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Die Geschichte von Bernadette beginnt

Wer war Bernadette Soubirous, und warum sah sie die Muttergottes? Lilly und Bob gehen im ersten Teil ihrer Geschichte dieser Frage auf den Grund.
Grotte von Lourdes
Foto: @YOUCAT Foundation | Die Grotte von Lourdes ist untrennbar mit den marianischen Erscheinungen der heiligen Bernadette verbunden.

Bob: Opa, warum hat deine Muttergottes-Statue Rosen an den Füßen?

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Opa: Das ist eine gute Beobachtung, Bob. Rosen sind seit langer Zeit ein Zeichen für Liebe und Schönheit. Man nennt sie auch die „Königin der Blumen“. Darum sind sie ein besonderes Symbol für die Muttergottes, die wir auch „Königin des Himmels“ nennen.

Lilly: Und warum liegen die Rosen auf ihren Füßen?

Opa: Diese Statue zeigt die Muttergottes von Lourdes. Sie erschien einem 14-jährigen Mädchen namens Bernadette Soubirous. Bernadette erzählte, dass die Dame ein weißes Kleid mit Schleier trug. Sie hatte einen blauen Gürtel um die Taille, einen Rosenkranz in der Hand und auf jedem Fuß lag eine goldene Rose.

Bob: Echt? Sie hat die Muttergottes wirklich gesehen?

Opa: Ja. Insgesamt sogar 18 Mal.

Bob: Wow! Und was hat sie dann gemacht und gesagt?

Opa: Ich fange ihre Geschichte am besten von vorne an. Also, Bernadette wurde 1844 in Lourdes geboren. Dieser heute weltbekannte Wallfahrtsort im Süden Frankreichs war damals nur ein größeres Dorf. Zur Zeit der Erscheinungen lebte sie mit ihren Eltern und ihren drei jüngeren Geschwistern in dem ehemaligen Gefängnis des Dorfes. Es war ein feuchter und dunkler Ort.

Bob: Haben sie denn etwas Schlimmes angestellt?

Opa: Nein. Aber die Familie musste ihre Wohnung in der Mühle Boly verlassen. Der Vater hatte dort als Müller gearbeitet. Doch schlechte Ernten und größere andere Mühlen machten es ihm immer schwerer, Arbeit zu finden. Schließlich wurde er Tagelöhner. Die Mutter nähte und wusch zusätzlich für andere Leute. Trotzdem reichte das Geld kaum zum Leben. Bernadette hatte zudem Asthma. Dieses wurde in der ärmlichen Unterkunft noch schlimmer. Deshalb schickten ihre Eltern sie für einige Monate nach Bartrès, einem kleinen Dorf in der Nähe von Lourdes. Dort lebte sie bei einer Bekannten und hütete die Tiere. 

Bob: Vermisste sie ihre Familie?
Opa: Ja. Und sie wollte wieder zur Schule gehen und sich vor allem auf ihre erste heilige Kommunion vorbereiten. Das war in ihrem Alter damals so üblich. Doch bevor sie diese empfing, geschah am 11. Februar 1858 etwas, das ihr ganzes Leben verändern sollte.

Lilly: Die Muttergottes ist ihr erschienen, stimmt’s?

Opa: Gut kombiniert. An diesem Tag ging Bernadette mit ihrer Schwester und einer Freundin los, um Holz zu sammeln. Sie gingen zur Grotte Massabielle am Fluss Gave. Das war etwa 20 Minuten zu Fuß. Um dorthin zu gelangen, mussten die Mädchen barfuß einen kleinen Bach überqueren. Bernadette zögerte, weil sie krank war. Doch als sie die Schuhe auszog, um den anderen zu folgen, hörte sie plötzlich das Geräusch eines Windes. In der Nische der Grotte sah sie eine junge Frau, die in hellem Licht stand.

Bob: Mit einem weißen Kleid, einem blauen Gürtel und mit zwei Rosen an den Füßen!

Opa: Genau. Bernadette schrieb später genau auf, was sie erlebt hatte. In ihrem Bericht erzählte sie, dass sie sich zuerst die Augen rieb, um sicherzugehen, dass sie sich nicht geirrt hatte. Dann holte sie ihren Rosenkranz aus der Tasche und wollte beten. Doch ihre Hand zitterte so stark, dass sie kein Kreuzzeichen machen konnte.

