Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Trier

Vorwürfe gegen Pater Kentenich: Bistum Trier plant Historikerkommission

Der Trierer Bischof Ackermann will eine Historikerkommission neu zugängliche Dokumente für das Seligsprechungsverfahren des unter Missbrauchsverdacht stehenden Gründers der Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich, prüfen lassen. Die Schönstatt-Bewegung begrüßt den Schritt.
Pater Josef Kentenich, Gründer der Schönstatt-Bewegung
Foto: Archiv | Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte die Schönstatt-Bewegung, die Einsetzung einer Historikerkommission im Seligsprechungsverfahren für Pater Kentenich „ausdrücklich“ zu begrüßen.

Im Seligsprechungsverfahren für den mit Missbrauchsvorwürfen belasteten Gründer der internationalen Schönstatt-Bewegung, Pater Josef Kentenich, will das Bistum Trier eine Historikerkommission einsetzen. Dies kündigte der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Dienstag an. Als Grund nannte das Bistum, dass nach der weiteren Öffnung der vatikanischen Archive Dokumente einsehbar seien, die bislang für die diözesane Untersuchung im Seligsprechungsverfahren Kentenichs nicht zugänglich waren. 

Lesen Sie auch:

Schönstatt erhofft sich weitere "Transparenz und Klarheit"

Gegenüber dieser Zeitung erklärte die Schönstatt-Bewegung, diesen Schritt „ausdrücklich“ zu begrüßen. Man erhoffe sich, „dass auf diesem Weg bezüglich Person, Leben und Werk ihres Gründers so bald wie möglich weitere Transparenz und Klarheit geschaffen werden kann“, so Heinrich Brehm vom Pressebüro der Bewegung.

Das Bistum Trier wies indes darauf hin, dass die geltenden Normen eine solche Historikerkommission für jedes Seligsprechungsverfahren vorsähen. Die neue Kommission werde auf den Ergebnissen einer vorangegangenen aufbauen, die 2007 ihre Arbeit abgeschlossen hatte. Die Mitglieder der neuen Kommission stünden noch nicht fest. Deren Aufgabe werde es sein, „alle nun zugänglichen Dokumente der vatikanischen Archive zu sammeln, die in irgendeiner Weise dieses Seligsprechungsverfahren betreffen, und ihre Bedeutung zu bewerten“. Dabei können die Schriftstücke von Pater Kentenich selbst stammen oder aber sich auf ihn und sein Wirken beziehen.

Am Ende soll die neue Kommission unter Einbeziehung des Ergebnisses der vorausgegangenen Kommission einen Bericht erstellen, in dem eine Aussage über die Persönlichkeit und Spiritualität Pater Kentenichs getroffen werde, so das Bistum Trier, in dem das Seligsprechunsverfahren im Jahr 1975 eröffnet worden war.

Vorwurf des systematischen Machtmissbrauchs und sexuellen Missbrauchs

In einem exklusiven Beitrag für die "Tagespost" hatte die in Rom wirkende Kirchenhistorikerin und Theologin Alexandra von Teuffenbach auf der Grundlage bislang unausgewerteter Dokumente dargelegt, dass der Gründer der Gemeinschaft der Marienschwestern von Schwestern des systematischen Machtmissbrauchs und sexuellen Missbrauchs in einem Fall bezichtigt wurde. Die Schönstatt-Bewegung wies die Vorwürfe mit der Begründung zurück, die Beschuldigungen seien schon lange bekannt und bereits entkräftet worden.

Dieser Darstellung widerspricht von Teuffenbach jedoch: „Hätte es eine entsprechende Publikation gegeben, wären die Veröffentlichungen meinerseits nicht nötig gewesen.“ Da dies aber nach ihrem Kenntnisstand nicht geschehen sei, habe sie sich „gedrängt“ gesehen, „die Biografie des Gründers, dessen Kult das Schönstattwerk betreibt, um einige Elemente zu ergänzen“.

DT/mlu

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Bistum Trier Missbrauchsverdacht Missbrauchsvorwürfe Pater Josef Kentenich Stephan Ackermann

Weitere Artikel

Vatikan weist den Einspruch des saarländischen AfD-Politikers Christoph Schaufert gegen Ausschluss aus einem kirchlichen Gremium zurück. Dieser reagiert mit Kirchenaustritt.
27.01.2026, 07 Uhr
Meldung
Zwischen Reformanspruch und wachsender Distanz zu Rom: Georg Bätzings Amtszeit an der Spitze der DBK endet mit einer gespaltenen Kirche. Ein Blick auf die vergangenen sechs Jahre.
20.01.2026, 14 Uhr
Dorothea Schmidt

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser