändern soll.“ Oma legte ihre Hand auf seine. „Du hast gerade den ersten Schritt gemacht.“ Simon schloss die Augen. Er hielt den Rosenkranz fest. „Kann ich das nochmal beten?“, fragte er leise. „Natürlich“, sagte Opa.

Ein neues Herz

Diesmal begann Simon: „Gegrüßet seist du, Maria …“ Seine Stimme war unsicher. Aber sie war ehrlich. Maxi und Leni beteten mit. Oma und Opa auch. Und mitten in diesem einfachen Gebet geschah etwas, das man nicht sehen konnte. Simons Herz wurde weich. Nicht schwach. Sondern stark auf eine neue Weise. Als sie fertig waren, blieb Simon noch sitzen. Er gab den Rosenkranz nicht sofort zurück. „Darf ich ihn heute behalten?“, fragte er. Oma lächelte. „Ja, natürlich.“ Er sah aus dem Fenster in die dunkle Nacht. „Morgen …“, sagte er langsam, „werde ich mich neben ihn setzen.“ „Neben wen?“, fragte Maxi. „Den Jungen.“ Simon atmete tief ein. „Und wenn jemand lacht … dann lache ich nicht mit.“ Opa nickte. „Das ist Mut.“

Später, als Maxi und Leni schon schlafen gegangen waren, saß Simon noch einen Moment allein im Wohnzimmer. Die Kerze war fast heruntergebrannt. Der Rosenkranz lag in seiner Hand. Er sagte nichts mehr. Aber seine Finger bewegten sich leise von Perle zu Perle. Und irgendwo, tief in seinem Herzen, war etwas zur Ruhe gekommen. Nicht alles war gelöst. Aber etwas hatte begonnen. Ganz still. Wie ein Gebet. Wie eine Spur aus kleinen Perlen, die ihn Schritt für Schritt führen würde. Nach Hause.

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