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Notre-Dame: Wie die Brandentwicklung Verschwörungstheorien schürte

Manch ein Beobachter des verheerenden Brandes der Pariser Kathedrale will in der Beschaffenheit des Feuers sowie der Rauchentwicklungen Indizien für Brandstiftung gesehen haben. Der Deutsche Feuerwehrverband widerlegt diese Spekulationen.
Notre-Dame: Feuerwehrverband erklärt Brand- und Rauchentwicklung
Foto: Julien Mattia (Le Pictorium Agency via ZUMA) | Von solch gelber Farbe sei der Rauch gewesen, wie sie nur beim Einsatz chemischer Brandbeschleuniger auftrete, meinten Beobachter.

Dass es sich bei dem verheerenden Brand der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame Mitte April um einen Unfall handelte, gilt weiterhin als wahrscheinlichste Annahme. Gleichzeitig halten sich im Netz hartnäckig zahlreiche  Verschwörungstheorien zur Notre-Dame. Insbesondere die Sozialen Netze trugen zu einer schnellen Verbreitung von Mutmaßungen und Spekulationen bei.

„Unnatürlich hell“ seien die Flammen gewesen

Manche wollen in der Beschaffenheit des Feuers sowie der Rauchentwicklungen Indizien für Brandstiftung gesehen haben. „Unnatürlich hell“ seien die Flammen gewesen, der Rauch von solch gelber Farbe, wie sie nur beim Einsatz chemischer Brandbeschleuniger auftrete. Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), mahnt hier zu Vorsicht.

Das Erscheinungsbild eines Brandes hänge immer von mehreren Einflussgrößen ab: „Welche Stoffe brennen? Wie viel Sauerstoff steht zur Verfügung, das heißt, wie gestalten sich die Zufuhr von Frischluft und die Abführung des Brandrauchs?“ Davon abhängig seien die unterschiedlichsten Szenarien erklärbar, so Knorr gegenüber dieser Zeitung.

Baugerüste bestehen aus Stahl,
Stahl schmilzt je nach seinerZusammensetzung
bei 1000 bis 1500 Grad Celsius“
Karl-Heinz Knorr, Vizepräsident des DFV

Anlass zu Spekulationen lieferte manchen aber auch die Tatsache, dass Teile des Baugerüstes schmolzen, das den Vierungsturm bei Ausbruch des Brandes umgab. Bei einer Hitze von bis zu 1000 Grad, die ein solcher Brand maximal erreiche, könne kein Metall schmelzen, schreiben Verschwörungstheoretiker in Online-Foren. Auch hier warnt Knorr vor voreiligen Schlüssen: „Baugerüste bestehen aus Stahl, Stahl schmilzt je nach seiner Zusammensetzung bei 1000 bis 1500 Grad Celsius.“

Eichenholz entwickelt beim Abbrand sehr hohe Temperaturen

Gerade Eichenholz, aus dem der Dachstuhl ausschließlich bestand, entwickele beim Abbrand sehr hohe Temperaturen, so Knorr. Abgesehen davon besitze Stahl schon bei einer Temperatur von 500 Grad nur noch die Hälfte seiner regulären Festigkeit, „das heißt, es kann bereits in diesem Temperaturbereich zum Versagen durch Verformung an hoch belasteten Knotenpunkten der Gesamtkonstruktion kommen“, gibt der DFV-Vize zu bedenken.

Wie die Videoplattform Youtube gleich in mehrfacher Hinsicht zur Verbreitung von Spekulationen und Verschwörungstheorien beitrug, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 06. Juni 2019. Kostenlos erhalten Sie diese Ausgabe hier.

DT

Notre-Dame

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Maximilian Lutz

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