Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann ist überraschend zurückgetreten. Der 66-jährige Wiesemann hatte den Papst aus gesundheitlichen Gründen um seine Entpflichtung vom Amt des Bischofs gebeten, wie das Bistum Speyer am Mittwoch mitteilte. Papst Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns, der seit 2008 als Bischof des Bistums Speyer amtierte, an, wie der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz am Mittwoch mitteilten.
Der Bischofskonferenz-Vorsitzende und Münsteraner Bischof Heiner Wilmer nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns „mit Respekt und Bedauern“ zur Kenntnis. In einem Brief an Bischof Wiesemann schrieb Wilmer: „Für das Bistum Speyer und die Deutsche Bischofskonferenz bedeutet Dein Rücktritt einen großen Verlust. Gleichzeitig empfinde ich Hochachtung vor Deiner Entscheidung, die Du lange im Herzen erwogen hast und die Dir nicht leichtgefallen ist.“
„Last der Verantwortung“
Wiesemann schreibt in einem Brief an die Katholiken in seinem Bistum: „Ich bin mit ganzem Herzen und großer innerer Freude mit Ihnen Christ und für Sie Bischof gewesen. Dennoch hat die Last der umfänglichen Verantwortung in mir körperlich wie vor allem seelisch schwerwiegende Spuren hinterlassen.“
Ihm sei bewusst geworden, dass er die Kraft nicht mehr habe, „die ganze Wegstrecke bis zur vollständigen Umsetzung der anstehenden Strukturreformen zu gehen“. Wiesemann weiter: „Ich sehe es auch als Verantwortung an, wenn man weiß, dass man einer Aufgabe nicht mehr im nötigen Umfang gerecht werden kann, das auf Zeit verliehene Amt für einen anderen, nun besser Geeigneten, wieder freizugeben.“ Er wisse, dass seine Entscheidung viele Menschen bewegen werde, und bitte um Verständnis für seinen Schritt.
„Schonungslose“ Missbrauchsaufarbeitung
Wilmer erklärte mit Blick auf Wiesemann: „Das Thema des sexuellen Missbrauchs hat Dich tief erschüttert – mit Blick auf die Bundesebene, aber auch in Deinem Bistum.“ Dabei sei es Wiesemann „um eine transparente und schonungslose Aufarbeitung“ gegangen. Eindrücklich habe Wiesemann das Wohl der Missbrauchsbetroffenen in den Vordergrund gestellt „und in diesem Kontext zu Recht Machtstrukturen der Kirche hinterfragt“.
Der Missbrauchsskandal hatte bei Wiesemann eine Depression ausgelöst. Auf dem Katholikentag in Würzburg hatte der Speyerer Bischof vor großem Publikum darüber berichtet, wie die Erkrankung auch seinen Glauben und sein Selbstbild als Bischof verändert hatte.
Unterstützer des Synodalen Weges
Wiesemann setzte sich von Beginn an für den „Synodalen Weg“ ein und unterstützte dessen Beschlüsse. In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) warb er dafür, dass es die Möglichkeit eines Zölibatsgelübdes auf Zeit für angehende Priester – ähnlich wie bei Ordensleuten – geben sollte. Zudem plädierte Wiesemann dafür, dass der Zölibat – also die verpflichtende Ehelosigkeit – „nicht absolut an die Ausübung des Priesterberufes gekoppelt sein“ sollte.
Wilmer würdigte Bischof Wiesemann als eine Persönlichkeit, der es zuallererst um die Menschen gegangen sei: „Ihnen wolltest Du nahe sein.“ Wilmer dankte Bischof Wiesemann auch für dessen Verdienste für die Deutsche Bischofskonferenz, zuletzt als Mitglied der Ökumenekommission und als stellvertretender Vorsitzender der Liturgiekommission. Segensreich gewirkt habe Wiesemann auch als Jugendbischof und damit Vorsitzender der Jugendkommission (2011–2016) und als Vorsitzender der Glaubenskommission (2016–2021).
Bischofsstuhl unbesetzt – Sedisvakanz
Der Bamberger Erzbischof Herwig Gössl reagierte mit Bedauern auf den Rücktritt Wiesemanns und dankte ihm „herzlich für die vielen Jahre der guten und kollegialen Zusammenarbeit“. Gössl steht als Metropolit der Kirchenprovinz Bamberg vor, zu der auch die Bistümer Eichstätt, Speyer und Würzburg gehören.
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann nannte die Entscheidung Wiesemanns mutig. „Aus persönlichen Gesprächen wusste ich, dass er sich mit der Frage trug, wie lange er die Herausforderungen und Belastungen des Amtes als Diözesanbischof noch schultern kann.“
Mit der Annahme des Amtsverzichts von Bischof Wiesemann ist der bischöfliche Stuhl in Speyer unbesetzt – die sogenannte Sedisvakanz ist eingetreten. Damit endet auch automatisch die Amtszeit des Speyerer Generalvikars Markus Magin, so das Bistum. „Zeitnah“ wollen nun die Mitglieder des Domkapitels einen Diözesanadministrator wählen, der bis zur Ernennung eines neuen Bischofs die Amtsgeschäfte weiterführen wird. Wiesemann will sich am Donnerstag in einem Pressegespräch in Speyer persönlich zu seinem Rücktritt äußern. (KNA)
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