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Franz von Assisi: Friedensbote in einer Zeit der vulgären Kultur der Macht

Italien verneigt sich vor seinem Nationalheiligen und feierte den Höhepunkt des Franziskus-Jahrs: Kirche und Staat ehren den „Poverello“ von Assisi als Boten des Friedens.
Sergio Mattarella in Assisi
Foto: IMAGO/emanuela bianconi (www.imago-images.de) | Heerscharen von Bürgermeistern füllten am Sonntagmorgen die Oberkirche der Franziskus-Basilika, die Präsidenten der italienischen Regionen waren anwesend und Staatspräsident Sergio Mattarella als oberster ...

Es gibt Momente, da ist Italien so richtig katholisch. Der Sonntag war so ein katholischer Augenblick. Das Land feierte seinen Nationalheiligen, den heiligen Franz von Assisi. Das Franziskus-Jahr zum 800. Todestag des Heiligen hatte schon viel früher begonnen. Leo XIV. hatte es für den Zeitraum vom 10. Januar dieses Jahres bis zum 10. Januar 2027 ausgerufen.

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Der Papst selbst war schon am 6. August zu einem Festival der franziskanischen Jugend nach Assisi gereist. Am 27. Oktober wird er wiederkommen, zum traditionellen Gebetstreffen der Weltreligionen in der Franziskus-Stadt. Und am 22. Februar waren für einen Monat lang die Gebeine des Heiligen in der Unterkirche der Basilika San Francesco ausgestellt worden – unter hoher Beteiligung der Gläubigen. 

Ein Auflauf an Staatsvertretern

Aber der Sonntag war der Höhepunkt des Franziskus-Jahrs. Kurz vor Mitternacht hatten alle Glocken Assisis geläutet und den Nationalfeiertag eröffnet. Heerscharen von Bürgermeistern füllten dann am Morgen die Oberkirche der Franziskus-Basilika, die Präsidenten der italienischen Regionen waren anwesend und Staatspräsident Sergio Mattarella als oberster Repräsentant des Staats. Der Vorsitzende der Italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Matteo Zuppi, stand dem feierlichen Gottesdienst vor und predigte über den Heiligen, dessen Todestag ab diesem Jahr wieder ein Nationalfeiertag in Italien ist. Eigentlich war der heilige Franz am Abend des 3. Oktober „nach Sonnenuntergang“ gestorben. Liturgisch hatte aber mit der Vesper schon der nächste Tag begonnen, weshalb die Kirche und ab jetzt wieder auch der italienische Staat den Gründer der franziskanischen Ordensfamilie am 4. Oktober besonders verehrt. 

Zu Beginn der Feier fand die Darbringung des Öls statt, das in diesem Jahr von der Region Umbrien gestiftet wurde, sowie das Anzünden der Votivlampe aller italienischen Gemeinden, die das Jahr über am Grab des heiligen Franz brennen wird. Stellvertretend für alle seine Kollegen in Italien zündete der Bürgermeister von Assisi, Valter Stoppini, die Votivlampe an.

Jesus Christus als das Fundament

Diesmal hatte Papst Leo dem Staatspräsidenten die Bühne des franziskanischen Heiligtums hoch über der umbrischen Ebene überlassen. Von der Loggia des Franziskaner-Konvents sprach Mattarella nach dem Gottesdienst zu den Anwesenden und der ganzen Nation – das italienische Staatsfernsehen brachte die Feier in alle Haushalte. Der Papst selbst, jetzt durch seinen Legaten für die päpstlichen Basiliken in Assisi, Kardinal Ángel Fernández Artime, vertreten, war dann aber auf den Videowänden zu sehen, als er zum Gebet des Angelus auf dem Petersplatz auch über Franziskus sprach.

