Am Anfang dieser Kinderkatechese möchte ich dich einladen, einmal zu überlegen, wer Jesus Christus für dich persönlich ist. Was bedeutet dir Jesus? Was weißt du schon über ihn? Ist er dein bester Freund, mit dem du über alles reden kannst? Dein König und Gott, dem du ganz vertraust? Oder hast du vielleicht das Gefühl, dass du Jesus noch gar nicht so gut kennst? Ist er noch jemand für dich, der weit weg zu sein scheint? Egal, wo du heute stehst, möchte ich dich einladen, Jesus ein Stück besser kennenzulernen.
Das Beste, was wir tun können, um ihn besser kennenzulernen, ist, mit ihm im Gebet zu sprechen und sein Wort zu lesen. Wenn wir immer wieder auf das Leben Jesu, das er hier auf der Erde gelebt hat, schauen, werden wir ihn immer besser erkennen. Alles, was Jesus gesagt und getan hat, war von sehr großer Bedeutung – auch für unser Leben heute. Auch heute lebt Jesus, denn er ist ja auferstanden. Wir können ihn also immer fragen, wie er bestimmte Worte gemeint hat, die wir in der Bibel lesen.
Tauchen wir nun gemeinsam ein in das Johannesevangelium. Wenn du möchtest, kannst du jetzt auch eine Bibel holen und das siebte Kapitel des Johannesevangeliums aufschlagen. Hier geht es um die Frage, die alle beschäftigt: Wer ist Jesus? Das ist die große Frage, die die Menschen während der Zeit des sogenannten Laubhüttenfestes beschäftigt, von dem in diesem Kapitel die Rede ist.
Jesus sucht nie den Applaus der Menge
Bei dem siebentägigen Fest erinnern sich die Juden bis heute daran, wie Israel aus Ägypten ausgezogen ist, durch die Wüste zog und dort von Gott versorgt wurde. Das sichtbarste Symbol des Festes sind die kleinen Hütten, in denen jüdische Familien während der acht Festtage wohnen sollen (Lev 23,33–43). Diese einfachen Behausungen sollen an die 40 Jahre erinnern, in denen Israel in vollkommener Abhängigkeit vom Herrn in der Wüste gelebt hat.
Wir lesen im siebten Kapitel des Johannesevangeliums, dass Jesu Verwandte ihn vor Beginn des Laubhüttenfestes auffordern: „Komm, was hängst du hier mit uns rum in Galiläa? Geh nach Judäa zum Fest und bring alle zum Staunen mit weiteren Wundern!“ Es ist erstaunlich, dass Jesus das nicht will. Es wäre die beste Gelegenheit… Er ist so bekannt, dass alle über ihn tuscheln und auf ihn warten. Aber was tut er? Er geht geheim und im Verborgenen dahin. Und er sagt, dass es ihm nicht um seine Ehre geht. Wir können daraus lernen: Jesus sucht nicht die Aufmerksamkeit, die mit weltlichem Ruhm verbunden ist – nicht den Applaus der Menge.
Erst als schon die Hälfte des Festes vorbei ist, fängt er an, im Tempel zu predigen. Die Pharisäer reagieren empört: „Wer ist das denn? Was erlaubt er sich zu lehren, ohne dass er einen so tollen Abschluss wie wir im Bibelstudium hat?“ Was antwortet Jesus? Er erklärt ihnen, dass er nicht von sich aus redet, dass er nicht mit menschlicher Weisheit lehrt, sondern direkt die Worte Gottes sagt. Viele Pilger fragen sich: ‚Wie kann der so tun, als ob er der Messias ist? Wir kennen ihn und seine Heimat doch, das kann nicht der Messias sein.‘ Aber genau das ist der Knackpunkt: Sie meinen, ihn zu kennen, sie versuchen, ihn mit ihrem begrenzten menschlichen Verstand zu fassen, und erkennen nicht, dass er mehr ist als ein Mensch.
Jesus erleuchtet unser Dunkel!
Zur Zeit Jesu gab es während des Laubhüttenfestes zwei besonders schöne Rituale in Verbindung mit dem Tempel: Jeden Tag wurde Wasser geschöpft und mit Wein auf den Altar ausgegossen. Es war ein Zeichen dafür, dass Gott Leben und Freude schenkt. Und am letzten Tag des Festes wurde der Tempel, der auf einem Hügel stand, festlich beleuchtet, sodass die ganze Stadt davon beleuchtet wurde. Das sollte ein Zeichen dafür sein, dass Gottes Gegenwart den Tempel erfüllte.
Als die Menschen empört und überrascht darüber sind, dass Jesus predigt, und sie sich fragen, wer er ist, sagt er: „Wer Durst hat, komme zu mir, und es trinke, wer an mich glaubt.“ Siehst du die Parallele? Die Menschen feiern während des Laubhüttenfestes, dass Gott sie in der Wüste mit allem Notwendigen, vor allem mit Wasser, versorgt hat, um sie in das gelobte Land zu führen. Und mitten unter ihnen ist der, der ihren wahren Durst stillen und ihnen ewiges Leben schenken kann, der sie im Hier und Jetzt mit Leben und Freude erfüllen kann.
Später sagt Jesus auch mal: „Ich bin das Licht der Welt.“ Genauso wie damals der beleuchtete Tempel am letzten Tag des Laubhüttenfestes die ganze Stadt erleuchtet hat und ein Zeichen für die Gegenwart Gottes im Tempel war, erleuchtet Jesus – der Gott unter uns ist – das Dunkel, in dem sich das menschliche Denken befindet.
Glaubst Du Ihm?
Das gilt auch für uns heute: Jesus ist die Erfüllung von allem, was Gott verheißen hat, und er ist die Gegenwart Gottes unter uns. So wie wir erst durch das Licht die Welt sehen können, können wir nur Gott und die Welt, so wie Gott sie sich gedacht hat, sehen, wenn Jesus unser Licht ist. Wir können in diesem Leben versuchen, durch alle möglichen Dinge unseren tiefsten Durst zu stillen; aber nur Jesus kann die tiefsten Sehnsüchte in uns ganz stillen. Wenn Jesus sagt, wer er ist, begründet er nicht großartig, wieso das so ist. Er weist es den Menschen nicht nach. Sein ganzes Leben und besonders später sein Kreuzestod legen Zeugnis dafür ab, dass es stimmt.
Jesus fragt die Menschen nur: Glaubt ihr mir? Du kannst dir, wie die Leute damals, tausend schlaue Fragen stellen, wer Jesus ist, und das ist auch gut. Aber höre auch auf die Antworten, die Jesus gegeben hat, und auf das, was er uns durch seinen Tod und seine Auferstehung sagt. Auch an uns ergeht der Aufruf: Glauben wir ihm, oder glauben wir ihm nicht, wenn er uns sagt, wer er ist? Wenn wir glauben, schenkt Jesus uns lebendiges Wasser und ist unser Licht, das unsere Finsternis hell macht.

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