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Syrischer Bischof: Christliche Werte werden „hier höher geschätzt“

Der armenisch-orthodoxe Bischof Magar Ashkarian meint, der Westen werde noch mehr leiden, wenn Christen den Nahen Osten verlassen.
Der armenisch-orthodoxe Bischof Magar Ashkarian
Foto: Kirche in Not | Christen aus dem Nahen Osten müssten in ihrer Heimat bleiben, „um die christlichen Werte zu schützen“, meint der armenisch-orthodoxe Bischof Magar Ashkarian.

Der armenisch-orthodoxe Bischof Magar Ashkarian aus der nordsyrischen Stadt Aleppo sieht durch die beständige Auswanderung von Christen aus dem Nahen Osten weitere Probleme auf den Westen zukommen. Im Gespräch mit dem katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärte er: "In der westlichen Welt mit Säkularismus und Globalisierung reißt die Strömung alles mit sich. Wenn die Christen den Nahen Osten verlassen, wird der Westen mehr leiden als heute.“

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Deshalb müssten Christen aus dem Nahen Osten in ihrer Heimat bleiben, „um die christlichen Werte zu schützen“: „Denn diese Werte werden hier höher geschätzt“, merkte Ashkarian an.

Die Situation in Syrien ist „unerträglich“

Ebenso richtete der armenisch-orthodoxe Bischof einen Appell an die internationale Gemeinschaft und bat darum, „dass Sie ihr Bestes tut, um moralisch und finanziell dazu beizutragen, die Präsenz der Christen im Nahen Osten und insbesondere in Syrien zu stärken“. Ihre Situation vor Ort sei „unerträglich“ und habe sich durch das Erdbeben vom 6. Februar 2023, das neben der Türkei auch Teile Syriens traf, noch verschlimmert.

Deshalb fordere er ein Ende der Syrien-Sanktionen, die einen Großteil der Menschen dazu bewegen würden, das Land zu verlassen: Das „stellt uns vor große Herausforderungen, insbesondere Minderheiten wie die Christen“, so Ashkarian. Die schlechten humanitären Bedingungen, ein akuter Mangel an Strom und Gas und eine hohe Arbeitslosigkeit bedingten diese Entwicklung überdies. „Die Zukunft ist düster, wir wissen nicht, was wir tun werden“, folgerte der Bischof. Seine eigene Gemeinde versuche deshalb, jungen Paaren günstigen Wohnraum zu vermitteln und ihnen auch finanziell auszuhelfen, um sie zum Bleiben zu bewegen.

Gelebte Ökumene

Auch die Beziehungen zu anderen christlichen Konfessionen im Land seien im geteilten Leid wieder aufgeblüht. Der Bürgerkrieg ab 2011 sowie anhaltende Herausforderungen hätten die davor herrschende Distanziertheit stark abgebaut: „Der Krieg und vor allem das Erdbeben haben uns einander nähergebracht. Organisationen wie ,Kirche in Not’ haben dabei eine wichtige Rolle gespielt“, erklärte der Bischof. Deshalb  lebe man heute „in einer sehr engen Beziehung miteinander“ und versuche, „ohne jegliche Diskriminierung zu helfen". In Aleppo selbst lassen sich elf verschiedene Konfessionen finden, die untereinander kooperieren um die Hilfeleistungen zu koordinieren. In Aleppo werde nicht über Ökumene geredet, sondern wir Ashkarian formulierte: „Wir leben die Ökumene.“

Auch im zwischenreligiösen Miteinander von Christen und Muslimen äußerte der Bischof Hoffnung: In Syrien hätten sie „jahrhundertelang Seite an Seite gelebt“. „Alle haben die gleichen Rechte. Wir leben geschwisterlich im Land.“ Auch für ein Aufrechterhalten dieser Situation benötige es vor Ort konkrete Hilfsmittel.

Fast drei Millionen Hungernde

Wie der Leiter von Caritas international, Oliver Müller, am vergangenen Freitag berichtete, seien knappe 90 Prozent der rund 4,6 Millionen Bewohner Syriens bereits vor dem Beben auf humanitäre Hilfe angewiesen gewesen, 72 Prozent hätten nicht ausreichend Nahrung gehabt. „Das Erdbeben vor einem Jahr hat die Situation weiter verschärft“, so Müller laut Angaben der Katholische Nachrichten-Agentur (KNA). Im ganzen Land sind jetzt fast 13 Millionen Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen, fast drei Millionen leiden Hunger.

Im Nordwesten Syriens leben etwa zwei Millionen Menschen in untauglichen Zeltsiedlungen. Allein in Aleppo wurden etwa 70 Prozent der Häuser und der Infrastruktur durch den Krieg und das Beben zerstört. DT/jmo

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