Jedem ist es bewusst, doch die wenigsten Menschen setzen sich mit dem Thema lösungsorientiert auseinander: Smartphones und Social Media prägen unseren Alltag meist mehr, als uns lieb sein kann. Die Generation Z blickt am Tag im Schnitt 150-mal aufs Handy. Die Folgen machen sich gerade in dieser Generation bemerkbar. Trägheit, verringerte Aufmerksamkeit und das Unvermögen, auch nur wenige Seiten in einem Buch zu lesen, sind nur die Spitze der negativen Folgen. Längst hört man das Wort „Brainrot“ (deutsch „Hirnfäule“) durch Social Media geistern. Vor allem in der Fastenzeit böte sich eine Abkehr vom digitalen Überkonsum und eine Hinwendung zu Gott, dem Nächsten und dem eigenen Ich an.
Ich und mein Handy: Zu Silvester 2017 fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Damals war Snapchat en vogue und als ein dem Zeitgeist frönender 15-Jähriger wollte ich diesen Trend nicht verpassen. Nach knapp über einem Jahr exzessiver Nutzung hatte ich zehntausende Snapchat-Punkte gesammelt. Schrieb ich anfänglich noch mit Freunden über interessante Erlebnisse, waren nach kurzer Zeit die ausgetauschten Inhalte an Banalität nicht zu überbieten. Ich entschied also, Snapchat und Instagram zu löschen und nie wieder zu reaktivieren. Die Warnungen meiner Freunde: „Wie möchtest du da noch den Kontakt von einer Dame abstauben? Eine Telefonnummer bekommt man ja sowieso nie!“ erwiesen sich im Rückblick von über neun Jahren als unbegründet. Ein derartig radikaler Bruch ist jedoch nicht notwendig. Im Vordergrund stehen das Erlernen und Pflegen eines gesunden Umgangs mit dem Smartphone.
Grautöne und sonntags kein Handy
Dein Smartphone ist dein Diener – nicht umgekehrt: Dieser Satz stammt von Johannes Hartl, welcher uns in seinem neuen Buch „Die Kraft eines fokussierten Lebens“ wichtige Hinweise für einen gesunden Umgang mit auf den Weg gibt. So habe ich seinem Rat folgend mein Smartphone von 19.00 bis 9.00 Uhr auf Grautöne umgestellt. Der Bildschirm ist weniger bunt und damit für uns evolutionsbiologisch begründet unattraktiver. Außerdem scheint auf meinem Smartphone keine WhatsApp-Nachricht mehr auf. Wann ich auf eine Nachricht blicke, entscheide ich damit selbst. Am wichtigsten ist wohl die handyfreie Zeit. Sofern es nicht unbedingt vonnöten ist, versuche ich, jeden Tag ab Nachmittag das Handy zu meiden. Darüber hinaus habe ich in der Fastenzeit einen handyfreien Sonntag eingerichtet.
Von der Reaktion in die Aktion kommen: Fasten bedeutet nicht nur, Verzicht und ein Mehr an Mäßigung einzuüben, sondern auch, gute Gewohnheiten zu pflegen. Die Zeit, die man nicht am Handy verbringt, soll mit guten Inhalten gefüllt sein. Ich habe dadurch begonnen, mehr zu lesen und meine Hobbys, wie Sport und Tanz, mit mehr Elan zu betreiben. Vor allem finde ich mehr Zeit für Familie, Freunde, pfarrliches Engagement und Gott. Abgesehen von neuen Ideen, wie das Umsetzen eines Tanzkurses und einer Anbetungsnacht, die mir in meiner handyfreien Zeit nur so zufliegen, finde ich besonders morgens und abends mehr Zeit für Gott. So verbringe ich möglichst jeden Tag eine halbe Stunde nach dem Aufstehen im Gebet zum Vater, anstatt auf das Smartphone zu glotzen. Beim Beten der Lesehore wird man deutlich schneller wach und startet mit Ruhe in den Tag hinein.
Aller Anfang ist schwer – doch es lohnt sich: Wichtig ist das Setzen von kleinen, konkreten und umsetzbaren Zielen. Ein Beispiel wäre, 30 Minuten am Tag nicht auf das Smartphone oder irgendein anderes technisches Gerät zu blicken („handyfreie Zeit“). Dies bietet sich besonders vor dem Schlafengehen an und die Zeit kann mit Gebet oder dem Lesen eines guten Buchs zugebracht werden. Außerdem soll man sich durch Rückschläge nicht entmutigen lassen. Wird das Ziel leichter erreichbar, so soll die Latte höher gelegt werden. Der Mensch wächst mit seinen Anforderungen!
Fasten macht den Kopf frei und das Herz weit! Und da aus (digitalem) Verzicht so viel Kraft für Gutes entsteht, lade ich dich ein, beim digitalen Fasten mitzumachen!
Der Autor kommt aus Österreich und studiert Wirtschaftsrecht und Geschichte an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck.
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