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20 Jahre Ratzinger-Habermas-Debatte: Erinnerung an ein Gipfeltreffen des Geistes

Am 19. Januar 2004 debattierten der spätere Papst und der renommierte Philosoph in München über Glauben und Vernunft.
Ratzinger Habermas
Foto: IMAGO/ ABACAPRESS / Christian Thiel /DT | Im Jahr 2004 begegneten sich die beiden großen Denker Joseph Kardinal Ratzinger und Jürgen Habermas.

In der kommenden Ausgabe der „Tagespost“ wird an eine besondere Begegnung erinnert – nämlich an jene, die am 19. Januar 2004 in den Räumlichkeiten der in München ansässigen Katholischen Akademie in Bayern stattfand: Denn an diesem Tag vor 20 Jahren trafen Jürgen Habermas und Joseph Kardinal Ratzinger zu einem mit Spannung erwarteten Disput aufeinander.

Vorpolitische moralische Grundlagen eines freiheitlichen Staates

Manch einer der Zuhörer vor Ort konnte, ja durfte möglicherweise sogar erwarten, dass, wenn ein sich selbst als nachmetaphysisch denkend betrachtender Philosoph und der damalige Präfekt der römischen Glaubenskongregation aufeinandertreffen, um über „vorpolitische moralische Grundlagen eines freiheitlichen Staates“ zu debattieren, eine scharfe Auseinandersetzung unausweichlich sein müsse. Doch weit gefehlt: Denn gerade Habermas, der sich zuvor, wie beispielsweise in seiner Dankesrede zur Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2001, als „religiös unmusikalisch“ bezeichnete, erklärte am Ende seines Vortrags in München:

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„Säkularisierte Bürger dürfen, soweit sie in ihrer Rolle als Staatsbürger auftreten, weder religiösen Weltbildern grundsätzlich ein Wahrheitspotential absprechen, noch den gläubigen Mitbürgern das Recht bestreiten, in religiöser Sprache Beiträge zu öffentlichen Diskussionen zu machen. Eine liberale politische Kultur kann sogar von den säkularisierten Bürgern erwarten, dass sie sich an Anstrengungen beteiligen, relevante Beiträge aus der religiösen in eine öffentlich zugängliche Sprache zu übersetzen.“

Wider eine antireligiöse Postmoderne

Diese Aussage Habermas‘ erinnerte nicht nur nachdrücklich an das berühmte Diktum Ernst-Wolfgang Böckenfördes, wonach der freiheitliche, säkularisierte Staat von normativen Voraussetzungen zehre, die er selbst nicht garantieren könne – sondern stellte unmissverständlich klar, dass für ihn als einen der maßgeblichen, der Religion gegenüber durchaus skeptisch eingestellten Philosophen der Gegenwart Glauben und Vernunft aufeinander verwiesen sind: Ein Brückenschlag zur Enzyklika „Fides et Ratio“ von Papst Johannes Paul II. sowie zum Denken Joseph Ratzingers, der nur ein Jahr später als Benedikt XVI. eben jenem im Petrusamt nachfolgte. Der Kardinal fügte in München unmissverständlich hinzu: Vernunft und Glauben, Vernunft und Religion sind „zu gegenseitiger Reinigung und Heilung berufen“; sie brauchen sich gegenseitig und müssten dies gegenseitig anerkennen.

Aus Anlass des Jahrestages dieser denkwürdigen Begegnung in München erinnert „Tagespost“-Autor Christoph Böhr in der kommenden Ausgabe in einem großen Essay nicht nur an das Aufeinandertreffen von Habermas und Ratzinger vor genau 20 Jahren, sondern verdeutlicht im Sinne der beiden einstigen Diskutanten, dass Glauben und Vernunft notwendigerweise aufeinander verwiesen sind. Denn klar ist: gerade in Zeiten „gefühlter Wahrheiten“ und „alternativer Fakten“ ist es unabdingbar, genau diese Erkenntnis wieder allgemein ins Gedächtnis zu rufen.  DT/sta

Dieses und noch viele andere spannende Themen erwarten Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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Vorabmeldung Christoph Böhr Johannes Paul II. Jürgen Habermas Kardinäle Katholische Akademie in Bayern Säkularisation

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