Sportlich läuft es für Borussia Dortmund (BVB) aktuell rund: Platz zwei in der Bundesliga, beste Chancen auf die Vizemeisterschaft und die erneute Qualifikation für die Champions League. Ein Erfolg, der eng mit der Arbeit des BVB-Trainers Niko Kovač verbunden ist – und mit der Haltung, die ihn prägt.
Im Fußballpodcast „Phrasenmäher“ der „BILD“ erzählt Kovač, wie er im Berliner Stadtteil Wedding, einem klassischen Arbeiterviertel, aufgewachsen ist. Als Sohn kroatischer Einwanderer, die 1970 nach Deutschland kamen, erlebte er früh, was es heißt, mit wenig auszukommen – und dennoch reich an Werten zu sein. Im Podcast sagt er offen: „Ich glaube fest daran, dass es den lieben Gott gibt. Ich glaube auch, dass wir eine Bestimmung haben und dass das Leben nach dem Tod weitergeht.“
Reiche arme Kindheit
Zu viert lebte die Familie in einer kleinen Zweizimmerwohnung. Die Familie besaß „fast nichts“, dafür spielten umso mehr Zusammenhalt und Respekt in der internationalen Nachbarschaft, aber auch der Glaube eine Rolle. „Wir haben verschiedene Kulturen kennengelernt, einander akzeptiert. Es war ein Miteinander.“ Dies habe ihn als Persönlichkeit geprägt. „Es war eine schöne Zeit“, erzählt der 54-Jährige. Und Fußball? Diesen Sport lernte er im nahegelegenen Park.
Das multikulturelle Umfeld im Wedding lehrte ihn Offenheit und Toleranz, vor allem aber vermittelten ihm seine Eltern klare Werte: Disziplin, Fleiß, Respekt – und einen lebendigen Glauben. Seine Eltern „haben gezeigt, dass Arbeit sich lohnt“, ihm aber auch beigebracht, „dass man ein guter Mensch sein“ und den Mut haben soll, „Entschuldigung zu sagen“. Er besuchte katholischen Religionsunterricht in der kroatischen Gemeinde, wo er auch gefirmt wurde und geheiratet hat.
Der katholische Glaube ist für Kovač bis heute ein wichtiges Fundament. Er ist für ihn keine abstrakte Überzeugung, sondern gelebter Alltag. „Ich glaube nicht nur“, sagt er, „ich praktiziere auch“. Er besucht regelmäßig die Messe in einer kroatischen Gemeinde in Dortmund, betet vor dem Essen und spricht mit Gott, der ihm Halt gibt. Besonders in schwierigen Momenten des Lebens vertraut er auf Gott und darauf, dass dieser nur zulasse, „was ich schultern kann. Und wenn es ein bisschen mehr wird, dann weiß ich: Er ist trotzdem da. Das hilft mir“.
Auch Dankbarkeit und Demut spielen eine zentrale Rolle: „Wir haben Glück, dass wir zu essen haben. Es gibt viele Menschen, die das nicht haben.“ Darum sei es für ihn normal, vor dem Essen das Kreuzzeichen zu machen und zu beten. Wenn er einen Fehler gemacht habe, gehe er beichten. „Ich mache viel falsch“, gesteht er, „bin aber gern bereit, mich zu entschuldigen“, egal, ob jemand in der Hierarchie über oder unter ihm stehe. Und bei Spielen trägt Kovač einen Rosenkranz oder eine Medaille in der Hosentasche. Sie geben ihm, wie er sagt, „Schutz, Stärke und die Kraft, schwierige Situationen zu meistern“.
Empathie und Disziplin
Diese innere Überzeugung verbindet sich mit einer Lebensgeschichte, die von harter Arbeit geprägt ist. Früh lernte Kovač: Erfolg kommt nicht von selbst. Sein Vater, selbst leidenschaftlich und fordernd, prägte ihn nachhaltig. Ein Satz ist ihm besonders geblieben: „Schau, was die Besten auf deiner Position machen.“ Diesen Anspruch hat Kovač verinnerlicht – erst als Spieler, dann als Trainer, aber auch als Vater.
Wenn er mit seiner Tochter „Mensch-ärgere dich-nicht“ spiele, lasse er sie nicht einfach gewinnen. Sie solle lernen, um alles zu kämpfen. „Es lohnt sich“, weiß Kovač aus eigener Erfahrung. Was man sich hart erarbeite, wisse man zu schätzen.
Heute gehört Kovač selbst zu den Besten. Aber er gilt nicht nur als akribischer Trainer, sondern auch als jemand, der menschlich führt. Spieler und Weggefährten beschreiben ihn als empathisch, freundlich, diszipliniert und fleißig – Eigenschaften, die sich auch im Erfolg von Borussia Dortmund widerspiegeln.
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