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Von Herz zu Herz: Das Zeugnis von Yemisi Ogunleye

Die deutsche Olympia-Siegerin bekannte freimütig vor der Weltöffentlichkeit ihren Glauben und brachte damit eine Kugel ins Rollen, jenseits der identitätspolitischen Kämpfe.
Die Goldmedaillen-Gewinnerin Yemisi Ogunleye
Foto: IMAGO/Laci Perenyi (www.imago-images.de) | Die Goldmedaillen-Gewinnerin Yemisi Ogunleye hat in Interviews freimütig ihren Glauben bekannt. Sie habe „Ruhe und Kraft“ aus ihm geschöpft.

Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund: Die deutsche Kugelstoßerin Yemisi Ogunleye zeigte nach ihrem Gold-Medaillen-Sieg in Paris, was das heißt. Nicht nur, dass sie bei der späteren Pressekonferenz aus Freude und Dankbarkeit über ihren Sieg einen Gospel anstimmte, direkt nach ihrem Triumph zeigte sie in die Kameras einen Zettel. Darauf stand „You are loved“ und der Verweis auf ihre Lieblingsbibelstelle Johannes 3, Vers 16: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.“

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Später bekannte die 25-Jährige, die einen nigerianischen Vater und eine deutsche Mutter hat, in Interviews freimütig ihren Glauben. Sie habe „Ruhe und Kraft“ aus ihm geschöpft. Betonte aber auch: „Gott ist kein Kaugummi-Automat, in den du was reinschmeißt und kriegst gleich dein Resultat. Gott zwingt sich keinem auf, aber er steht mit offenen Armen da. Wer ihn fragt, wird eine Antwort bekommen.“

Ein doppeltes Zeugnis

Ogunleye, die einen Bachelor in Sozialpädagogik hat und der Karlsruher Pfingstgemeinde Christ Gospel City verbunden ist, hat in gleich zweifacher Weise ein Zeugnis gegeben. Einmal ist da das klare Bekenntnis zu ihrem Glauben vor der Weltöffentlichkeit. Ein Beispiel, das über alle konfessionellen Grenzen hinweg die ganze Ökumene freuen kann. 

Gleichzeitig hat Ogunleye aber auch in gewisser Weise den Debatten der vergangenen Wochen ein Zeugnis ausgestellt, indem sie bewiesen hat, wie man es besser macht. Die Eröffungsfeierlichkeiten in Paris haben zurecht Christen in aller Welt heftig verstört. Das Beispiel der 25-Jährigen beweist aber, dass die Reaktion darauf nicht allein darin liegen kann, nun auch von christlicher Seite aus zum identitätspolitischen Kampf zu rüsten.

Das, was wirklich wirkt, das ist die Kommunikation von Herz zu Herz. Gäbe es mehr Christen wie Yemisi Ogunleye, die ohne jede Scheu öffentlich davon erzählen, wovon ihr Herz voll ist, wir wären einen Schritt weiter. Mit ihrem persönlichen Bekenntnis hat sie, das beweisen nicht zuletzt zahllose Statements in den sozialen Netzwerken, viele Menschen berührt. Gerade auch solche, die nicht viel mit dem Glauben zu tun haben. Man kann sagen: Yesimi Ogunleye hat eine Kugel ins Rollen gebracht.

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Sebastian Sasse Christen Glaube Ökumene

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