MEDIEN.MACHT

Der Platzhirsch der US-TV-Nachrichten wird 25

Ein Vierteljahrhundert jung und dennoch kein bisschen leise: Fox News hat die US-Amerikanische Medienlandschaft aufgemischt.
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Foto: Jim Lo Scalzo (EPA) | Fox News wird 25. Kaum ein anderer Sender hat unter Linken in den vergangenen Jahren so für Aufregung gesorgt, wie der konservative Nachrichtensender aus dem Hause Murdoch.

Man kann zweifellos behaupten, dass es schönere Geburtstagsgeschenke gibt: Zum 25-jährigen Bestehen des rechten US-Fernsehsenders „Fox News“ Anfang Oktober urteilte die „Washington Post“: „Es ist eine Maschine, die Lügen verbreitet. Und dann über deren Auswirkungen berichtet, als handele es sich um Nachrichten von nationaler Tragweite.“ Der 2017 verstorbene Produzent Roger Ailes, der „Fox News“ seit der Gründung im Jahr 1996 rund 20 Jahre lang führte, dachte anders über den heute quotenstärksten US-Kabelkanal. „Wenn wir konservativ aussehen, liegt das nur daran, dass die anderen alle so weit links sind“, äußerte er sich einmal.

Beide Einschätzungen bergen sicher einen wahren Kern. Denn „Fox News“ polarisiert – und hat daraus sogar ein Geschäftsmodell gemacht. Der Sender entdeckte aber auch eine Marktlücke und wusste diese geschickt auszunutzen: Quasi alle größeren amerikanischen Fernsehnetzwerke, wie etwa „CNN“, „CBS“ oder „NBC“, stehen politisch dezidiert links. „Fox News“, ein Teil des Medienimperiums des einflussreichen australisch-stämmigen Unternehmers Rupert Murdoch, schuf in den 90ern hierzu ein großes Gegengewicht.

„Während der Sender dem Ex-Präsidenten Hofberichterstattung lieferte,
sorgte Trump für traumhafte Einschaltquoten“

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Und was für eines. Bereits 2002 avancierte „Fox News“ zum Platzhirsch der US-Nachrichtensender. Dazu trug sicher auch die lange Präsidentschaft des Demokraten Bill Clinton bei, den der Sender genüsslich zerlegte. Auch die patriotische Positionierung nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 tat ein Übriges, um die Zuschauer, nicht nur stramm Konservative, in Scharen für sich zu gewinnen. Mit einem ausgesprochen meinungslastigen Programm erreicht man seit Jahren täglich Millionen. Beliebt sind die politischen Talkrunden, moderiert von Personen wie Sean Hannity, Laura Ingraham oder Tucker Carlson, die schon lange selbst als konservative „Marken“ gelten.

Da verwundert es nicht, dass „Fox News“ eine Allianz mit dem republikanischen Präsidenten Donald Trump einging, die man durchaus als „Win-Win-Geschäft“ betrachten kann: Während der Sender dem Ex-Präsidenten Hofberichterstattung lieferte, sorgte Trump für traumhafte Einschaltquoten. Schon im Wahlkampf hatte man den ehemaligen Immobilienunternehmer entschieden unterstützt und so zu dessen Siegeszug beigetragen. Dass Trump den Kanal liebte, ist kein Geheimnis. Insider berichteten: Wenn im Weißen Haus der Fernseher lief, dann lief „Fox News“.

Linke und rechte Medien heizen den Diskurs auf

Während der Präsidentschaftswahl 2020 kam es jedoch vorübergehend zur Entfremdung. Ausgerechnet der Murdoch-Kanal war es, der als erster Trumps Kontrahenten Joe Biden zum Sieger im Bundesstaat Arizona erklärte. Die Eiszeit war aber nur von kurzer Dauer: Als Trump schon bald die Behauptung vom großflächigen Wahlbetrug verbreitete, hatte er „Fox News“ wieder auf seiner Seite.

Man kann sicher kritisieren, dass Sender wie „Fox News“ das aufgeheizte Diskursklima in Amerika verschärfen. Für linke Medienanstalten gilt dies aber genauso. Auch dort sind führende Politiker und Journalisten oft miteinander verbandelt. Aus wirtschaftlicher Sicht zählt allein der Erfolg. Und der gibt „Fox News“ Recht.

Schon 1996 konstatierte Roger Ailes, dass zwischen 56 und 82 Prozent der Amerikaner der Meinung wären, Nachrichten seien „unausgewogen, negativ und langweilig“. Mindestens eines dieser Attribute trifft wohl nicht mehr zu, seit „Fox News“ die US-Fernsehwelt prägt.

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