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Jesus zeigt uns den Willen Gottes

Manchmal haben wir unseren eigenen Kopf. Aber Gott weiß, was gut für uns ist. Doch wie erkennen wir seinen Willen?
Jesus Ölberg
Foto: Bernadette Drayß | Jesus am Ölberg: Auch wenn es für ihn schwer war, bat er darum, dass der Wille des Vaters geschehe.

Jeder von uns hat einen eigenen Willen – und der kann manchmal richtig stark sein. Vielleicht hast du das heute schon gemerkt? Besonders dann spürst du deinen Willen, wenn etwas nicht so läuft, wie du es möchtest. Vielleicht plant deine Familie einen Ausflug, den nur deine Eltern gut finden. Du willst ganz woanders hin.

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Oder du sollst in der Schule neben jemandem sitzen, neben dem du gar nicht sitzen willst. Oder es gibt etwas zu essen, das dir nicht schmeckt. Wir spüren unseren Willen nicht nur, wenn wir enttäuscht werden, sondern auch in unseren Wünschen. Dinge, die du dir sehr stark wünschst, die willst du unbedingt. An deinen freien Entscheidungen und deinen Wünschen kannst du gut sehen, dass du einen eigenen Willen hast und welche Kraft dieser Wille hat.

Jesus richtet sich immer nach dem Willen des Vaters

Auch Jesus hatte einen eigenen Willen. Er ist ja Mensch geworden und so teilt er auch diese Eigenschaft mit uns Menschen: einen Willen zu haben. Allerdings: Wenn wir Jesus anschauen, dann sehen wir, dass er sich immer nach dem Willen seines Vaters richtet. Er sagt: „Ich bin nicht vom Himmel herabgekommen, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.“ Jesus hat einen eigenen Willen, doch dieser Wille ist ganz darauf ausgerichtet, den Willen des Vaters zu erfüllen.

Das heißt aber nicht, dass das für Jesus ein Kinderspiel ist. Heute, am Gründonnerstag, sehen wir besonders gut, dass es für Jesus auch schwer sein kann, dem Willen seines Vaters zu folgen. Als Jesus mit seinen Jüngern das letzte Abendmahl vor seinem Tod gefeiert hat, ging er mit seinen Jüngern zu einem Grundstück, das Getsemani heißt. Dort trägt er den Jüngern auf, zu wachen, während er alleine ein Stück weit vorausgeht, um zu beten.

Er hat große Angst, weil er weiß, dass er bald leiden und sterben wird. Er bittet seinen Vater im Himmel: „Wenn du willst, nimm diesen Kelch von mir!“ Er bittet Gott, ihn zu verschonen. Doch dann fügt er hinzu: „aber nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen.“ Jesu eigener Wille, sein eigener Wunsch, ist es, nicht zu leiden. Jesus hat sogar Angst vor dem Leiden – aber dennoch bittet er darum, dass Gottes Wille geschehen soll.

Auch uns sagt Jesus, dass wir uns nach dem Willen Gottes richten sollen. Wenn wir das Vaterunser beten, sagen wir jedes Mal: „Dein Wille geschehe.“ Mit diesem Satz bitten wir Gott, dass sein Wille sich auf der Erde erfüllen soll.

Warum nicht unserem eigenen Willen folgen?

Aber warum sollen wir eigentlich nicht unserem eigenen Willen folgen, sondern dem Willen Gottes? Wenn wir auf den Willen eines anderen hören, nennt man das Gehorsam. Gehorsam gibt es auch in menschlichen Beziehungen. Deine Eltern wünschen sich von dir Gehorsam, dein Lehrer in der Schule oder der Trainer der Sportgruppe. Wenn alle Menschen nur ihrem eigenen Willen folgen, funktioniert keine Familie, kein Unterricht und keine Sportgruppe.

Wir stellen unseren eigenen Willen zurück, weil wir ein höheres Ziel erreichen wollen. Du hörst auf deine Eltern, weil du darauf vertraust, dass sie dich schützen wollen und wissen, was für dich gut ist. Auf deinen Lehrer, damit ihr in der Schule etwas lernt. Und auf deinen Trainer, damit ihr gemeinsam beim Sport Erfolg habt.

Ja, und warum sollen dann alle Menschen Gott folgen? Jesus lehrt uns, dem Willen Gottes zu folgen, weil wir nur so wirklich glücklich werden können. Nur Gott hat den Überblick, was letztlich richtig und gut ist. Gott führt alles zum Guten, und wenn wir ihm folgen, dann kann er auch uns zum Guten führen.

Es kann einen Menschen sogar richtig unglücklich machen, sich längerfristig gegenüber dem Willen Gottes zu versperren.
Heißt das, dass unser eigener Wille schlecht ist? Nein, ganz und gar nicht. Gott hat dich ja geschaffen und er spricht auch durch deinen eigenen Willen. Vieles wünschst du, weil Gott es in dich hineingelegt hat.

Beispielsweise möchte jeder Mensch voll und ganz leben, voll und ganz glücklich sein, voll und ganz geliebt sein. All diese Wünsche stammen von Gott. Aber wir überblicken nicht alles. Deshalb merken wir manchmal nicht, dass ein kleiner Wunsch unserem großen Wunsch nach Leben, Glück und Liebe widerspricht.

Und dann kann es manchmal sogar unangenehm oder schwer werden, wenn wir uns Gottes Willen fügen sollen. Es gibt Situationen, in denen sich Gottes Wille hart für uns anfühlt. Manchmal kann man kaum glauben, dass das jetzt so besser ist, als ich es geplant habe oder mir wünsche. Doch hab keine Angst! Es kann dich niemals unglücklich machen, dem Willen Gottes zu folgen. Denn was Gott will, ist vollkommen gut.

Jesus fasst alle Gebote in einem einzigen zusammen

Doch wie wissen wir eigentlich, was der Wille Gottes ist? Wenn Jesus auf den Berg steigt und dort seinen Jüngern ganz weiß erscheint – also bei seiner Verklärung – dann sagt eine Stimme aus der Wolke: „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören.“

Nicht nur Jesus hört auf Gott, sondern Jesus ist der, auf den wir wiederum hören sollen. So wie Jesus den Willen seines Vaters erfüllt, so sollen wir den Willen von Jesus erfüllen. Das ist ein kleiner Hinweis darauf, wie wir den Willen Gottes erkennen können. Was Jesus sagt und wie er lebt, zeigt uns, was der Wille Gottes ist. Wenn Jesus sich barmherzig verhält, voller Mitleid, Liebe und Geduld, dann sehen wir daran, dass es Gottes Wille ist, dass wir genauso handeln. Jesus fasst alle Gebote in einem einzigen zusammen.

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Er sagt: „Das ist mein Gebot: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe.“ Wenn wir manchmal vor vielen Dingen, die wir richtig oder falsch machen könnten, den Überblick verlieren, dann ist es eine gute Idee, sich an diesem Hauptgebot von Jesus zu orientieren. Dann frage dich einfach: Liebe ich gerade so, wie Jesus geliebt hat? 


Die Autorin ist Theologin, Musikerin und Mutter von zwei Söhnen. Sie war an der Erstellung des Youcat for Kids beteiligt (www.youcat.org).

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