Zwischen voll besetzten Bänken, Lobpreis und stiller Anbetung zeigt sich beim Pfingstfest, was Eucharistie für viele bedeutet. Einige Eindrücke aus Paderborn.
Die bunten Scheinwerfer tauchen die Kirche St. Dionysius in Paderborn-Elsen in warmes Licht.
Der Altar ist in den Mittelpunkt gerückt; am Abend der Barmherzigkeit ist dort das Allerheiligste ausgesetzt. Ich stehe ganz hinten, vor mir sind die Bänke bis auf den letzten Platz gefüllt. Ein großes Team sorgt dafür, dass das Pfingstfest in diesem Jahr bereits zum fünften Mal hier stattfinden kann. Auch ich bin an diesem Wochenende ständig in Bewegung: Ich koordiniere das Social-Media-Team, führe Interviews und versuche gleichzeitig, selbst im Gebet anzukommen.
Aus dem hinteren Teil der Kirche höre ich die Lobpreisband, sehe Priester, die Beichte hören, und die Menge beten. Und vielleicht fällt mein Blick an diesem Abend zum ersten Mal bewusst auf die Monstranz. Jesus ist wahrhaft hier. Spielt es da wirklich eine Rolle, wie viele Menschen unseren Auftritt auf Instagram sehen, ob die Kirche voll ist oder leer, ob jeder Stuhl perfekt steht?
„Die Eucharistie ist das größte Zeichen der Liebe Gottes“, sagt Pater Dominicus Maria, Dominikaner aus Freiburg im Breisgau, im Interview. Seit gerade einmal sechs Wochen ist er Priester, und doch begleitet er das Pfingstfest in Paderborn bereits mit Gesprächsangebot, einem Vortrag über die heilige Eucharistie und der gemeinsamen Feier der Messe. Seine Worte führen den Gedanken weiter, der sich mir schon während des Abends aufdrängt: Es geht hier nicht zuerst um Wirkung nach außen, nicht um Reichweite oder perfekte Abläufe, sondern um die Gegenwart Christi selbst.
Genau an diesem Punkt kommt auch Thomas von Aquin ins Spiel. Der ebenfalls dominikanische Theologe hat die Eucharistie nicht nur theologisch durchdacht, sondern ihr in seinen Hymnen eine Sprache gegeben, die bis heute trägt. Für ihn steht nicht das Sichtbare im Mittelpunkt, nicht die Frage, wie voll eine Kirche ist oder wie perfekt alles organisiert wirkt, sondern das Geheimnis dessen, was sich im Sakrament ereignet. Gott lässt sich nicht an Klickzahlen messen, nicht an vollen Reihen oder an einem makellosen Ablauf. Er ist da, still, wirklich und unverfügbar. Vielleicht ist genau das die eigentliche Frage dieses Abends: ob wir das Geschehen nur begleiten oder ob wir uns selbst davon ansprechen lassen.
ReFocus e. V., der Verein, der das Pfingstfest in Paderborn organisiert, ist geprägt von vielen Menschen, die genau diese Frage auf ihre Weise beantworten. Mike Adamik erzählt in seinem Zeugnis, „wie Jesus für ihn ein Jemand wurde“. Bei anderen zeigt sich dieser Glaube besonders im Lobpreis: im gemeinsamen Singen, im Staunen und in der Bereitschaft, sich von Gottes Gegenwart berühren zu lassen. Wie stark dieser Moment tragen kann, beschreibt Laura Korecki in ihrem Zeugnis: „Im Lobpreis verbinden wir uns direkt mit dem Himmel und bekommen einen Vorgeschmack darauf, wie es im Himmel wirklich ist, weil ich fest davon überzeugt bin, dass die Engel die ganze Zeit Gott anbeten. Und in diesen Lobpreis möchte ich schon hier auf Erden eintreten.“
Neben all dem, was das Pfingstfest sichtbar macht, öffnet sich auch ein anderer Raum: der der stillen Anbetung. Während das Programm draußen weiterläuft, bleibt im schön hergerichteten Anbetungsraum die Gegenwart Christi im Allerheiligsten ausgesetzt. Hier treten Worte, Musik und Bewegung nach außen zurück; es geht nicht mehr darum, etwas zu bewirken, sondern einfach da zu sein vor Gott. Gerade in dieser Stille verdichtet sich für viele das, worauf das ganze Wochenende hinführt: die Begegnung mit Christus, der nicht laut auftritt, sondern sich im Stillen schenken lässt. Es ist ein Raum des Hörens, des Verweilens und des Vertrauens; vielleicht ist er der Ort, an dem das Pfingstfest am tiefsten seine Mitte findet.
Lobpreis, Zeugnisse und stille Anbetung fügen sich an diesem Wochenende zu etwas Größerem zusammen: zu einer Einladung, Gott selbst zu begegnen, statt nur Eindrücke nach außen zu hinterlassen. Und vielleicht bleibt am Ende genau das, was schon am Anfang im warmen Licht der Kirche aufschien: der Blick auf den Altar, auf die Monstranz, auf die Gewissheit, dass Jesus wahrhaft hier ist.
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