Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Paris

Notre-Dame: Kosten und Dauer des Wiederaufbaus noch ungewiss

Erst im Juni kommenden Jahres werde man abschätzen können, wie lange der Wiederaufbau der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame dauern werde – und welche Kosten dafür anfallen. Das erklärt der Pariser Erzbischof Michel Aupetit.
Notre Dame: Dauer des Wiederaufbaus ungewiss
Foto: Gao Jing (XinHua) | Auf die Frage ob er eine identische Rekonstruktion des durch das Feuer zerstörten Vierungsturms bevorzuge, betonte der 68-Jährige, für ihn sei nun das wichtigste, in die Kathedrale zurückkehren zu können, um dort die ...

Mehr als sieben Monate nach dem verheerenden Brand der berühmten Pariser Kathedrale Notre-Dame lassen sich die Kosten für die Restaurierung noch immer nicht abschätzen. Und auch die Dauer der Arbeiten sei noch ungewiss. „Wir werden es erst im Juni wissen“, berichtet der Pariser Erzbischof Michel Aupetit im Gespräch mit der Schweizer Zeitung „24 heures“.

85 Millionen bis Juni 2020

Aupetit betonte, dass bis Juni nächsten Jahres bereits Ausgaben in Höhe von 85 Millionen angefallen sein werden, „bevor der Wiederaufbau überhaupt begonnen hat“. Der Pariser Erzbischof begründete die Summe beispielsweise damit, dass man die Steine genauestens auf ihren Zustand überprüfen und ein neues Gerüst errichten müsse.

Auf die Frage ob er eine identische Rekonstruktion des durch das Feuer zerstörten Vierungsturms bevorzuge, betonte der 68-Jährige, für ihn sei nun das wichtigste, in die Kathedrale zurückkehren zu können, um dort die heilige Messe zu feiern. Ob man den Turm originalgetreu wiederaufbaue oder sich für einen zeitgenössischen Entwurf entscheide, sei nebensächlich, „solange er würde- und respektvoll ist“. Man dürfe aber nicht vergessen, dass sich der ausgeschriebene Architekten-Wettbewerb auf die gesamte Kathedrale und den Vorplatz beziehe.

Keine Eintrittsgebühren für Notre-Dame

Lesen Sie auch:

Erzbischof Aupetit ging auch auf Diskussionen ein, für das Betreten der Kathedrale in Zukunft eine Eintrittsgebühr zu erheben. Dies halte er für einen Fehler. „Eine Kirche ist ein freier Ort, den jeder betreten kann – Menschen, die glauben, genauso wie Menschen, die nicht glauben, Arme, Gauner...“. Auch lehne er ab, nur Touristen für den Eintritt zahlen zu lassen, und Betenden einen separaten Zugang zur Kirche zu gewähren. „Es gibt keinen Grund, Betende und diejenigen, die nicht beten, zu trennen. Diese Kirche ist für alle.“

Die berühmte Pariser Kathedrale war am 15. April durch einen Großbrand massiv beschädigt worden. Der Dachstuhl aus Jahrhunderte altem Eichenholz verbrannte komplett, der 96 Meter hohe Vierungsturm aus dem 19. Jahrhundert stürzte ein, ebenso wie Teile der Gewölbekuppeln. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron versprach einen Wiederaufbau innerhalb von fünf Jahren – eine Vorgabe, die von vielen Experten als nicht umsetzbar beurteilt wird.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe hier.

Themen & Autoren
Redaktion Emmanuel Macron Wiederaufbau

Weitere Artikel

Es ist soweit: Die ersten Bilder aus dem Inneren der neu erstandenen Kathedrale gehen um die Welt.
29.11.2024, 18 Uhr
Franziska Harter

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser