In Asola, einer lombardischen Gemeinde unweit von Mantua, steht seit hundert Jahren das Generalat der Ursulinen vom Heiligsten Herzen Jesu, einer kleinen Ordensgemeinschaft, die in Italien in der Pfarrseelsorge, in Schulen und Krankenhäusern tätig ist. Außerdem unterhalten sie vier Missionsstationen im ostafrikanischen Burundi. Eine weitere Mission in Libyen, die die Schwestern 1975 auf Wunsch von Papst Paul VI. eröffnet hatten, musste 2015 aufgrund der unsicheren Lage in dem Maghrebstaat wieder geschlossen werden. In der Kapelle des Mutterhauses befindet sich das Doppelgrab der beiden Ordensgründerinnen Ignazia Isacchi und Margherita Lusanna. Für Letztere ist derzeit ein Seligsprechungsprozess im Gange, der für Ignazia Isacchi durch die Anerkennung einer Wunderheilung kürzlich abgeschlossen wurde. Sie wird in dieser Woche, am 10. Oktober, im Auftrag von Papst Leo XIV. seliggesprochen.
Angela Caterina Isacchi, so ihr bürgerlicher Name, wurde am 8. Mai 1857 in Stezzano bei Bergamo als zehntes von elf Kindern geboren. Als sie sieben Jahre alt war, zog sie mit ihrer Familie nach Treviolo um, wo ihr älterer Bruder Luigi Pfarrer war. Als Spiritual des Priesterseminars war er unter anderem der geistliche Begleiter des späteren Papstes Johannes XXIII., der ihn in seinen Tagebüchern erwähnt.
Nach dem Besuch der Schule bei den Ursulinen von Comasca trat sie mit 22 in die Kongregation ein, wo sie den Namen „Maria Ignazia“ erhielt und 1881 die Gelübde ablegte. Sie wurde als Lehrerin ausgebildet, unterrichtete am Mädcheninternat in Ponte San Pietro und übernahm schließlich dessen Leitung. Als sie am 14. Oktober 1889 zur Generalvikarin und Novizenmeisterin der Kongregation ernannt wurde, war Margherita Lusanna unter ihren Novizinnen.
Privatschülerinnen, Internat und Waisenhaus
Diese schloss sich – zusammen mit fünf weiteren Mitschwestern – Mutter Ignazia an, als sie mit Zustimmung der Generaloberin das Institut verließ, um in Gazzuolo auf Einladung der Contessa Bianca Liberati Stanga in deren Haus eine private Mädchenschule zu eröffnen. Sie behielten den Habit und die Regel der Ursulinen, bildeten jedoch eine neue Kongregation, die dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht war. Auf dem ersten Generalkapitel wurde Mutter Ignazia zur Generaloberin und Mutter Margherita zur Generalvikarin gewählt. Die Schule nahm neben Privatschülerinnen aus zahlkräftigen Familien arme Mädchen unentgeltlich auf; ein Internat und ein Waisenhaus waren angeschlossen.
Die neue Kongregation wuchs schnell an. Zur Schule kamen ein Kindergarten, eine Sonntagsschule und – im Geiste der 1891 veröffentlichten Sozialenzyklika „Rerum novarum“ – eine Abendschule für Arbeiterinnen hinzu. Diese Neuerungen führten zum Bruch mit der Contessa, die die Schwestern schließlich aus ihrem Eigentum verwies. Auf Anweisung des Ortsbischofs, für den die Schwestern von der Vorsehung geschickt waren, erhielten sie ein neues Mutterhaus in Asola, nachdem im Januar 1917, gegen Ende des Ersten Weltkriegs, die Konstitutionen der neuen Kongregation approbiert worden waren. 1918 wurde Mutter Ignazia für weitere sechs Jahre als Generaloberin bestätigt, mit Mutter Margherita als engster Mitarbeiterin.
Wundersame Tuberkuloseheilung
Nach Ablauf dieser Periode überließ Mutter Ignazia aus gesundheitlichen Gründen ihrer Vikarin die Ordensleitung und ließ sich nicht wiederwählen, wurde aber vom Weihbischof von Mantua zur Ehrengeneraloberin des Instituts auf Lebenszeit ernannt. Das letzte Jahrzehnt ihres Lebens verbrachte sie damit, ihren Mitschwestern geistlich zur Seite zu stehen. Sie starb am 19. August 1934 im Ruf der Heiligkeit.
1950 erkrankte eine junge Schwester der Ursulinen vom Heiligsten Herzen Jesu an Tuberkulose – damals in Italien noch eine gefürchtete Volkskrankheit. Alle Therapien scheiterten. Sie hatte bereits die Sterbesakramente empfangen, als sich ihr Zustand plötzlich und unerklärlich verbesserte, nachdem ihre Mitschwestern eine Novene zu Mutter Ignazia gebetet hatten. Eine radiologische Untersuchung ergab, dass sie völlig geheilt war. Die Schwester starb 2018 im hohen Alter von 92 Jahren. Die Anerkennung dieses Heilungswunders öffnete den Weg zur Seligsprechung der Ordensgründerin.










