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Julian Nagelsmann als Tattoo-Kandidat

Der Trend zum Tattoo ist auch bei dieser EM zu beobachten. Sollte Deutschland gewinnen, lässt sich vielleicht auch Nagelsmann eines stechen. Die Frage: Ziehen Politiker dann nach?
Julian Nagelsmann, Fußball-Bundestrainer
Foto: IMAGO/www.imagephotoagency.it (www.imago-images.de)

Toni Kroos zeigt auf seiner Haut Kinder- und Hundeporträts, Robert Andrich drei grimmige Löwenköpfe, Manuel Neuer das chinesische Schriftzeichen für „Freundschaft“. Beim Bayern-Stürmer Leroy Sané findet sich auf dem Rücken sein eigenes Porträt in gestochen scharfer XXL-Posterqualität.

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Die Fußball-EM in Deutschland ist ein Schaulaufen neuester, digitalgestützter Tätowierkunst. Auch wenn sich Geschmäcker und Motive gewandelt haben, die Sache mit den Tattoos ist natürlich eine ganz alte. Auf der Südtiroler Gletschermumie Ötzi fanden die Forscher 61 Tätowierungen. Dagegen sieht mancher Starkicker richtig alt aus.

Die Augenbrauen als Permanent-Make-Up konturiert

In Deutschland zählt Markus Huschka aus Ebersberg bei München zu den bekanntesten Stechern, bei ihm gibt sich nicht nur Fußball-Prominenz die Klinke in die Hand. Stilbewusste Traditionalisten wie manch ein Leser der "Tagespost" würden dagegen eher ins Heilige Land reisen. Denn am Jerusalemer Jaffator pflegt Wassim Razzouk, Nachfahre christlicher Kopten, 500 Jahre Tätowiergeschichte mit historischen Vorlagen-Stempeln aus Olivenholz. Die Kundschaft: Christen und Muslime, Juden, Atheisten und Touristen. Alte Jerusalemer Original-Tattoos sind auf den Unterarmen des Hamburger Pilgers Ratge Stubbe zu besichtigen: Ein alter Museums-Kupferstich von 1669 zeigt Ratges Arme unter anderem mit Jerusalem-Kreuz, Palmwedeln, drei Kronen der Heiligen Drei Könige und dem Stern von Bethlehem. 

Am Jaffator wäre auch Bundestrainer Julian Nagelsmann, der sich bisher nur seine Augenbrauen als Permanent-Make-Up dauerhaft konturieren ließ, gut aufgehoben. Der ehemalige Oberministrant aus Issing in Oberbayern könnte sich nach einem EM-Gewinn den Pokal mit der Unterzeile „Deo Gratias“ auf die Wade stechen lassen. Doch Obacht: Wassim Razzouk ist nicht sicher in der Rechtschreibung. Dem kroatischen Stürmerstar und heutigen Co-Trainer Mario Mandzukic verpasste er in hebräischer Schrift das Nietzsche-Zitat "Was uns nicht umbringt, macht uns stärker". Die Schriftzeichen sind verdreht, er trägt jetzt lebenslänglich schwere Rechtschreibfehler über dem Gesäß. Die bewährte Pilgertattoo-Vorlage von 1669 wäre dagegen fehlerfrei gewesen.

Bei einem deutschen Titelgewinn steht zu befürchten, dass Politiker dem Tattoo-Trend bei Fußballern populistisch nacheifern. Dann lässt sich Alice Weidel vielleicht Putins Dogge auf die rechte Schulter stechen, Sarah Wagenknecht wählt die Doppelflagge der deutsch-russischen Völkerfreundschaft für ihr Dekolleté. Und ein Panorama mit Fauna und Flora des bedrohten Amazonas-Regenwaldes ziert Ricarda Langs Rücken.

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