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Karol der Mutige

Vom kleinen Torwart aus Polen zum Papst: Johannes Paul II., den wir heute feiern, zeigt, warum Mut nicht bedeutet, keine Angst zu haben, sondern ganz auf Gott zu vertrauen.
Johannes Paul II.
Foto: imago stock&people | Trotz vieler Prüfungen und Verluste in seinem Leben ging Karol, beziehungsweise der spätere Papst Johannes Paul II., seinen Weg unbeirrt weiter.

Hast Du schon einmal Deine Eltern oder Taufpaten gefragt, ob sie jemals einem Heiligen persönlich begegnet sind? Vielleicht wirst Du überrascht sein zu hören, dass es der Heilige ist, an den die Kirche heute denkt: Papst Johannes Paul II. Er hat viel erlebt und viel erreicht – was ihn aber so besonders macht, sind nicht seine Taten, sondern sein Mut und sein Vertrauen auf Gott.

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Johannes Paul kam als Karol Wojtya in der kleinen Stadt Wadowice in Polen auf die Welt, ungefähr zu der Zeit, als Deine Urgroßeltern geboren wurden. Sein Vater war Leutnant der polnischen Armee, seine Mutter Emilia kümmerte sich um Karol und seinen um 14 Jahre älteren Bruder Edmund. Lolek, wie Karol liebevoll genannt wurde, liebte Fußball und verbrachte viel Zeit damit, mit seinen katholischen Mitschülern gegen jüdische Jungen aus der Nachbarschaft zu spielen. Es wird erzählt, dass er oft freiwillig ins Tor der gegnerischen Mannschaft ging, wenn sie in der Unterzahl waren. Da er am liebsten zwischen den Pfosten stand, war er bald als „Lolek der Torwart“ bekannt. Leider musste er seinen Mut nicht nur auf dem Spielfeld beweisen: Noch vor seinem neunten Geburtstag starb Karols Mutter Emilia, und nur drei Jahre später steckte sich Edmund als junger Arzt mit Scharlach an und starb ebenfalls. Sein Vater tat alles, um ihm die Mutter zu ersetzen, spielte mit ihm, unternahm mit ihm Wanderungen in den Bergen und lehrte ihn, zu beten und auf Gott und die Muttergottes zu vertrauen, die er seine „himmlische Mutter“ nannte. Unglücklicherweise starb auch sein Vater früh, sodass Karol schon mit 21 Jahren ohne Familie war.

Priesterausbildung im Untergrund

Trotz der tragischen Verluste ging Karol seinen Weg unbeirrt weiter. Er war ein sehr guter Schüler gewesen und studierte bereits Philosophie und polnische Literatur in Krakau, als der Vater starb. Als begabter Schauspieler war er Mitglied einer Theatergruppe und spielte oft die Hauptrollen. Einige Jahre zuvor hatte Deutschland Polen überfallen und einen Krieg begonnen, was zur Folge hatte, dass die Universität geschlossen, die Theatergruppe verboten und viele Professoren verhaftet wurden. Die deutschen Besatzer brachten viele Polen in Lager nach Deutschland, wo sie schwere Arbeiten verrichten mussten und kaum zu essen bekamen. Um diesen Lagern zu entgehen, meldete Karol sich freiwillig zur Arbeit in einem Steinbruch und später in einer Chemiefabrik nahe Krakau. Obwohl er sich damit in Gefahr brachte, setzte er sein Studium und die Schauspielerei heimlich fort und entschied sich nach dem Tod seines Vaters sogar dazu, sich zum Priester ausbilden zu lassen. Das war streng verboten, und er musste ständig fürchten, entdeckt zu werden. Einmal entging er nur ganz knapp der Verhaftung, indem er sich hinter einer Tür versteckte. Er fand daraufhin Unterschlupf in der Residenz des damaligen Erzbischofs von Krakau, bis der Krieg zu Ende ging.

Ende 1946 wurde Karol im Alter von 26 Jahren in Krakau zum Priester geweiht. Er lehrte als Professor Theologie, schrieb Theaterstücke und Bücher und wurde schon bald für seine Predigten bekannt, die er regelmäßig in einer Studentenkirche hielt. Die deutsche Besatzung war zu Ende gegangen, aber von den Kommunisten abgelöst worden, die bald auch die Kirche und ihre Vertreter verfolgten. Karol, der mit nur 38 Jahren zum Bischof geweiht und bereits sechs Jahre später zum Erzbischof von Krakau ernannt wurde, zeigte offen, dass er mit den Ideen der Kommunisten nicht einverstanden war. Unerschrocken sprach er sich gegen die kommunistische Herrschaft aus und ermutigte die Gläubigen, die Wahrheit zu suchen und Christus nachzufolgen.

