Kinderkatechese

Apostel Johannes: Ergriffen vom Heiligen Geist

Der Apostel Johannes  war selbst bei dem Pfingstereignis  dabei.  Er erzählt uns,  was er erlebt hat.
Mosaik über dem Hauptportal der Pfarrkirche Dreimal Wunderbare Muttergottes
Foto: Wikipedia | Pfarrkirche Dreimal Wunderbare Muttergottes in der Buchengasse 108 in Wien: Mosaik über dem Hauptportal. Der heilige Geist erfüllt an Pfingsten die Herzen der Jünger.

Letzten Donnerstag war schulfrei und viele Kinder haben ihrem Papa zum Vatertag gratuliert. Vielleicht hast du auch die Heilige Messe besucht und Christi Himmelfahrt gefeiert. Das war sozusagen der Vatertag von Jesus; ein Tag, auf den Er sich bestimmt riesig gefreut hat, denn endlich konnte Er zu Seinem Vater – Jesus nannte Ihn kindlich Abba, also „Papa“ – heimkehren. Ich will euch heute erzählen, wie die Geschichte dann weiterging. Ich war nämlich damals selber dabei: Johannes, der Sohn des Zebedäus und Bruder von Jakobus.

Was sollen wir bloß ohne Jesus anfangen?

Um sich zu verabschieden, stieg Jesus mit uns auf den Ölberg, wo Er von einer Wolke verhüllt in den Himmel getragen wurde. Wir Jünger aber blieben verdutzt und ein wenig ratlos zurück, obwohl uns Jesus beim Letzten Abendmahl, also sechs Wochen zuvor, doch gesagt hatte: „Ich gehe fort und komme wieder zu euch. Wenn ihr mich liebt, dann freut euch, dass ich zum Vater gehe!“ (Joh 14,28) Doch es wollte keine echte Freude aufkommen. Was sollten wir bloß ohne Jesus anfangen, wie lange warten, bis Er wieder zurückkommt? Und wann soll das überhaupt sein? Mit offenen Mündern starrten wir in den Himmel hinauf und fühlten uns ganz klein und schwach.


Auf Maria können wir uns immer verlassen


Nur ein Gesicht strahlte Freude und Zuversicht aus: das Seiner Mutter. Ich kann mich genau erinnern, denn Maria stand neben mir. Sie hatte Verständnis für unsere Sorgen und Zweifel, und so scharten wir uns um sie wie Küken um eine Henne. Nur eines wussten wir: dass wir nun zusammenbleiben müssen, bis wir mit der Kraft von oben erfüllt werden, wie Jesus es versprochen hatte (Lk 24,49; Apg 1,8).

Maria ging mit uns in die Stadt hinunter und führte uns in den Raum, wo wir mit Jesus das Abendmahl gegessen hatten. Dann fing sie an, mit uns zu beten. Wie gut tat ihre Anwesenheit und wie trostreich waren ihre Worte! Ihr müsst wissen: Wenn Maria betet oder singt, dann ist es, als wäre Jesus selber da und würde ihr zuhören. Allmählich legte sich die Aufregung, und Ruhe und Frieden kehrten in unsere Herzen ein. Keiner merkte, wie die Zeit verging, keiner wollte raus, um etwas zu erledigen. Es war wie ein Lockdown mit Geschwistern, die sich alle mögen und gut verstehen; und da wurde uns klar: Wir sind eine Familie – die Familie von Jesus!

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Alle erinnerten sich an die drei Jahre, in denen wir Ihm gefolgt waren: Wie wir von Ihm berufen und auserwählt wurden; wie frei und heil Er jeden von uns gemacht hatte, was wir mit Ihm alles erlebt hatten, die vielen Heilungen und machtvollen Taten. Wie glücklich wir damals waren in Seiner Nähe und wie stolz wir an Seiner Seite in Jerusalem eingezogen waren! Aber auch an die drei traurigen Tage mussten wir denken: als Judas den Herrn verraten hatte, und wie müde, ängstlich und feige wir waren, als Jesus festgenommen wurde. Alle haben sich getrollt und den Herrn verlassen, sogar Petrus, der Fels, wurde schwach. Aber ich brachte es nicht übers Herz und blieb bei den Frauen unter dem Kreuz. Wir haben mit Ihm gelitten. Ich habe gesehen, wie sie Sein Herz durchbohrt haben; ich war dabei, als sie Ihn ins Grab legten. Erst am nächsten Tag, als alles vorbei war, haben sich die anderen Jünger zu uns geschlichen. Alle waren wie gelähmt von Schuld und Angst.


