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42 verlorene Seiten von frühem Paulus-Manuskripts wiederhergestellt

Mit multispektraler Bildgebung hat ein Team der Universität Glasgow den Codex H teilweise rekonstruiert, ein Manuskript der Paulusbriefe aus dem 6. Jahrhundert.
Codex Hierosolymitanus
Foto: Wikicommons/Schaff, Phillip | Der rekonstruierte Text enthält zwar bekannte Abschnitte der Paulusbriefe. Dennoch ist der Fund von großer Bedeutung: Die Seiten enthalten frühe Kapitelverzeichnisse zu den Paulusbriefen, die sich deutlich von der ...

Ein internationales Forscherteam unter Leitung von Professor Garrick Allen von der Universität Glasgow hat 42 verlorene Seiten des „Codex H“, eines der bedeutendsten frühen Manuskripte des Neuen Testaments, digital rekonstruiert. Das teilte die Universität Glasgow in einer Pressemitteilung mit. Bei dem Manuskript handelt es sich um eine Abschrift der Paulusbriefe aus dem 6. Jahrhundert.

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Der Codex H ging im 13. Jahrhundert im Kloster der Großen Lavra auf dem Berg Athos verloren. Das Manuskript wurde zerlegt, die Seiten neu mit Tinte beschriftet und als Einbandmaterial sowie als Vorsatzblätter für andere Handschriften wiederverwendet. Die erhaltenen Fragmente sind heute auf Bibliotheken in Italien, Griechenland, Russland, der Ukraine und Frankreich verstreut.

Für das bloße Auge kaum sichtbar

Der entscheidende Hinweis lag in der späteren Neubeschriftung. „Der Durchbruch ergab sich aus einem wichtigen Ausgangspunkt: Wir wussten, dass das Manuskript zu einem bestimmten Zeitpunkt neu mit Tinte beschriftet wurde“, erläutert Allen. Die Chemikalien der neuen Tinte hätten auf gegenüberliegenden Seiten Abdruckspuren hinterlassen – „im Wesentlichen ein Spiegelbild des Textes“. Diese Spuren seien für das bloße Auge kaum sichtbar, mit modernen Bildgebungstechniken aber deutlich erkennbar.

In Zusammenarbeit mit der Early Manuscripts Electronic Library nutzte das Team multispektrale Bildgebung, um diese sogenannten „Geistertexte“ sichtbar zu machen – Texte, deren ursprüngliche Seiten physisch nicht mehr vorhanden sind. Auf diese Weise konnten aus einzelnen erhaltenen Blättern Informationen über mehrere verlorene Seiten gewonnen werden. Eine Radiokarbondatierung durch Fachleute in Paris bestätigte zudem die Herkunft des Pergaments aus dem 6. Jahrhundert.

Warum der Fund von großer Bedeutung ist

Der wiedergewonnene Text enthält zwar bekannte Abschnitte der Paulusbriefe. Dennoch ist der Fund von großer Bedeutung: Die Seiten enthalten frühe Kapitelverzeichnisse zu den Paulusbriefen, die sich deutlich von der heutigen Einteilung unterscheiden. Außerdem geben sie Einblick in die Arbeitsweise von Schreibern des 6. Jahrhunderts, die heilige Texte korrigierten, kommentierten und für die Lektüre erschlossen.

Das Projekt zeigt zugleich, wie moderne Technologie die alte Handschriftenforschung verändert. Multispektrale Bildgebung macht sichtbar, was jahrhundertelang verborgen blieb, und eröffnet neue Einblicke in den Umgang früher Christen und mittelalterlicher Mönche mit der heiligen Schrift.

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José García

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