Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Buchrezension

Die Weisheit des Karmel

Kontemplation außerhalb der Klostermauer: Kardinal Anders Arborelius ermutigt zu einer übernatürlichen Sicht der Welt.
Buch über die Weisheit des Karmel
Foto: Imago/Linh Hassel | Klostergründungen, Reisen und Reformen: Jenseits der Stadtmauern führte Teresa von Ávila ein aktives Leben.

Anders Kardinal Arborelius, Konvertit, Karmelit und emeritierter Bischof von Stockholm, führt den Leser in die karmelitische Spiritualität und zugleich in oft unterschlagene Glaubenswahrheiten des katholischen Glaubens ein. Auf knappem Raum erfahren die Leser mehr über die gelebte Praxis eines Glaubens, die eigentlich nur hinter den Mauern von Karmeliterklöstern, fernab von den Vergnügungen und Versuchungen dieser Welt, gelebt werden kann.

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Dennoch entsteht im Geist eines „in der Welt“ lebenden Lesers eine gewisse Sehnsucht nach einer Begegnung mit dem lebendigen Gott, wie sie beispielsweise von Teresa von Ávila in sieben Phasen beschrieben wurde. Das „Stehen vor Gott“, die unaufgeregte Wahrnehmung der liebenden Gegenwart Gottes in wirklich jeder Situation des Lebens, bleibt für einfache Christen, für Ordensgeistliche wie Weltpriester im Weinberg des Herrn eine große Herausforderung.

Erneuerung des Karmeliterordens

Wer die besondere Spiritualität des Karmel verstehen oder sich auf diesen spirituellen Weg begeben will, kommt um einen Blick in die Geschichte des Ordens nicht herum. Der Karmeliterorden entstand im 12. Jahrhundert während der Zeit der Kreuzzüge in Israel. Eremiten zogen sich damals in die Höhlen des 546 Meter hohen Karmel, eines Gebirgszuges an der Mittelmeerküste, zurück. 

Nach dem Wegzug aus dem Heiligen Land, einer Phase des Aufschwungs und der Verweltlichung in den folgenden Jahrhunderten, erlebte der Orden im 16. Jahrhundert eine Erneuerung, fast eine Neugründung durch die „unbeschuhten Karmeliten“, die wegen des Armutsgelübdes nur Sandalen trugen. Protagonisten dieser Rückführung zu den Quellen des Ordens waren vor allem die heilige Teresa von Ávila und Johannes vom Kreuz.

Ermutigung zu Gotteskindschaft, Marienverehrung und Anbetung

Dass ausgerechnet ein in Schweden aufgewachsener Karmelit und Priester einmal zum ersten Bischof von Stockholm nach der Reformation werden würde, hätte wohl niemand voraussagen können. Die römisch-katholische Kirche in Schweden erlebte unter seiner Führung einen bemerkenswerten Aufschwung, verdreifachte die offizielle Zahl der Katholiken in Schweden auf heute etwa 130 000 Gläubige, wobei etwa 170 000 „inoffizielle Katholiken“ noch nicht mitgezählt sind.

Weltweites Aufsehen erregte in seiner Amtszeit, als Ulf Ekman im Jahr 2014, ein weltweit angesehener Pfingstprediger, der Gründungspastor der größten Pfingstkirche Schwedens, mit seiner Frau zum katholischen Glauben konvertierte. Im Jahr 2017 wurde Bischof Arborelius sogar zum „Schweden des Jahres“ gewählt.

In seinem Buch schildert der Autor nicht nur die zentralen Elemente karmelitischer Spiritualität, sondern auch die allgemeinen Merkmale eines katholischen Profils der Kirche. Der Autor nimmt dabei nicht die distanzierte Perspektive eines Universitätsprofessors ein, sondern begegnet dem Leser als warmherziger Gottsucher. Er ermutigt zur Betrachtung des Heiligen Geistes, zur Gotteskindschaft, zur Marienverehrung und zur Anbetung.

Drei Bilder über den Heiligen Geist

Dicht gedrängt sind die Erkenntnisse des Kardinals platziert, ergänzt mit Gebeten und Erkenntnissen der Klassiker der karmelitischen und anderer Meister der mittelalterlichen oder neuzeitlichen Spiritualität. Drei Bilder über den Heiligen Geist aus dem zweiten und zehnten Kapitel des Buches helfen dem Leser, tiefer zu verstehen, um was es dem Kardinal und Karmeliten geht: zum einen die „Entflammung“ durch das Feuer des Heiligen Geistes, die in die Nähe der Erkenntnis Gottes führe; zum anderen der „Wind“ des Heiligen Geistes, der die Kirche gleich einer Taube schweben und fliegen lässt. Alle drei Bilder führen den Betrachter von den irdischen Realitäten, auch vom Zeitgeist weg, hin zu einer himmlischen und übernatürlichen Sichtweise der Dinge.

Es ist nicht leicht, der Spiritualität des Karmel zu folgen. Der Leser ist fast erinnert an die Worte Jesu, dass „viele erwählt, aber nur wenige berufen sind“ – zur Nachfolge Christi und zum mönchischen Leben. Solange sich Gläubige durch das Zeugnis der Heiligen und die Gemeinschaft christlicher Beter näher zum Herzen Jesu und der Gottesmutter Maria führen lassen, ist allerdings „alles möglich“.


Kardinal Anders Arborelius: Die Spiritualität des Karmel, Kisslegg: fe-Medienverlag, 2026, broschiert, 168 Seiten, EUR 8,95

Der Rezensent ist Dozent für christliche Spiritualität und Evangelisation an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz.

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