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„Heute noch“

Er hatte alles verloren. Seinen Ruf. Seine Freiheit. Sein Leben. Und dann, in seiner letzten Stunde, bekommt er das Größte geschenkt, das ein Mensch bekommen kann…
Dismas
Foto: Josefine Winkler | Dismas war der erste Mensch, dem der Auferstandene sein Versprechen hielt, noch bevor das leere Grab entdeckt wurde. Ein Räuber. Der Erste im Paradies.

Sein Name ist Dismas. Vielleicht hast du noch nie von ihm gehört. Das ist seltsam, denn er ist einer der wichtigsten Menschen in der ganzen Ostergeschichte. Aber fangen wir von vorne an. Wer war dieser Dismas?

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Dismas war ein Räuber. Kein Held. Kein Heiliger. Einer, der immer wieder das Falsche getan hat und der irgendwann gar nicht mehr wusste, wie das Richtige überhaupt aussieht.

Wie fängt so etwas an? Meistens ganz klein. Einmal zu faul, um die Wahrheit zu sagen, also lügt man. Einmal zu feige, um für jemanden einzustehen, also schaut man weg. Einmal neidisch auf das, was ein anderer hat, also greift man zu. Einmal wütend, also tut man jemandem weh. Und dann noch einmal. Und noch einmal. Bis es zur Gewohnheit wird.

Jede dieser Entscheidungen hat Dismas ein kleines Stück weiter weggebracht, weg von den Menschen, die ihn liebten, weg von dem, was gut ist, weg von Gott. Das ist das Wesen einer Sünde: Sie trennt. Sie isoliert. Sie macht einsam, auch wenn man das am Anfang gar nicht merkt. Am Ende steht Dismas vor Gericht. Das Urteil: Tod am Kreuz.

Der dunkelste Tag

„Ich höre das Volk schreien. Ich spüre das raue Holz auf meinen Schultern. Ich weiß, was heute passiert. Neben mir trägt ein anderer Mann sein Kreuz den Hügel hinauf. Ich habe seinen Namen aufgeschnappt: Jesus von Nazareth. Er sieht nicht aus wie ein Verbrecher. Aber die Menge schreit trotzdem. ‚Kreuzigt ihn!‘ Dann kommen die Nägel, der furchtbare Schmerz, das Warten. 

Von meinem Kreuz aus kann ich ihn sehen. Jesus. Er atmet schwer. Aber er schreit nicht vor Wut. Er flucht nicht. Stattdessen sagt er etwas Unglaubliches: ‚Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.‘ Wer sagt so etwas? In diesem Moment? An diesem Ort? Der andere Verbrecher neben ihm schreit bitter: ‚Wenn du wirklich der Messias bist, rette dich selbst! Und uns!‘ 

Aber ich kann das nicht. Ich schaue Jesus an. Und ich weiß plötzlich mit einer Sicherheit, die ich nicht erklären kann: Der hat nichts Falsches getan. Der stirbt hier für etwas ganz anderes. Und ich, ich habe mein ganzes Leben das Falsche getan. Ich weiß es. Ich spüre es. Und zum ersten Mal tut es mir wirklich leid.

Ich sage leise: ‚Herr, denk an mich, wenn du in dein Reich kommst.‘ Es ist kein frommes Gebet. Keine große Rede. Nur die Wahrheit: Ich bin schuldig. Er nicht. Ich bereue. Und ich vertraue ihm. Und dann sagt er mir etwas, das ich nicht erwartet habe. ‚Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.‘ Heute noch.“

Was macht Jesus anders?

Jetzt müssen wir kurz innehalten. Denn hier passiert etwas sehr Besonderes und es lohnt sich, genau hinzuschauen.

Wie geht Jesus mit Sündern um? Nicht so, wie viele Menschen es tun. Menschen urteilen schnell: „Der ist schlecht. Der gehört nicht dazu. Mit dem will ich nichts zu tun haben.“ Jesus macht das Gegenteil. Er schaut hin, wo andere wegschauen. Er spricht mit denen, mit denen niemand spricht. Er sucht die, die verloren gegangen sind, nicht um sie zu beschämen, sondern weil er sie liebt.