Leo XIV. sprach sofort an, was meistens vergessen wird, wenn kirchliche wie säkulare Stimmen den Heiligen als „Propheten der Natur“, als „Boten des Friedens“, als „Bewahrer der Schöpfung“, als „Freund der Tiere“ und „Patron der Armen und Kranken“ preisen: die tiefe Beziehung des heiligen Franziskus zu Christus, „den Jesus selbst bat, seine Kirche wiederaufzubauen. Franziskus wurde vom Gekreuzigten inspiriert und baute zuallererst sein eigenes Leben auf dem Fundament Christi auf, indem er dessen Armut, Freude und Leiden teilte – bis hin zum mystischen Zeichen der Stigmata“, wie Papst Leo sagte. Die Reform der Kirche habe der Heilige von Assisi „durch den Glauben an Jesus, den Herrn“, gewirkt und die Risse der Zwietracht durch das Zeugnis geschwisterlicher Liebe geheilt.

Doch dass Franz von Assisi in einer Zeit der internationalen Spannungen und Kriege ein exemplarischer Mann des Friedens ist, prägte viele der Botschaften zu diesem Tag. In seinem Brief zum 800. Jahrestag des Todes von Franziskus hatte schon Massimo Fusarelli, der Generalminister des Franziskanerordens, die Botschaft beschrieben, die von der Feier in Assisi ausgehen sollte: „Wo Kriege wehen, wollen wir ein ruhiger Hauch des Friedens sein; in einer polarisierten und gespaltenen Welt wollen wir bezeugen, dass Brüderlichkeit möglich ist; in einem von Technologie und Konsum geprägten Umfeld wollen wir ein Aufruf zur Genügsamkeit und zur Bewahrung der Schöpfung sein; in einer Gesellschaft, in der Beziehungen Gefahr laufen, immer unpersönlicher zu werden, wollen wir untereinander und mit allen echte menschliche Beziehungen pflegen; in einer Welt, in der die Wahrheit oft den Interessen und Kommunikationsstrategien untergeordnet wird, wollen wir eine Ökologie der Kommunikation fördern“.

Wider die vulgäre Kultur der Macht

Auch Kardinal Zuppi wünschte sich in seiner Predigt in der Oberkirche der Franziskus-Basilika einen Beitrag des Heiligen zur Versöhnung in der Welt, „denn Bruder Franziskus schenkt uns weiterhin Frieden und lässt uns zu Friedensstiftern werden, um ihn dorthin zu tragen, wo Gewalt, Hass und Unverständnis herrschen. Er hat sich aller Besitztümer entledigt, um unbewaffnet zu sein“, sagte der Kardinal und klagte über die „bedrohliche“ Zeit, in der „wir von der Kultur der Macht versucht und verführt werden – einer vulgären und aufdringlichen, trügerischen Kultur, die auch das Ergebnis fehlgeleiteter Betonungen und dreister, enormer wirtschaftlicher Interessen ist, von Nationalismen, die Nationen ruinieren, von Kampagnen, die Feinde schaffen, anstatt nach dem zu suchen, was uns verbindet“. Der Weg besteht also darin, „die Hände und das Herz“ zu entwaffnen.

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Von der Loggia des „Sacro Convento“ aus schloss sich Staatspräsident Mattarella dem Friedenswunsch Kardinal Zuppis an. „In diesen Zeiten, die von sinnlosen und grausamen Kriegen, von so viel Gewalt, Manipulation und Arroganz geprägt sind, ist es unser Wunsch, dass die Sonne des Franziskus die Welt erleuchten, die vom Hass verhärteten Gemüter bekehren und den Weg des Friedens, der Hoffnung und des friedlichen, brüderlichen Zusammenlebens weisen möge“. Im Laufe der Zeit, so Mattarella, hätten die Faszination und das Charisma des „Poverello“ in keiner Weise nachgelassen. Seine Lehre sei „ein universelles Erbe für Frauen und Männer aller Zeiten und aller Breitengrade, ob gläubig oder nicht gläubig, ob Christen oder Anhänger anderer Religionen“. 

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