Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Schriftsteller würdigt Emeritus

Darin sieht Mosebach die unvergängliche Leistung Benedikts

Der Emeritus habe eine grundlegende Entscheidung formuliert: Ist die Kirche der Überlieferung verpflichtet oder kann sie immer neue Quellen der Offenbarung entdecken?
Martin Mosebach: Der Emeritus habe eine grundlegende Entscheidung formuliert
Foto: Arno Burgi (dpa-Zentralbild) | Der Büchner-Preisträger Mosebach spricht von einem Antagonismus zwischen einer „Hermeneutik des Bruchs“ und einer „Hermeneutik der Kontinuität“, wie Benedikt es genannt habe.

Nach Ansicht des Frankfurter Bestseller-Autors Martin Mosebach wird sich herausstellen, dass der am Samstag verstorbene emeritierte Papst Benedikt XVI. „mit Scharfsinn genau den Konflikt erkannt und benannt“ habe, der das „notwendige und wichtigste Thema“ der innerkirchlichen Auseinandersetzung bilden wird: „Ist die Kirche der Überlieferung der Evangelisten, der Apostel, Martyrer und Kirchenväter auf immer verpflichtet, oder kann sie die Verpflichtung sprengen und andere immer neue Quellen der Offenbarung entdecken? Bezeichnet das II. Vaticanum den Anfang eines Bruchs mit der Tradition oder steht es in dieser Tradition und will sie bruchlos fortsetzen?“ So äußert sich Mosebach auf Anfrage dieser Zeitung zur Wirkung des Emeritus über dessen Tod hinaus.

„Dieser Kampf wird die nähere Zukunft bestimmen“

Der Büchner-Preisträger spricht von einem Antagonismus zwischen einer „Hermeneutik des Bruchs“ und einer „Hermeneutik der Reform“, wie Benedikt es genannt habe. „Dieser Kampf wird die nähere Zukunft bestimmen“, so Mosebach.

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Gleichzeitig räumt der 71-Jährige ein, dass die „lange bittere Zeit nach der Abdankung“ von Papst Benedikt XVI. und vor dessen Tod den Eindruck hinterlassen habe, „dass dieses Pontifikat ein großer Fehlschlag gewesen sei“. Benedikt erscheine zum Zeitpunkt seines Todes als ein Letzter, „der unbeholfen und mit ungeeigneten Mitteln einen vergeblichen Abwehrkampf gegen eine von der Zeit geforderte Neuschöpfung der Kirche geführt habe“.

Respektvolles Lob für den „großen Theologen“ und den modernen „Kirchenvater“, der mit seinem Lebensthema „Glaube und Vernunft“ der Herausforderung der nachchristlichen Moderne offensiv begegnet sei, würde kaum „die Enttäuschung der ihm Zugeneigten und noch weniger die Häme und Denunziation seiner zahlreichen, vor allem auch deutschen Feinde“ verdecken.

Benedikt fordert zur Entscheidung

Mosebach hält dagegen: Auch wenn Benedikt XVI. jetzt der Unterlegene gewesen wäre, habe er dennoch die Entscheidung formuliert, um die kein Katholik, ob Kleriker oder Laie, herumkommen werde: „Glaube ich, dass die Kirche der Apostel, der Martyrer und Väter die Kirche Jesu Christi ist, oder glaube ich, dass diese alte Kirche untergegangen ist und der Heilige Geist sich jetzt im Zeitgeist offenbart?“ Wenn der „Qualm der gegenwärtigen Verwirrung“ abgezogen sei, so der Schriftsteller, werde Benedikts Forderung nach der Entscheidung als „die eigentliche und unvergängliche Leistung seines Pontifikats“ sichtbar werden.  DT/mlu

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