Ende September 1944 wurden im Gebiet des Monte Sole im Bologneser Apennin über 770 Zivilisten von SS-Truppen ermordet; es gilt als das schwerste deutsche Kriegsverbrechen im südlichen und westlichen Europa. Ziel der furchtbaren Aktion war die Aushebung im Gebirge verschanzter italienischer Partisanen; die Opfer waren überwiegend unschuldige Männer, Frauen und Kinder, die an mehreren Orten zusammengetrieben und brutal erschossen wurden.
Am frühen Morgen des 29. September tauchten SS-Männer in Creda di Salvaro auf, einem Gehöft, das aus sechs oder sieben Bauernhäusern bestand. Die SS-Männer trieben alle Bewohner, etwa achtzig bis neunzig Personen, zusammen, pferchten sie unter das Säulendach einer Veranda und stellten einen Heuwagen davor, auf dem zwei Posten mit Maschinengewehren stationiert wurden. Nach dem Abschuss von zwei Leuchtraketen eröffneten diese das Feuer auf die Menschen – überwiegend Frauen und Kinder –, gefolgt von Handgranaten und Brandbomben. Als die Nachricht von dem Massaker die Priester Elia Comini und Martino Capelli erreichte, eilten sie den Überlebenden zu Hilfe, standen ihnen im Todeskampf bei und spendeten ihnen die letzten Sakramente. Sie wurden ebenfalls gefangengenommen und zwei Tage später, am 1. Oktober, erschossen. In der vergangenen Woche wurden sie zusammen mit dem Diözesanpriester Ubaldo Marchioni in Bologna seliggesprochen.
Elia Comini (siehe Foto) wurde am 7. Mai 1910 in Calvenzano di Vergato bei Bologna geboren. Begeistert von Don Bosco, trat er schon als Jugendlicher bei den Salesianern ein und legte mit sechzehn Jahren die einfache Profess ab, gefolgt von den ewigen Gelübden fünf Jahre später. Seine Studienzeit verbrachte er in Valsalice, wo sich damals Don Boscos Grab befand. Am 16. März 1935 empfing er im Dom zu Brescia die Priesterweihe. Anschließend studierte er Altphilologie in Mailand und schloss seine Studien mit einer Arbeit über den antiken Kirchenschriftsteller Tertullian ab.
Rom statt China
1944 kehrte er in seine Heimat zurück, um in der schweren Zeit der Besatzung durch die deutsche Wehrmacht der Bevölkerung beizustehen. Hier arbeitete er mit dem Herz-Jesu-Priester Martino Capelli zusammen, der ebenfalls bereits als Jugendlicher seiner Berufung gefolgt war. Am 20. September 1912 in Nembro bei Bergamo geboren und auf den Namen „Nicola“ getauft, wurde er mit zwölf Jahren in die Schule der Herz-Jesu-Priester in Albino aufgenommen, wo er den Ordensnamen „Martino“ erhielt. Schon damals sagte er: „Ich komme, um Priester zu werden, und das genügt mir.“ Tief beeindruckt vom Glaubenszeugnis der Märtyrer der mexikanischen Revolution, bat er die Muttergottes von Guadalupe, ebenfalls als Märtyrer sterben zu dürfen. Am 26. Juni 1938 wurde er in Bologna zum Priester geweiht. Er träumte von einem Leben als Missionar in China, wurde jedoch von den Ordensoberen zunächst nach Rom gesandt, wo er am „Biblicum“ studierte, um später zu unterrichten. Den Sommer 1944 sollte er in Salvaro beim Monte Sole verbringen, um ebenfalls der Bevölkerung beizustehen.
Hier gründete er zusammen mit Elia Comini eine Priesterbruderschaft; zusammen standen sie auf Einladung des Pfarrers Ubaldo Marchioni für den Predigtdienst zur Verfügung. Als Pater Elia und Pater Martino am 29. September 1944 erfuhren, dass es in „Creda“ außerhalb von Salvaro ein Massaker gegeben hatte, eilten sie zu dem Gehöft, um den Menschen beizustehen. Hier wurden sie von SS-Männern gefangengenommen. Zusammen mit weiteren Gefangenen wurden beide am 1. Oktober bei der Zisternenanlage „Botte di Pioppe“ erschossen. Um sicherzugehen, dass niemand überleben würde, wurden außerdem Handgranaten auf die Menschen geworfen. In den letzten Augenblicken seines Lebens segnete Pater Martino Capelli die Opfer mit einem großen Kreuzzeichen. In „Creda“ und „Botte di Pioppe“ wurden insgesamt 115 Menschen ermordet, darunter zahlreiche Kinder. In „Creda“ erinnert eine Gedenkstätte an die Gräueltaten; auf dem Friedhof von Salvaro wurden zwei Grabsteine für die Märtyrer Elia Comini und Martino Capelli errichtet.
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