ARD in der Krise

INSA: 84 Prozent wollen keinen Rundfunkbeitrag mehr zahlen

Das Ansehen von ARD und Co. ist auf einem historischen Tiefststand. Ein Viertel der Deutschen schaltet die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr ein.
Seit der Affäre um die frühere rbb-Intendantin Patricia Schlesinger ist der Ruf der ARD im freien Fall.
Foto: Christoph Soeder (dpa) | Seit der Affäre um die frühere rbb-Intendantin Patricia Schlesinger ist der Ruf der ARD im freien Fall. +++ dpa-Bildfunk +++

Die anhaltenden Skandale um die ARD-Sender rbb und NDR haben innerhalb der Bevölkerung ihre Spuren hinterlassen: Denn laut einer für „Bild am Sonntag“ durchgeführten repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes INSA wollen rund 84 Prozent der Deutschen, dass die Rundfunkgebühr für den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk (ÖRR) abgeschafft wird – ein neues Allzeithoch.

ARD so unbeliebt wie Wirecard

Noch ersichtlicher wird das große Imageproblem der öffentlich-rechtlichen Sender anhand einer Studie des Schweizer Analyse-Unternehmens Media Tenor: Wurde im Jahr 2020 noch in 23 Prozent aller deutschsprachigen Artikel negativ über die ARD berichtet, waren es 2022 schon 57 Prozent – eine Verdoppelung in nur zwei Jahren. Roland Schatz, Chef des Analyse-Unternehmens zu „Bild am Sonntag“: „Eine negative Bewertung von über 50 Prozent sieht man normalerweise nur bei Firmen wie Wirecard oder anderen insolventen Unternehmen.“

Laut einer weiteren aktuellen repräsentativen INSA-Umfrage, dieses Mal für das Magazin „Tichys Einblick“ erstellt, ist zudem nur noch eine knappe Mehrheit von 45,4 Prozent der Befragten der Meinung, dass die öffentlich-rechtlichen Sender „objektiv“ oder „eher objektiv“ berichten - 41,6 Prozent der Befragten hingegen glauben das nicht mehr. Dass ARD und Co. unabhängig von Interessengemeinschaften und staatlichen Einflüssen sind, glaubt sogar nur noch eine Minderheit: Nur 33,7 Prozent gehen davon aus, dass die Sender unabhängig sind von Interessensgruppen, 47,8 Prozent hingegen sehen Abhängigkeiten. Und nur 34,6 Prozent glauben, dass ARD und ZDF unabhängig von staatlichen Einflüssen sind – 48,5 Prozent sehen dagegen große Staatsnähe mit Blick auf die öffentlich-rechtlichen Sender.

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Zwar nutzen noch 74 Prozent der Bundesbürger die Angebote von ARD und ZDF - doch im Umkehrschluss schalten wiederum inzwischen ein Viertel der Bundesbürger nicht mehr bei den Öffentlich-rechtlichen ein, Tendenz stark steigend. 

Somit ist klar, dass längst anstehende Reformschritte innerhalb des öffentlich-rechtlichen Systems – Experten fordern unter anderem die Halbierung der Programme, den Fokus auf den Programmauftrag, die Zusammenlegung von ARD-Anstalten sowie die Stärkung der Rundfunkräte bei gleichzeitiger Dehierarchisierung und Entbürokratisierung – endlich angepackt werden müssen. Ganz zu schweigen von klaren Einsparmaßnahmen, vor allem bei den Gehältern der Senderführungsspitzen – Finanzminister Christian Lindner (FDP) forderte vor kurzem, dass ein ARD-Sender-Direktor nicht mehr verdienen sollte als der Bundeskanzler. Sonst könnte die gesamte Legitimität eben jenes öffentlich-rechtlichen Systems schneller als gedacht auf der Tagesordnung stehen.

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