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Jimmy Lai kommt nicht frei

Erfolglose Intervention: Donald Trump konnte in Peking den katholischen Hongkonger Medienunternehmer nicht aus dem Gefängnis bekommen.
Donald Trump bei Xi Jinping
Foto: IMAGO/Daniel Torok/White House (www.imago-images.de) | Für Jimmy Lai konnte Trump (l.) im Gespräch mit Xi Jinping (r.) nichts herausholen.

US-Präsident Donald Trump hat in Peking die Freilassung von Jimmy Lai nicht erreicht. Der 78-Jährige, gesundheitlich angeschlagene katholische Medienunternehmer und Kritiker der Kommunistischen Partei Chinas, ist am 9. Februar dieses Jahres in Hongkong zu 20 Jahren Haft verurteilt worden. Fünf Jahre hat er bereits – auch wegen anderer Verurteilungen – in Einzelhaft verbracht. Lai verzichtete auf eine Berufung. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Medienunternehmer wurde wegen „Verschwörung zur Kollaboration mit ausländischen Kräften“ und „aufrührerischer Veröffentlichungen“ verurteilt. Lai, der mit dem Hongkonger Kardinal Joseph Zen befreundet ist, hatte unter anderem die inzwischen eingestellte pro-demokratische Zeitung „Apple Daily“ gegründet. Seine Familie befürchtet, dass er „als Märtyrer hinter Gittern sterben“ werde. Sein Sohn Sebastian erklärte, das „drakonische Hafturteil ist verheerend für unsere Familie und lebensbedrohlich für meinen Vater“.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor seinem Peking-Besuch vergangene Woche angekündigt, sich für die Freilassung Lais einzusetzen. Dazu war er auch von mehr als 100 amerikanischen Abgeordneten und Senatoren aufgefordert worden. In einer Resolution des Repräsentantenhauses vom 13. Mai wurde nicht nur die Freilassung von Jimmy Lai gefordert, sondern unter anderem auch von Pastor Jin Mingri von der Zionskirche, von Pastor Gao Quanfu und dessen Ehefrau Pang Yu sowie der uigurischen Ärztin Gulshan Abbas, die am 11. September 2018 gewaltsam verschleppt worden und in einem Geheimverfahren zu zwanzig Jahren Haft verurteilt worden sei. Die Resolution forderte Trump nachdrücklich auf, sich für „überprüfbare Lebensnachweise sowie Zugang zu unabhängigem Rechtsbeistand, Kontaktmöglichkeiten zu den Angehörigen und medizinische Versorgung für diese Häftlinge“ einzusetzen. Sie bekräftigte das „Bekenntnis der Vereinigten Staaten, die politische und religiöse Freiheit zu verteidigen und sich für die Freilassung jener einzusetzen, die aufgrund der Ausübung dieser Grundfreiheiten zu Unrecht inhaftiert“ seien.

Lais Tochter Claire dankte Trump

Jimmy Lais Tochter Claire hat Trump öffentlich dafür gedankt, dass er Wort gehalten und den Fall ihres Vaters beim chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping angesprochen habe. Das hatte Trump auch bereits im letzten Oktober gegenüber Xi in Südkorea getan. Gegenüber dem amerikanischen Medienunternehmen „Daily Wire“ erklärte Claire Lai, ihr Vater sei „ein kranker Mann, der 79 wird, der immer für Demokratie war, gegen Gewalt, gegen Unabhängigkeit und der nur wollte, dass die Versprechen in der gemeinsamen sino-britischen Erklärung eingehalten werden, die China in Ausübung seiner Souveränität unterzeichnet hat.“ „Wir hoffen“, fügte die gläubige Katholikin hinzu, „dass der Heilige Geist das Herz von Präsident Xi berührt.“ Und: „Ich bleibe überzeugt, dass es Präsident Trump und seine Administration sein werden, die meinen Vater befreien. In der Zwischenzeit weiß ich, dass unser Herr und die selige Mutter weiter über ihn wachen werden, wie sie es immer getan haben.“

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Trump äußerte sich nach dem Treffen mit Xi in Peking jetzt allerdings pessimistisch über eine Freilassung Lais. Xi habe ihm gegenüber gesagt, dass Jimmy Lai für ihn ein schwieriger Fall sei, erklärte Trump gegenüber Reportern. Eine Freilassung des ebenfalls inhaftierten evangelischen Pastors Jin Mingri (auch Ezra Jin genannt) von der Zionskirche ziehe Xi Jinping hingegen seinem Eindruck nach „sehr ernsthaft in Erwägung“, so Trump.

Pastor Jin, Leiter einer der größten nicht staatlich registrierten Hausgemeinden in China, wurde im Oktober 2025 zusammen mit anderen Christen verhaftet. Benedict Rogers von der Menschenrechtsorganisation „Fortify Rights“ erklärte, zusammen mit Pastor Jin seien damals landesweit 27 weitere Pastoren und Mitglieder der Zionskirche festgenommen worden. Mindestens 23 von ihnen befänden sich bis heute in Haft, darunter Pastor Gao Yinjia, Pastor Wang Lin und Pastor Yin Huibin. „Ihre Verhaftungen stellen die größte einzelne, koordinierte und landesweite Razzia dar, die in China seit 40 Jahren gegen eine nicht registrierte städtische Kirche durchgeführt wurde“, erklärte Rogers.

Bürgerjournalistin Zhang Zhan erneut verurteilt

Die Razzia habe Festnahmen und das Verschwindenlassen von Personen in Peking, Shenzhen, Shanghai, Hangzhou, Chengdu, Zhengzhou, Shenyang, Beihai, Jiaxing und Qingdao umfasst. Pastor Jin leide an schwerem Typ-2-Diabetes. Seine Frau und seine Kinder lebten in den USA, seine Tochter und seine beiden Söhne seien amerikanische Staatsbürger.

Die Menschenrechtsorganisation „Reporter ohne Grenzen“ erinnert besonders auch an die inhaftierte Bürgerjournalistin Zhang Zhan. Sie sei im September 2025 aufgrund konstruierter Vorwürfe zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden, nachdem sie gerade erst nach einer Haft entlassen worden war. Bereits im Mai 2020 sei sie wegen ihrer Berichterstattung aus Wuhan während des COVID-19-Ausbruchs festgenommen worden. Sie habe mehr als 100 Videos veröffentlicht, die viel zum internationalen Wissen um die Herkunft des Virus beigetragen hätten. „Wir sind entsetzt darüber, mit welcher Härte chinesische Behörden versuchen, Zhang Zhan einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen“, erklärte der Asien-Referent von „Reporter ohne Grenzen“. Zhang Zhan gelte „weltweit als mutige Journalistin, die die Welt frühzeitig auf eine Pandemie aufmerksam gemacht“ habe. Sie „sollte dafür ausgezeichnet werden. Stattdessen sitzt sie in Haft, sogar ihr Leben ist in Gefahr.“

Der Autor arbeitet als Journalist in Berlin und ist Experte für Menschenrechtsfragen.

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