Nur drei Jahre nach seiner Einsetzung als Erzbischof wurde Karol zum Kardinal ernannt. Kardinäle haben eine besondere Stellung in der Kirche und wählen aus ihren Reihen denjenigen aus, der Papst werden soll. So kam es dazu, dass Lolek, der kleine Torwart aus Wadowice, mit 58 Jahren zum Papst gewählt wurde – als erster Pole der Geschichte. Er nahm den Namen Johannes Paul II. an und wählte als sein Motto die lateinischen Worte „totus tuus“ – ganz dein. Damit drückte er seine Verehrung für seine himmlische Mutter Maria aus: Er wusste, dass sie ihn, wenn er ihr sein Leben anvertraute, immer zu Jesus führen würde.

Dem eigenen Attentäter vergeben

Als der Papst am 13. Mai 1981 in einem offenen Fahrzeug über den Petersplatz in Rom fuhr, wo Tausende Gläubige auf ihn warteten, gab ein Attentäter aus der Menge mehrere Schüsse auf ihn ab. Der Arzt, der den Papst notoperierte, berichtete später fassungslos, dass die Kugel im Bauchraum einen völlig unbegreiflichen Zickzackkurs genommen hatte. Sie schlug im Bauch ein, verfehlte dann aber die Hauptschlagader und die lebenswichtigen Organe um Haaresbreite – so, als ob sie eine Kurve um sie herum gemacht hätte. Sobald er die Klinik verlassen konnte, kehrte Johannes Paul nicht nur zu seinen Aufgaben zurück, sondern besuchte den Attentäter im Gefängnis, wo er ihm vergab und liebevoll für ihn betete.

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Dass er an diesem Tag, dem Gedenktag der Muttergottes von Fatima, vor dem Tod bewahrt worden war, sah der Papst als Wunder der Muttergottes und sagte: „Eine Hand hat geschossen, aber eine andere Hand hat die Kugel gelenkt.“ Er ließ die Kugel, die ihm aus dem Bauchraum entfernt worden war, in eine kleine goldene Krone einarbeiten. Als er den Wallfahrtsort Fatima kurz danach besuchte, schenkte er die Krone der Muttergottes – sie ist heute noch auf der Marienstatue von Fatima zu sehen.

Papst Johannes Paul II. in Fatima
Foto: KNA-Bild (KNA) | Im Mai 1982 machte Johannes Paul II. eine Wallfahrt nach Fatima, um der Muttergottes zu danken, dass sie ihn beim Attentat beschützt hat.

Die Angst darf Dich nie beherrschen

Johannes Paul liebte junge Menschen und rief den Weltjugendtag ins Leben, bei dem bis heute Hunderttausende Jugendliche aus aller Welt alle zwei bis drei Jahre in einem anderen Land zusammen beten und ihren Glauben feiern. Er trat entschlossen gegen Ungerechtigkeit und für den Frieden ein und bereiste 127 Länder. Sein beeindruckendstes Zeugnis bleibt aber die Art, wie er mit seiner eigenen Schwäche umging. Als er schwer krank wurde und seine Kräfte immer mehr nachließen, schonte er sich nicht, sondern betete, sprach und reiste unermüdlich weiter. Er war entschlossen, der Welt zu zeigen, dass auch Schmerzen und Leiden nicht versteckt, sondern im Vertrauen auf Gottes Kraft und Hilfe ertragen werden können. Bis zum Schluss ertrug er seine Krankheit mit großer Geduld und der Gewissheit, dass sein Leben einen Sinn hatte. Unbeirrbar hat er Menschen auf der ganzen Welt zugerufen: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reißt die Tore weit auf für Christus!“

Wenn Du das nächste Mal Angst hast und etwas in Deinem Leben zu groß oder zu schwer erscheint, kannst Du an den kleinen Torwart aus Polen denken, der sich im Vertrauen auf Jesus und seine Mutter niemals von der Angst beherrschen ließ. Denn Mut bedeutet nicht, dass man keine Angst hat – sondern dass man auf jemanden vertraut, der größer ist als die Angst.

Magdalena Rauter
Foto: Privat | Magdalena Rauter ist Betriebswirtin, Kinderkatechetin und führt ihr eigenes Familienunternehmen mit drei kleinen Mitarbeitern.

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