Doch am dritten Tag – wir hatten die Türen und Fenster fest verriegelt – war Er plötzlich da! Jesus war da, leibhaftig und lebendig, und wünschte uns den Frieden. Erst fürchteten wir uns, aber Er machte uns keinen Vorwurf. Vergebung und Versöhnung waren Seine Botschaft, Frieden und Freude strahlte Sein Blick aus. Er umarmte jeden von uns, und dann hauchte Er uns an und sagte: „Empfangt den Heiligen Geist! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich Euch.“ Da spürte ich, wie alle Angst und Schuld und Traurigkeit von mir abfielen. Als uns der Atem Jesu berührt hat, erwachten wir aus unserer Starre und wurden mit einem Mal lebendig. So muss es Adam ergangen sein, als Gott ihm seinen Geist einhauchte. Ich jedenfalls fühlte mich wie neu geboren. 

„Es war der gewaltige Hauch Jesu, der uns einhüllte, erfasste, erfüllte – Sein göttlicher Atem, der Geist des Herrn! Wie Feuer flammte Er in unseren Herzen und Hirnen.“

Jesus ist es, der uns den Heiligen Geist sendet

Es folgte eine gute Zeit. Vierzig Tage lang zeigte sich der Herr uns immer wieder. Aber sobald er weg war, wurden wir wieder unsicher und unruhig, wie eine Braut, die ihren Liebsten vermisst. Doch jetzt, mit Maria und den anderen in Lobpreis und Gebet vereint, fühlte ich mich geborgen und getragen. Neun Tage ging das so. Aber was dann geschah, kann ich kaum in Worte fassen. Ich spürte, wie mich ein Rauschen und Brausen ergriff, – ob von innen oder außen, kann ich gar nicht sagen. Doch es war weder das Blut in meinen Adern noch das Rauschen der Pilgerschar, die sich zum Wochenfest in der Stadt versammelt hatte.

Es war der gewaltige Hauch Jesu, der uns einhüllte, erfasste, erfüllte – Sein göttlicher Atem, der Geist des Herrn! Wie Feuer flammte Er in unseren Herzen und Hirnen; ein glühender Rausch von Freude und Liebe spülte uns hinaus in die Menge; und schon platzte es aus uns heraus: „Der Messias lebt“, riefen wir den verblüfften Menschen in allen Sprachen zu, „und Er hat den Tod besiegt, Halleluja! Sein Volk hat Ihn getötet, doch Gott hat Jesus auferweckt! Und alle, die an Christus glauben, sollen gerettet werden“.

Die frohe Botschaft: Jesus hat den Tod besiegt!

Zuerst dachten die Menschen, wir seien betrunken; doch bald merkten sie, dass sie uns verstehen konnten, weil wir in ihren Sprachen redeten, obwohl wir die gar nicht gelernt hatten. Wir konnten es uns selber nicht erklären, aber der Heilige Geist sprach durch uns in fremden Zungen. „Nicht voll vom Wein sind wir“, rief Petrus, „sondern voll vom Geist des Herrn! Erfüllt von Christus verkünden wir euch diese frohe Botschaft. Jesus von Nazareth, der am Kreuz getötet wurde, hat den Tod besiegt. Er lebt jetzt in uns und spricht zu euch: Kehrt um und lasst euch retten!“ Viele Menschen waren von den Worten betroffen und erschüttert, viele bewegt und ergriffen vom Heiligen Geist.
Jesus braucht uns, denn die Welt braucht Ihn!

Es war nämlich der fünfzigste Tag nach Pessach und tausende Juden aus aller Welt waren nach Jerusalem gepilgert, um das Wochenfest zu feiern. Dabei danken wir Gott, dass Er dem Mose sieben Wochen nach der Befreiung aus Ägypten auf dem Berg Sinai die Gebote gegeben und mit unseren Vorfahren einen Bund geschlossen hatte. Deshalb wird das Wochenfest bei den Griechen „pentekoste“ – der Fünfzigste genannt, woraus im Deutschen dann „Pfingsten“ wurde. Und genau fünfzig Tage nachdem Er Jesus von den Toten auferweckt hatte, erneuerte der Heilige Geist diesen Bund mit uns. Er hat das neue Gebot der Liebe in unsere Herzen geschrieben, damit wir Menschen aus allen Völkern zum Vater führen. So wurde an jenem Tag die Kirche geboren.

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 Nie zuvor war mir Jesus so nah wie jetzt, da Sein Geist in mir wohnt. Mit einem Mal wurde mir klar, dass die Geschichte Jesu mit seiner Aufnahme in den Himmel nicht zu Ende war, sondern gerade erst angefangen hatte. Was Jesus in Galiläa und Judäa begonnen hatte, das wollte er nun auf der ganzen Welt vollenden – durch seine Jünger. Und zusammen mit euch! Lass du dich auch von Ihm erfüllen und trage Christus in die Welt! Er braucht dich. Denn die Welt braucht Ihn.

Florian Kopp ist ständiger Diakon, Lehrer und Theologe und lebt mit seiner Frau und vier Kindern in der Nähe von Landsberg am Lech.

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