Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kinderimpuls

Jesus hatte auch Angst

Wie Jesu Abschiedsgebet und sein Vertrauen auf den himmlischen Vater Opa, Emma und Jonas Mut machen. Die Auflösung des Bibel-Quiz aus der Print-Ausgabe der „Tagespost“ findet ihr am Ende des Evangeliums-Impulses.
Jesu letzte Reden
Foto: Peter Esser | Jesu letzte Reden: Bibelimpuls zu Joh 17,1-11a

Am Abend spielen Jonas und Emma im Garten. Die Sonne scheint noch warm durch die Apfelbäume und der Wind streichelt ihre Blätter. Opa sitzt auf der Bank und liest in einem Buch. Emma schaut ihn aufmerksam an: „Opa, warum bist du so still geworden?“ Opa legt das Buch weg und atmet tief durch: „Ich muss euch etwas Wichtiges sagen“, sagt er ernst. „Morgen komme ich ins Krankenhaus. Die Ärzte müssen mich operieren.“ Der Wind hat aufgehört und Jonas steckt das Windrad, mit dem er gerade noch gespielt hat, ins Gras: „Ist es schlimm?“ „Die Operation ist leider notwendig“, antwortet Opa, „und ich vertraue den Ärzten. Aber ich habe auch Angst.“

Lesen Sie auch:

Jonas schaut überrascht auf. „Du?“ Opa lächelt schwach. „Auch Erwachsene haben manchmal Angst. Sogar Jesus hatte Angst, als er wusste, dass Leiden und Tod auf ihn zukommen; und das gibt mir Trost.“ Er schlägt das Buch auf und liest vor: „Vater, die Stunde ist gekommen. Verherrliche deinen Sohn …“ Emma runzelt die Stirn. „Was soll denn das bedeuten?“ „Ein schwieriges Wort“, sagt Opa. „Es bedeutet hier nicht, berühmt oder mächtig zu werden. Jesus meint: Jetzt sollen alle sehen, wie groß Gottes Liebe wirklich ist!“ Emma denkt nach. „Obwohl Jesus leiden muss?“ „Gerade dort“, antwortet Opa leise. „Für die Jünger sah das Kreuz aus wie ein grausames Ende. Aber Jesus hat Gott bis zuletzt vertraut. Er lief nicht weg. Er zeigte: Gottes Liebe bleibt sogar im Leid! Jesus nennt diesen Weg durch Leiden und Tod zur Auferstehung und Himmelfahrt seine ‚Stunde‘.“

Jonas fragt vorsichtig: „Ist deine Operation jetzt auch so eine Stunde?“ Opa schweigt und nickt langsam. „Vielleicht ein kleines bisschen; auch ich muss jetzt etwas Schweres annehmen und vertrauen. Aber Jesus denkt kurz vor seinem Leiden nicht zuerst an sich; er bittet für seine Freunde: Heiliger Vater, bewahre sie in deinem Namen!“ Emma rückt näher an Opa heran und nimmt seine Hand: „Also ahnt Jesus schon, dass seine Jünger Angst bekommen werden, dass sie weglaufen und sich verstecken werden?“ Opa nickt wieder: „Trotzdem betet er für sie und vertraut sie seinem Vater an.“ Jonas schaut auf. „So wie du uns?“ Opa lächelt gerührt. „Ja. Daran musste ich heute denken. Wenn ich morgen im Krankenhaus bin, werde ich auch euch Gott anbefehlen. Jesus hat sich selbst ganz dem Vater überlassen – sein Leben, seine Angst, seinen ganzen Weg. Und zugleich vertraut er auch seine Freunde Gott an: Vater, pass auf sie auf!“

Das Windrad beginnt sich wieder zu drehen und Opa liest weiter: „Lass sie eins sein, wie wir eins sind!“ Jonas fragt: „Soll das heißen, alle müssen immer dieselbe Meinung haben?“ Opa schüttelt den Kopf: „Jesus meint etwas Tieferes: zusammenhalten, füreinander da sein – auch und besonders, wenn schwere Zeiten kommen.“ Emma schaut Jonas an. „Dann dürfen wir morgen nicht streiten.“ Jonas nickt ernst. „Und wir müssen der Mama helfen.“ Opa freut sich: „Das wäre ganz im Sinn Jesu. Liebe zeigt sich nicht nur in Worten oder Gefühlen, sondern vor allem im Tun.“

Die ersten Abendwolken ziehen über den Himmel. Trotzdem fällt goldenes Licht durch die Äste. „Wisst ihr“, sagt Opa schließlich, „dieses Evangelium tröstet mich. Jesus wusste, wie sich Angst anfühlt. Und trotzdem vertraute er darauf, dass der Vater ihn nicht verlässt.“ Jonas blickt auf das Windrad. „Wie der Heilige Geist – man sieht ihn nicht, aber er ist da.“ „Ja“, sagt Opa leise, „und vielleicht spürt man Gottes Nähe manchmal gerade dann am stärksten, wenn man Angst hat und betet.“ Die Kinder legen ihre Hände in Opas Hände und Emma betet: „Jesus, du hast im schweren Moment für deine Freunde gebetet. Sei bei Opa im Krankenhaus. Schenke den Ärzten Weisheit, unserer Familie Zusammenhalt und uns allen Vertrauen auf Gottes Liebe. Amen.“ Der Wind bewegt wieder das kleine Papierwindrad. Und obwohl niemand mehr viel sagt, fühlen sich Jonas und Emma plötzlich nicht mehr ganz so allein.

Der Autor ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern bei Landsberg am Lech.


Auflösung zum Bibel-Quiz:

Was tut Jesus bevor er betet? - Er erhebt seine Augen zum Himmel 
Was ist das ewige Leben? - Den einzig wahren Gott und Jesus Christus erkennen

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Florian Kopp Jesus Christus

Weitere Artikel

Heute erfahren Jonas und Emma, was „Hosanna“ heißt. Die Auflösung des Bibel-Quiz aus der Print-Ausgabe der „Tagespost“ findet ihr am Ende des Evangeliums-Impulses.
25.03.2026, 05 Uhr
Martin Linner
Eine Reise nach Loreto führt Maxi und Leni zum Geheimnis des fliegenden Hauses – und an den Ort, an dem Gott Mensch wurde.
22.03.2026, 11 Uhr
Martin Linner
Warum ein Licht im Zimmer noch nicht jede Angst vertreibt und Jesus das Herz eines Menschen hell machen kann.
12.03.2026, 05 Uhr
Florian Kopp

Kirche

Nach fast vier Jahrzehnten geht in Telgte eine besondere Wallfahrtstradition zu Ende: An Christi Himmelfahrt rollen die Kutschen zum letzten Mal.
14.05.2026, 08 Uhr
Gerd Felder
Was bewegt Kirche und Welt? Die Redakteure der Tagespost diskutieren in ihrer neuen Podcast-Reihe einmal monatlich über die wichtigsten aktuellen Themen.
13.05.2026, 17 Uhr
Meldung
Bei „Steh auf“ geht es ans Fundament: In der Jesusbeziehung eine neue Haltung der Hoffnung zu sich und zum Leben einzunehmen. Eine ethische Exegese zum Leitwort des Katholikentages.
14.05.2026, 07 Uhr
Elmar Nass
Aegidius von Santarém überschritt die Grenze zwischen medizinischer Praxis und schwarzer Magie, bis eine Bekehrung sein Leben veränderte.
14.05.2026, 05 Uhr
Claudia Kock