Die Zahl der Taufen in der katholischen Kirche in Deutschland geht weiter zurück. Zugleich lassen sich mehr Erwachsene taufen. Eine Entwicklung, die der Berliner Erzbischof Heiner Koch als „hoffnungsvoll“ bezeichnet. Von einer „großen Rechristianisierung“ wolle er jedoch noch nicht sprechen, sagte Koch bei einem Vortrag im Kardinal-Bengsch-Saal der Berliner Pfarrei St. Matthias in Schöneberg.
Besonders deutlich zeigt sich die gegenläufige Entwicklung in Frankreich. Koch berichtete von einem befreundeten französischen Bischof, mit dem er über den sprunghaften Anstieg der Erwachsenentaufen gesprochen habe. Ostern 2026 wurden in Frankreich mehr als 13.000 Erwachsene sowie 8.100 Jugendliche zwischen elf und 17 Jahren getauft. Gegenüber dem Vorjahr bedeutete dies einen Zuwachs von 28 Prozent; innerhalb von zehn Jahren hat sich die Zahl der Erwachsenentaufen mehr als verdreifacht.
Eine eindeutige Erklärung für diese Entwicklung habe auch der französische Bischof nicht. Die Kirche habe den Anstieg weder „produziert“ noch gezielt herbeigeführt. Sie habe „die kleine Tür aufgemacht, damit die Leute reinkommen können. Jetzt sind sie aber über die Fenster eingestiegen“. Die katholische Kirche in Frankreich stellt sich nun der Aufgabe, die Neugetauften zu begleiten und im Glauben zu festigen.
Traditionsabbruch in Deutschland
Von solchen Größenordnungen ist die katholische Kirche in Deutschland weit entfernt. 2024 wurden bundesweit 2.075 Menschen im Alter von mindestens 14 Jahren getauft – die jüngste von der Deutschen Bischofskonferenz ausgewiesene Zahl. Gleichzeitig sank die Gesamtzahl der katholischen Taufen 2025 erneut, und zwar um 6,3 Prozent.
Der Berliner Erzbischof sieht darin ein Zeichen eines tiefgreifenden Traditionsabbruchs. Im Erzbistum Berlin würden nur noch rund 35 Prozent der Kinder aus Familien mit mindestens einem katholischen Elternteil getauft. Die selbstverständliche Weitergabe des Glaubens innerhalb der Familie falle damit zunehmend weg.
Für die Aufgabe der Christen in weiten Teilen Ostdeutschlands hält Koch deshalb den Begriff „Neuevangelisierung“ nur bedingt für passend. Denn dieser Begriff setze voraus, dass an eine christliche Prägung angeknüpft werden könne. Inzwischen gehe es hier meistens eher um eine „Erstevangelisierung“ von Menschen, die kaum oder überhaupt keine Erfahrungen mit dem christlichen Glauben hätten.
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