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Aber bitte mit Sané!

Nach einer rauschenden Eröffnungsfeier im Aztekenstadion schaut Deutschland voraus auf das erste Spiel am kommenden Sonntag. Einem Mann gilt dabei die besondere Aufmerksamkeit.
Leroy Sané
Foto: IMAGO/Melissa Tamez/Icon Sportswire (www.imago-images.de) | Ist ein Tor auf amerikanischem Boden schon ein gutes Vorzeichen? Beim Freundschaftskick gegen den Gastgeber vor einer Woche traf Sané bereits.

Alle nannten ihn nur „Samy“: Er kam aus dem Senegal, wuchs in Frankreich auf und diente als französischer Soldat in Donaueschingen. Dort war’s dann aber nicht der Dienst an der Waffe: Statt mit Gewehr und scharfer Munition hantierte der gelernte Bäcker und Konditor mit Rührwerk und Rosinen. Und: Er spielte Fußball bei den Donaueschinger Amateuren und bescherte ihnen mit seinen Sprints, Pässen und Toren den Aufstieg in die Verbandsliga. Anschließend sicherte er seinem neuen Verein FC Freiburg den Klassenerhalt in der 2. Liga, an der Seite von Sturmpartner Jogi Löw. Der Name des kickenden Bäckers: Sané, Souleyman Sané, der Nachname ausgesprochen wie die Sahne auf dem Kuchen, also ohne Betonung auf dem „e“. Sein Sohn ist Leroy Sané, kreativ-trickreicher Rechtsaußen im deutschen Sturm.

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Die Einschätzungen der Experten über ihn gehen auseinander: verschlamptes Genie oder doch mehr bedauernswerter Pechvogel? Kreuzbandriss, langwierige Schambeinentzündung oder zuletzt bei Galatasaray Istanbul ein Außenbandriss warfen ihn immer wieder zurück. Reicht die Form für die WM? Julian Nagelsmann lässt sich nicht beirren und setzt mutig auf den schwer auszurechnenden Angreifer, gegen Curaçao könnte er Sonntag schon in der Startaufstellung stehen. Vielleicht helfen ja doch die Gene seines Vaters – und seiner Mutter. Souleyman Sané war 1988 in seiner Zeit beim 1. FC Nürnberg der schnellste Offensivspieler der Liga, 10,6 Sekunden auf 100 Meter, auch Sohn Leroy besticht immer wieder mit seinen unwiderstehlichen Sprintqualitäten. Begeisternde Torabschlüsse wechseln sich allerdings ab mit vergebenen Großchancen, die die Fans immer wieder fassungslos machen, wie beim Vater, der bei aller Torgefährlichkeit oft als „Chancentod“ tituliert wurde.

Seine Mutter ist die bildhübsche Regina Weber-Sané aus Winsen an der Luhe, Bronzemedaillengewinnerin bei den Olympischen Spielen in Los Angeles 1984 in der rhythmischen Sportgymnastik. Mit ihrer Disziplin, Leistungsbereitschaft und Begeisterung wurde sie mehr noch als der Vater Leroys erklärtes Vorbild. Seine vielgerühmte Beweglichkeit und Körperbeherrschung im Zweikampf um den Ball – ein Erbe der Mutter.

Bereitschaft zu „Drecksarbeit“

Eine Eigenschaft, die Vater und Mutter verbindet, scheint Sané allerdings in manchen Momenten zu fehlen: Frustrationstoleranz. Nach Fehlschüssen und verlorenen Zweikämpfen, bei hart attackierenden Verteidigern und Ballverlust schlich Leroy Sané in der Vergangenheit oft mutlos und passiv über den Platz. Das hat sich in jüngster Zeit geändert. Der Mann mit der kunstvoll geflochtenen Cornrows-Frisur arbeitet neuerdings bei Ballverlust entschlossen nach hinten, überzogener Stolz ist der mannschaftsdienlichen Bereitschaft gewichen, auch mal „Drecksarbeit“ zu leisten. Sein Vater, in Nürnberg 1988 beim 1. FCN damals ohne Hintergedanken als schwarze Perle tituliert, galt als „Malocher“. Rassistische Anfeindungen bei Auswärtsspielen steckte er scheinbar einfach weg. Weh taten sie ihm dennoch, wie er heute erzählt. Geholfen hat ihm damals der Mannschaftsgeist der „Glubberer“ um Torwart Andy Köpke und das Vertrauen des Trainers. Genau darauf ist der sensible Sané stärker als viele seiner Mannschaftskollegen angewiesen – und erinnert hier etwas an Mesut Özil. Schafft er in den ersten beiden Spielen der Vorrunde den Durchbruch, könnte er zu einem unverzichtbaren Faktor für das weitere Turnier werden. Dann hieße es bis zum Finale: Jetzt bitte immer mit Sané!

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Henry C. Brinker

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