Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Feuilleton

Vor 500 Jahren starb Leonardo da Vinci

Leonardo da Vincis 500. Todestag gibt Anlass, über Leben und Werk des Genies und den Humanismus nachzudenken.
Leonardo da Vinci
Foto: Sebastian Gollnow (dpa) | Nachbauten von Maschinen da Vincis im Museum der Universität Tübingen.

Es gibt nur wenige Menschen, die so vielfältig und nachhaltig wirkten wie Leonardo da Vinci. Sein 500. Todestag gibt Anlass, über sein Leben, sein Werk und dessen Wirkung nachzudenken.

Leonardos Leben: Paradox

Wenn man auf Leonardos Leben schaut, stößt man auf eine reiche Sammlung von Paradoxa, die zu den Gründen der reichen Legendenbildung um den toskanischen Künstler gehört. Der erste und grundsätzliche Widerspruch, wenn nicht gar Widersinn, findet sich darin, dass wir von Leonardo mehr wissen, als von den meisten Künstlern seiner Zeit, vergleichbar hierin nur mit Michelangelo und Raffael, und dennoch stellt sich die Fälle des Wissens im Gegensatz zu den beiden anderen Maestri sofort und immer wieder selbst in Frage, beginnt sich bei näherem Hinschauen selbst zu verrätseln. Sicher liebte er es, sich zu mystifizieren. Man weiß nicht, wann diese Idee fixe von ihm Besitz ergriffen hatte, aber Leonardo mühte sich, bei all seinem Tun stets die Nachwelt fest im Blick zu haben. Eine unstillbare Sehnsucht durchdrang ihn, in die Geschichte einzugehen. Das ist ihm gelungen

Leonardos Werk: Vielfältig

Kaum ein Gebiet, auf dem Leonardo da Vinci nicht reüssierte, ob als Unterhalter am Hof, als Ausstatter und Regisseur für Theateraufführungen und große Festumzüge, als Mechaniker, Baumeister, Stadtplaner und Architekt, als Naturforscher und natürlich als Maler und Bildhauer. Für den Herzog von Mailand sollte er das größte Reiterstandbild dieser Zeit erschaffen. Das Pferd selbst sollte eine Höhe von 7,20 Metern haben. Das Tonmodell in realer Größe schuf er noch, doch wurde es von den französischen Bogenschützen, nachdem der König von Frankreich Mailand eingenommen und il Moro verjagt hatte, zerstört. Zur Ausführung des Bronzegusses sollte es aufgrund der kriegerischen Ereignisse nicht mehr kommen. In Mailand hatte er unter anderem die großartige Felsengrottenmadonna, das faszinierende Porträt der Cäcilia Gallerani und vor allem das berühmte „Abendmahl“ geschaffen.

Leonardos Wirkung: Nachhaltig

Was bleibt von ihm – außer der weltberühmten Kunst? Ein großer Beitrag zur Ideengeschichte des Humanismus. Gegen einen Aufklärung und Menschenrechte allein für sich reklamierenden säkularistischen, religions- und kirchenkritischen Gegenwartshumanismus zeigt nämlich die Beschäftigung mit den Ideen des historischen Humanismus der Renaissance – nicht nur, aber auch bei Leonardo da Vinci – deutlich dessen christliche Grundierung. Alles andere wäre auch verwunderlich eingedenk der Geschichte Europas im Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit.

DT (jobo)

 

Wie bereits die Taufe Leonardos zum Gesellschaftsereignis wurde und warum der Humanismus christlich gedeutet werden muss, um Begriffe wie Menschenwürde und Phänomene wie Menschenrechte zu verstehen, erfahren Sie im „Thema der Woche“ der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 2. Mai 2019.

Themen & Autoren
Josef Bordat Klaus-Rüdiger Mai Eucharistie Humanismus Leonardo Da Vinci Raffael Tod und Trauer

Weitere Artikel

Aus der Reihe „Bühne des Glaubens“: Der Isenheimer Altar bietet eine der berühmtesten Kreuzigungsszenen der Welt.
08.04.2025, 09 Uhr
Paul Baldauf
Mit Josef lernen, Gottes Willen zu erkennen.
18.12.2025, 00 Uhr
Redaktion
Gleich einer Perlenkette reihen sich zahllose Schmuckstücke zu beiden Seiten der Loire aneinander. Sie zeugen von menschlichem Geltungsdrang, Lebenslust und tiefer Gottesbeziehung.
02.12.2025, 05 Uhr
Michael Kunze

Kirche

Abrechnung mit Franziskus: Der Hongkonger Kardinal Joseph Zen ließ bei dem Kardinalstreffen in Rom offenbar kein gutes Haar am Synodalen Prozess des verstorbenen Papstes.
13.01.2026, 10 Uhr
Meldung
Die Krippendarstellung in einer Stuttgarter Christmette habe „Irritation, Unverständnis und Ärger ausgelöst“ und werfe Fragen nach liturgischer Verantwortung auf.
13.01.2026, 09 Uhr
Meldung
Am Beschluss des Heiligen Jahres in der Ewigen Stadt nahm eine vielköpfige Pilgergruppe der Initiative „Neuer Anfang“ und der „Tagespost“ teil. Ein Wallfahrtsbericht.
12.01.2026, 16 Uhr
Thomas Philipp Reiter
Nur eine geeinte Kirche kann ein „Licht“ für die Völker sein. Auf der Suche nach der verlorenen Einheit hat der Papst mit den Kardinälen angefangen. Und vor den Diplomaten spricht er Tacheles.
09.01.2026, 11 Uhr
Guido Horst