Das WM-Stadion in Houston, Texas, hat schon vieles gesehen. Bereits zweimal fand in dem zur Jahrtausendwende für 352 Millionen Euro erbauten Stadion der Super Bowl statt. Unvergessen wird das Finale der National Football League von 2017 bleiben. Damals lagen die New England Patriots gegen die Atlanta Falcons schon mit 3:28 zurück, bevor die Mannen um Quarterback Tom Brady das Spiel in einer legendären Aufholjagd drehten und am Ende gar mit 34:28 noch gewannen.
Vor 68.000 Zuschauern blieb der DFB-Auswahl am Sonntag gegen WM-Neuling Curaçao eine derart nervenaufreibende Partie erspart. Auch wenn die Kicker von der Karibikinsel die Nagelsmänner mit einer Rautenformation überraschten und nach der frühen Führung durch Felix Nmecha (6. Minute) in der 21. Minute dank Livano Comenencia und Joshua Kimmichs Knie die 40 Jahre alte „Wand Gottes“ einmal überwanden, schien der Sieg der Deutschen nie gefährdet.
Der 7:1-Endstand erinnerte natürlich nicht nur Schwarzlack-Sekt vernichtende Edel-Fans an das WM-Halbfinale von 2014. Damals demütigten die Mannen um Mittelfeld-Legende Toni Kroos, der hinterher zum besten Spieler des Spiels gekürt wurde, Gastgeber Brasilien im Stadion Mineirão in Belo Horizonte und warfen die Seleção mit exakt dem gleichen Ergebnis aus dem Turnier.
Schöne Tore und viele Ungenauigkeiten
Nur ist Curaçao nicht Brasilien. Mit den weiteren Treffern von Nico Schlotterbeck (38. Minute), Kai Havertz (45.+5), Jamal Musiala (47.), Nathaniel Brown (68.), Deniz Undav (78.) und erneut Havertz (88.) hat die DFB-Elf von Bundestrainer Julian Nagelsmann zwar einen Traumstart in das Turnier erwischt und durfte viel Selbstvertrauen tanken – für Euphorie ist es jedoch viel zu früh. Denn zu sehen gab es außer schönen Toren auch noch viele Ungenauigkeiten im Passspiel sowie Abstimmungsprobleme der Defensivabteilung. Dinge, die es abzustellen gilt, wollen die Deutschen nicht Gefahr laufen, dass stärkere Gegner dies umgehend bestrafen.
Mag in Houston, das auch das Flugkontrollzentrum der US-Weltraumbehörde Nasa beherbergt, mit dem Astronauten-Song „Major Tom“ die offizielle Torhymne der Deutschen in Houston, gestern also gleich siebenmal erschallen sein. Kimmich & Co. tun gut daran, weder „völlig losgelöst“ durch den Fußballhimmel zu schweben, noch zu denken: „Houston – wir haben kein Problem.“ Denn einen echten Leistungstest verspricht erst die Begegnung am Samstag. Dann trifft die DFB-Auswahl nämlich in Toronto auf die Elfenbeinküste. Die Westafrikaner gewannen gestern in Philadelphia ihr erstes Gruppenspiel gegen Ecuador mit 1:0 zwar etwas glücklich. Doch spätestens seit ihrem Sieg Anfang Juni gegen die Équipe Tricolore weiß die Fußballfachwelt, dass die Ballartisten der Elfenbeinküste nicht unterschätzt werden dürfen.
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