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Theologe: Evangelische Kirche in der "Gutenberg-Falle"

Der protestantische Theologe Ingolf Ulrich Dalferth sieht die evangelische Kirche und Theologie in der "Gutenberg-Falle".
Martin Luther
Foto: Andreas Arnold (dpa) | Ein Wagen, der Martin Luther beim zerreissen der Ablassbriefe zeigt, rollt am 27.02.2017 in Mainz (Rheinland-Pfalz) beim Rosenmontagszug. Foto: Andreas Arnold/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

"Das Problem ist, dass der Protestantismus im Streit mit dem Katholizismus darüber, was die letzte Instanz in Lehrfragen ist, die Bibel als Buch mit dem Wort Gottes gleichgesetzt hat", sagte der an der Claremont Graduate University in Kalifornien lehrende Religionsphilosoph der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag).

Fixierung auf die Bibel entspricht nicht dem Christentum

Diese Fixierung auf das Buch entspreche aber nicht dem Christentum, sagte Dalferth. Die Bibel sei lediglich das Mittel, um die frohe Botschaft zur Sprache zu bringen. Das Christentum sei nicht um ein Buch herum aufgebaut, sondern um die direkte Kommunikation des Evangeliums. "Jesus war kein Autor." Auch Martin Luther sei es darum gegangen, mit Hilfe der biblischen Texte Gottes Wort zu verstehen.

Eine zu starke Fixierung auf die Bibel birgt nach den Worten des Religionsphilosophen auch die Gefahr des Fundamentalismus, der nicht von ungefähr im protestantischen Umfeld entstanden sei. "Wer die Bibel mit der Offenbarung gleichsetzt, macht das Medium zur Botschaft. Dann wird die ganze Bibel unterschiedslos zum Wort Gottes", sagte er. Die Bibel müsse demgegenüber historisch und kritisch gelesen werden.

Dalferth: "Gott ist kein Erfahrungsgegenstand"

Dalferth wandte sich zugleich gegen Tendenzen, den Glauben als persönliche Erfahrung des Geistes zu begreifen, wie es viele Pfingstkirchen täten. "Gott ist kein Erfahrungsgegenstand", sagte er. Es gehe in der Bibel gerade um einen Bruch in der Erfahrung: Jesus selber habe am Kreuz eine große Gottesferne erlebt, das Evangelium spreche den Hungernden, Weinenden und Armen neues Leben zu.

Der gebürtige Stuttgarter war Professor in Tübingen, Frankfurt und Zürich und lehrt seit mehr als zehn Jahren in Kalifornien. Dalferth gilt als einer der wichtigsten Schüler des Tübingers Eberhard Jüngel.

DT (jbj) / KNA

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