Bob: Vielleicht dachte sie, sie sieht ein Gespenst, und es verschwindet, wenn sie betet?
Lilly: Ich glaube eher, dass sie einfach den Wunsch nach Gebet verspürte, als sie die Frau sah!

Opa: Wie eine Rose verbreitet auch die Muttergottes einen himmlischen Duft voller Liebe, Frieden und Geborgenheit. Das können wir besonders im Gebet spüren. 

Bob: Vielleicht roch sie sogar nach Rosen!

Opa: Ein schöner Gedanke. Bernadette wusste damals auf jeden Fall noch nicht, wer die junge Frau war. Sie nannte sie einfach „die Dame“. Diese zeigte ihr nun langsam das Kreuzzeichen, und sie konnte es ihr nachmachen. Danach hatte sie keine Angst mehr. Sie kniete sich hin und betete. Die Dame ließ ebenfalls die Perlen ihres Rosenkranzes durch ihre Hand gleiten, sagte aber weiterhin kein Wort. Nach dem Gebet verschwand sie.

Lilly: Warum haben die anderen beiden Mädchen nicht nach Bernadette geschaut, als sie auf der anderen Seite des Baches blieb?

Opa: Sie dachten wohl, die kranke Bernadette wolle den kalten Bach nicht überqueren und warte lieber. Als sie zurückkamen, sahen sie sie kniend und ganz still. Da merkten sie, dass etwas geschehen war. Bernadette fragte sie, ob sie etwas gesehen hätten. Als sie den Kopf schüttelten, erzählte sie ihnen von der Dame. Später verriet ihre Schwester das Geheimnis der Mutter, die sehr besorgt war. Sie verbot Bernadette, noch einmal zur Grotte zu gehen. Am nächsten Sonntag nach der Messe konnte sie ihre Eltern jedoch überreden, das Verbot aufzuheben.

Lilly: Wie hat sie das geschafft?

Opa: Vielleicht dachte ihre Mutter, dass sie dort nichts mehr sehen würde. Dann hätte Bernadette ihr geglaubt, dass sie sich alles nur eingebildet hatte. Doch an der Grotte erschien ihr die Dame zum zweiten Mal. Mehrere Mädchen aus dem Dorf beobachteten, wie sie sich vor die leere Nische kniete. Anschließend betete sie wieder den Rosenkranz.

Bob: Konnten die Mädchen die Dame denn nicht sehen?

Opa: Nein, nur Bernadette sah sie. 

Bob: Kann die Muttergottes auch sprechen?

Opa: Ja, bei der dritten Erscheinung, vier Tage später, sprach sie zum ersten Mal. Bernadette fragte sie nach ihrem Namen. Die Dame antwortete, dass dieser nicht wichtig sei. Dann bat sie Bernadette, fünfzehn Tage lang jeden Tag zur Grotte zu kommen. Außerdem sagte sie ihr, dass sie ihr kein Glück in diesem Leben verspreche, sondern im kommenden. Damit meinte sie das ewige Leben im Himmel. Bernadette verstand das damals noch nicht ganz. Aber sie wollte unbedingt den Wunsch der Dame erfüllen.

Lilly: Wie es wohl einmal sein wird, die Muttergottes im Himmel zu sehen – so wie Bernadette jetzt?

Opa: Ja, das muss ein ganz besonderer Moment sein. In den nächsten Tagen erlebte Bernadette diesen Vorgeschmack auf den Himmel immer wieder. Viele Menschen hörten davon und kamen auch zur Grotte. Manche lachten über sie, und einige hielten sie für verrückt. Und auch die Dame übermittelte ihr nicht nur schöne Botschaften.

Bob: Was hat sie Bernadette denn alles gesagt?
Opa: Das erzähle ich euch beim nächsten Mal. Was haltet ihr davon, wenn wir jetzt gemeinsam ein Gesätzchen des Rosenkranzes beten? So können auch wir dem Himmel ein kleines Stück näherkommen.

Lilly: Ich mach’ mit! 

Bob: Ich auch!

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Opa: Sehr schön. Dabei können wir uns vorstellen, dass jedes Ave-Maria, das wir beten, wie eine Rose ist, die wir der Muttergottes schenken. Sie trägt unseren Rosenstrauß freudig zu Gott.


Die Autorin  ist Lehrerin, verheiratet und Mutter von zwei Kindern. Sie war an der Erstellung des YOUCAT for Kids beteiligt.

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Claudia Weiß Lourdes Schwestern Youcat Foundation

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