Der Verein ELIJAH unterstützt seit 2012 Roma-Familien im rumänischen Siebenbürgen. Gegründet von Ruth Zenkert und Pater Georg Sporschill SJ, setzt er sich für die Ärmsten ein und kämpft gegen soziale Ungerechtigkeit. Manchmal sind es Kinder wie Paula, die früh Verantwortung übernehmen und genauer hinsehen als die Erwachsenen. Sie spüren, wann jemand auf eine Katastrophe zusteuert – und weigern sich, wegzuschauen. Dieser Bibelimpuls erscheint im Rahmen einer Medienkooperation zwischen der Hilfsorganisation ELIJAH und der Tagespost.
Was ist möglich, wenn jemand auf eine Katastrophe zusteuert? Die Männer erhoben sich von dort und schauten auf Sodom hinab. Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiten. Gen 18,16
Am Sonntagmorgen kommen Kinder in unseren Hof, sie freuen sich auf den Gottesdienst. Unter dem fröhlichen Gelächter höre ich Paulas Stimme, die festlegt, wer heute in der Messe ministrieren darf. Die Auserwählten laufen mit ihr in die Kapelle, sie müssen noch eingeschult werden, was sie zu tun haben. Die Musiker sind schon da, sie suchen die Lieder aus und bereiten Roma-Musik vor, für einen guten Ausklang. Paula zieht ihre jüngere Schwester zu mir her: „Sogar Alis ist heute gekommen!“
Ich traue meinen Augen nicht. Alis, ich habe sie seit Monaten nicht mehr gesehen. Das zarte Mädchen hatte mit Paula bei uns gewohnt. Verschmitzt und klug, lernte sie blitzschnell. Es war eine fröhliche Zeit mit ihr. Doch dann holte die Mutter sie wieder zurück, Alis sollte auf die Kleinen aufpassen. In einem einzigen Raum mit vielen Kindern, im Schlamm mit Hunden und viel Müll. In die Schule ging sie nicht mehr. Jetzt steht vor mir nicht mehr das Kind, sondern eine junge Frau. Die Augen schwarz geschminkt, knallroter Lippenstift. Die Hose sitzt ziemlich eng, Alis ist dicker geworden. Gibt es zu Hause nur Chips und Cola? Ihr Gesicht scheint verbraucht und müde neben der vier Jahre älteren Paula, die jugendlich strahlt.
Nach der Messe gibt es Frühstück für alle. Paula setzt sich zu mir und vertraut mir an: „Ich habe sie von zu Hause geholt, weil ich mir große Sorgen mache.“ Alis sei jetzt zwölf Jahre alt, und die Familie rede schon darüber, mit wem sie verheiratet werden solle. Die Summe, die man für Alis bekommen wolle, werde noch verhandelt. „Ich will sie retten, bevor es zu spät ist. Aber ich weiß nicht, ob Alis das will. Schau sie dir an.“ Bei Paula war es gerade noch einmal gut gegangen. Ihre großen Brüder hatten sie bei der Schule abgepasst und mit dem Pferdewagen entführt. Als sie vor unserem Haus stehen blieben, um noch Paulas Habseligkeiten mitzunehmen, war es mir gelungen, das erstarrte Mädchen vom Wagen herunterzureißen und in Sicherheit zu bringen.
Wie können wir nun verhindern, dass Alis sich dem grausamen Handel des Clans beugt? Bedrückt begleiten wir sie nach Hause. Da wartet schon ein junger Bursche. Paula flüstert: „Das ist er. Ich hasse ihn.“ Alis geht zu ihm. Hinab nach Sodom?
Sprichwörtlich wie in Sodom geht es auf dem Gelände der verwahrlosten Familie zu. Das sind meine Gedanken, als ich machtlos zuschauen muss. Gott sei Dank ist Paula mit mir und fasst fest meine Hand. Nicht nur in der Sozialarbeit sind wir oft hilflos und sehen manchmal schwarz. Wie kann es eine Lösung in Sorgen um Menschen geben, die bedroht sind oder selber ihr Leben zerstören? Nicht wegschauen! Sondern weitersuchen, was wir tun können. Das entnehme ich der Geschichte: „Die Männer erhoben sich von dort und schauten auf Sodom hinab. Abraham ging mit ihnen, um sie zu geleiten.“ Ein Trost ist es, wenn wir nicht allein sind, wenn uns Menschen mit Verständnis und Solidarität in den dunklen Phasen des Lebens begleiten.
BIMAILs sind Bibelworte für unsere Zeit: keine Predigten, sondern Anleitungen zum Weiterdenken. Das Team um Pater Georg Sporschill SJ greift für jede Woche im Jahr einen Satz aus der Bibel heraus. Das Wort wird erklärt und durch Erfahrung veranschaulicht, beispielweise durch Einblicke in die Sozialarbeit des Vereins ELIJAH, mit dem Ruth Zenkert und Pater Georg Sporschill SJ seit 2012 verwahrloste Roma-Kinder und ihre Familien im rumänischen Siebenbürgen unterstützen. Den Namen hat der Verein vom Propheten Elijah erhalten, er setzte sich für die Ärmsten ein und trat gegen Ungerechtigkeit auf.
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