Das gilt für Zachäus, den Betrüger, bei dem Jesus zu Hause essen geht. Es gilt für die Frau, auf die alle mit dem Finger zeigen. Es gilt für die Jünger, die ihn im Stich lassen. Und es gilt für Dismas, den Räuber am Kreuz. Jesus urteilt nicht: „Du hast dein Leben verpatzt, selbst schuld.“ Er schaut ihn an. Und er antwortet.

Aber – und das ist wichtig – Jesus schenkt die Vergebung nicht einfach so, wie man jemandem ein Bonbon zuwirft. Er schenkt sie dem, der wirklich bereit ist, sie anzunehmen.

Neben Dismas hängt noch ein zweiter Verbrecher am Kreuz. Auch er leidet. Auch er hört Jesus. Aber er sagt: „Rette dich und uns!“ Er will aus der Situation heraus. Er will die Schmerzen loswerden. Aber sein Herz? Das hat sich nicht verändert.
Dismas ist anders.

Er sagt nicht: „Rette mich hier raus.“ Er sagt: „Denk an mich.“ Er erkennt, wer er wirklich ist: jemand, der schuldig ist, der Falsches getan hat, der Gott und die Menschen verletzt hat. Und er bereut es. Nicht weil er Angst vor Strafe hat. Sondern weil er, als er Jesus ansieht, zum ersten Mal begreift, wie groß die Liebe ist, von der er sich immer weiter entfernt hat.

Das ist Reue. Nicht einfach: „Es tut mir leid, dass ich erwischt wurde.“ Sondern: „Es tut mir leid, weil ich erkenne, was ich getan habe und weil ich mich jetzt für das Gute entscheide. Jetzt. In diesem Moment.“

Und genau dieses Herz sieht Jesus. Genau darauf antwortet er.
Vielleicht denkst du jetzt: „Na gut, dann lebe ich erst mal, wie ich will, und am Ende bereue ich halt schnell.“ Das klingt schlau. Aber es funktioniert nicht. Und zwar aus einem einfachen Grund: Echte Reue lässt sich nicht planen.

Dismas hat nicht am Kreuz beschlossen: „So, jetzt bereue ich strategisch.“ Sein Herz hat sich wirklich verändert, weil er Jesus wirklich angeschaut hat. Wer sein ganzes Leben lang das Gute ignoriert, wer Gott immer weiter auf später verschiebt, der trainiert sein Herz darin, wegzuschauen. Und ein Herz, das jahrelang weggeschaut hat, dreht sich nicht einfach auf Knopfdruck um.

Außerdem: Wer möchte schon ein Leben lang die Liebe verpassen? Dismas hat das erfahren: ein Leben ohne Gott, ohne das Gute, ohne echte Freude. Das war keine schöne Zeit. Ostern lädt uns nicht ein, möglichst lange damit zu warten. Ostern sagt: Fang jetzt an. Dismas stirbt an jenem Karfreitag. Aber Jesus hat ihm etwas versprochen: Heute noch.

Drei Tage später steht Jesus auf von den Toten. Das Grab ist leer. Die Engel erscheinen. Maria Magdalena, die weint und nicht begreift, bis Jesus ihren Namen sagt. Die Jünger haben sich vor Angst eingeschlossen. Und plötzlich steht Jesus mitten unter ihnen.

Der Tod hat nicht gewonnen. Die Sünde, also alles, was uns von Gott trennt, hat nicht das letzte Wort. Das Leid hat nicht gewonnen.
Ostern ist das größte Fest der Welt, weil es das Unmögliche wahr macht: Ein Mensch, der gestorben ist, lebt. Und weil er lebt, gilt sein Versprechen. Auch das an Dismas. Auch das an dich.

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Dismas war der erste Mensch, dem der Auferstandene sein Versprechen hielt, noch bevor das leere Grab entdeckt wurde, noch bevor irgendjemand das Wort „Auferstehung“ auch nur gedacht hatte. Ein Räuber. Der Erste im Paradies.
Das ist Ostern. Und dieses Ostern gilt auch für dich.

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