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Die Welt zu Gast bei Zombies

Egal ob Frankfurt oder Gelsenkirchen: EM-Besucher aus dem Ausland erhalten momentan nicht gerade günstige Eindrücke vom Zustand Ampel-Deutschlands. 
EM-Touristen halten mit Kritik an Gastgeberland Deutschland nicht hinter dem Berg.
Foto: IMAGO/Schoening (www.imago-images.de) | Sehen so Sieger aus? Sei es die Drogenszene im Frankfurter Bahnhofsviertel oder die trostlose und unorganisierte Gelsenkirchener Innenstadt: EM-Touristen halten mit Kritik an Gastgeberland Deutschland nicht hinter ...

Noch heute erinnern sich nicht nur hierzulande zahlreiche Menschen äußerst gerne an den Sommer 2006 in Deutschland zurück – denn da war Deutschland Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft und somit im positiven Sinne verantwortlich für das legendäre „Sommermärchen“. Die ganze Welt war gefühlt zu Gast bei ihren deutschen Freunden – und alle sich mehr oder weniger einig: Nie waren die Deutschen lockerer, internationaler und zugleich organisierter. „Peak Germany“ sozusagen.

Dank Merkel und Scholz ist in Deutschland der Lack ab

Doch 16 Jahre Merkel- und 3 Jahre Ampel-Regierung später ist vom damaligen Zauber nicht mehr viel übriggeblieben. Rückblickend muss man feststellen: Ausgerechnet im Weltmeisterjahr 2014 waren die Deutschen ein letztes Mal glücklich sowie mit sich selbst im Reinen – denn genau ein Jahr später brachen die bekannten migrations-, wirtschafts- und kulturkampfpolitischen Probleme über die Bundesrepublik herein, die sie bis heute in Atem halten und durch die Corona-Krise noch verschärft wurden. 

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Das können Fußballfans aus dem Ausland nun live und in Farbe vor Ort feststellen. So waren englische Medienvertreter und Anhänger des „Three Lions“-Teams England regelrecht entsetzt über den Austragungsort Gelsenkirchen: Angefangen bei der als hässlich und trostlos wahrgenommen Innenstadt, einem vollkommen überforderten Personennahverkehr bis hin zur nicht vorhandenen Möglichkeit, rund um das Stadion bargeldlos zu zahlen. Von „abgehängt“ bis „Drecksl…“ reichten da die typisch britisch wenig schmeichelhaften Aussagen – und der Austragungsort Frankfurt am Main wurde aufgrund der sichtbaren Drogenszene rund um den Hauptbahnhof bereits im Vorfeld vom britischen Krawallblatt „The Sun“ als „Zombieland“ und „gefährlichster Slum Deutschlands“ bezeichnet.

Auch bei den Gästen ist noch Luft nach oben

Doch auch die Gäste von der Insel outeten sich nicht gerade als Vertreter der feinen englischen Art  und hinterließen vor dem 1:1 gegen Dänemark beim „Aufwärmen“ auf dem Frankfurter Römerberg ein Meer aus zerbrochenen Flaschen, am Boden klebenden Bier und verstreuter Plastiktüten.  Und der Gerechtigkeitsbrunnen direkt am Römerberg änderte während des Ansturms der Fans beider Teams seine angestammte Farbe – auf die genauen Gründe muss an dieser Stelle nicht weiter eingegangen werden.

Insofern lässt sich in Abwandlung des bekannten Sponti-Ausspruchs von F.W. Bernstein feststellen, dass die schärfsten Kritiker vermeintlicher Zombies meist selber welche sind – und somit, wenn hierzu ein wenig Selbsterkenntnis einsetzt, sogar aus Zombies verschiedener Länder Freunde werden können. Denn, wie schon Arthur Schopenhauer wusste: „Jede Nation spottet über die andere – und alle haben recht.“

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